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Fahrbericht Yamaha Tracer 700: Travel-Agent

Yamaha Tracer 700Yamaha präsentiert mit der Tracer 700 einen weiteren Ableger der
erfolgreichen MT-Bau­reihe. NEWS forschte in Südtirol nach Tricks und Tücken des Touren-Twins.

Anno 1991 war es eine Pioniertat: Yamaha zog Straßenreifen auf ein reiseenduroartiges Motorrad und sorgte so für Langstreckenkomfort und Sportsgeist bei aufrechter Sitzposition – die TDM war geboren. 25 Jahre später schicken die Japaner mit der Tracer 700 einen Ableger des MT-Baukastens auf die Straße.
Über den Namen war man sich wohl lange nicht einig. Auf den Maschinen prangt ein Aufkleber mit „MT-07 Tracer“, offiziell kommt sie aber als Tracer 700 in den Handel. Auch die 900er Schwester tauft Yamaha entsprechend um. Das ist neu an der Tracer 700

Unter der Verkleidung mit Doppelscheinwerfer warten alte Bekannte: Triebwerk, Rahmen und Bremsen entstammen den Schwestern MT-07 und XSR 700, lediglich bei den Federelementen hat Yamaha nachgebessert.
Beim Aufsatteln gefällt die Ergonomie, alles ist am gewohnten Platz. Lediglich der Lenker fällt schmaler aus als erwartet, dieses Gefühl verschwindet aber nach wenigen Metern. Mit dem Arrangement kommen sowohl die großgewachsenen als auch die eher kleinen Kollegen auf Anhieb zurecht.
250 Kilometer mit acht Pässen stehen auf dem Programm – die Vorzeichen stehen auf einen perfekten Tag. Der bekannte 689-Kubik- Twin überzeugt vom Stand weg. Durch den 270-Grad-Hubzapfenversatz erinnert er vom Charakter leicht an einen V2, den Trick führte Yamaha bei der TDM schon vor 20 Jahren ein. Diesen Charakter kann man aber nur erfühlen, akustisch hält sich die Tracer 700 sehr zurück. Posen ist mit diesem Euro 4-Pötteln nicht drin, da verkneift man sich das Zwischengas im Tunnel freiwillig.

Mehr Arbeitswege, mehr Komfort: Das Fahrwerk der Tracer 700 schreckt auch nicht vor Schwerlastverkehr In engen Kehren überzeugt das 75-PS- Triebwerk mit ordentlichem Schub aus dem Keller, der erste Gang ist hier nie nötig. Über den Testtag pendelte sich der Verbrauch bei zügiger Berg- und Talfahrt zwischen fünf und sechs Litern ein. Dank des auf 17 Liter gewachsenen Tanks steht ausgedehnten Tagesetappen nichts im Weg.
Das größte Pfund des Twins ist in den Bergen aber seine breitbandiger Auftritt. Durch das große nutzbare Drehzahlband entfallen die meisten Schaltvorgänge zwischen den Kehren. Dabei gibt sich der Twin sehr beherrschbar und ohne Leistungsausbrüche, man reißt das Gas in den Kurven daher immer früher auf.

Lediglich der für die Klasse ungewöhnlich breite 180er Michelin Pilot-Road-4 am Heck zeigt mit einigen Rutschern die Grenzen auf. Beinahe grenzenlos scheint dagegen diDas Heck als Wille und Vorstellung: Trotz Kapriolen taugt die Tracer 700 für zweie Schräglagenfreiheit der Tracer, die Yamaha ins Segment der Tourensportler einordnet: Die fingerlangen Angstnippel kratzen nur dann sacht über den Asphalt, wenn man den Michelin bis zur Außenkante ausreizt. Auch das Fahrwerk überzeugt im engen Kurvengeläuf: Die Schwinge wuchs in der Länge um 50 Millimeter, dadurch wird das Federbein anders angelenkt. Das wuchs ebenfalls um zwölf auf 142 Millimeter Arbeitsweg. So gerüstet soll es die Tracer zielgruppengerecht mit Reisegepäck und Sozia aufnehmen. Aus gleichem Grund stimmte Yamaha die Gabel mit einer progressiveren Federrate neu ab. Aber auch ohne Schwerlast auf dem Buckel macht das neue Bein im Heck einen überzeugenderen Eindruck als das unterdämpfte Pendant der MT-07.

Alpenpfeile: Die tourentauglichen Mittelklasse-Allrounder tummeln sich in der Klasse von Versys und V-StromDie Bremsen spielen ebenso munter mit: Bei Bedarf stauchen die Vierkolben-Festsättel an Doppel-Wave-Scheiben vorne die Tracer ordentlich zusammen, dabei kann sich der Pilot auch nach mehreren Pass-Abfahrten über einen klaren Druckpunkt am verstellbaren Hebel freuen. Der Punkt ist am Heck deutlich schwerer zu ertasten. Relativ unvermittelt setzt der Hinterreifen zum Bremsdrift an, bevor das ABS mit feinen Intervallen dazwischenfunkt. Zusätzliche Kontrolle versprechen gummierte Flächen am Tank für griffigeren Knieschluss.
Löst man zwei Knebel am Windschild, kann man es in 28 Stufen insgesamt acht Zentimeter verschieben. Bei meinen 1,85 Meter sorgt die niedrigste Stufe für die wenigsten Verwirbelungen und ausreichenden Windschutz. Auf Wunsch liefert Yamaha aber auch als Sonderausstattung eine höhere und breitere Tourenscheibe.
Überhaupt nehmen die Japaner die Wünsche der Reise-Kundschaft ernst. Neben verschiedenen Koffersystemen liefern sie Sturzbügel, Zusatzscheinwerfer, Akrapovic-Endtopf, eine Komfortsitzbank und sogar Griff- und Sitzheizung. An der Lenker-Mittelstrebe bietet ein Lochblech Halt für Navis, Handys und anderen Kleinkram. Familiengesicht: Die Scheinwerferlinie lässt den Yamaha-Stammbaum erkennen
Für 7895 Euro wechselt die von SBK in Frankreich gebaute Tracer 700 den Besitzer. Die Verarbeitung überzeugt auf den ersten Blick, nichts deutet auf Sparzwänge hin. Zumindest fast nichts: Warum der Kühler als einziges Bauteil keine schwarze Farbe abbekam und so frech aus dem Rest herausblitzt, bleibt ein gestalterisches Mysterium.
Dafür bekommt man ein sportlich zu fahrendes Motorrad, das auch bei längeren Ausritten genug Komfort bietet. Dank überarbeiteter Federelemente überzeugt die Tracer noch mehr als ihre nackten Schwestern, auch wenn der Preis deutlich steigt. Denn der Touren-Ableger der MT-07 kann alles – außer auf dicke Hose machen. Dass die Tracer-Reihe Potenzial hat, zeigt die 900er: 15 000 Stück verkaufte Yamaha seit Anfang 2015. Jetzt fehlt nur noch ein geländetauglicher Ableger des Twins. Die Taufe dürfte einfacher sein: „Ténéré“ bietet sich an.

von Benedikt Winkel, Fotos Werk

Technik: Yamaha Tracer 700Fazit:
Endlich passt’s: Wenn man der MT-07 eins vorwerfen kann, dann das lasche
Federbein. Da legte Yamaha bei der Tracer Hand an und schuf einen sehr spaßigen Tourensportler für verhältnismäßig kleines Geld. Diese 700er ist die vielseitigere MT.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.6 (16 Bewertungen)

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