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Kegel-Ausflug: Reise durch die Auvergne


Wieso das Rheintal? Wir wollen doch in die Auvergne, mit erster Station Vichy.
Hm.  Bergfest: Die Auvergne ist eine Alternative zur AlpenquerungHerr F. fährt vor, Herr G. hat die Karte im Tankrucksack. Da liegt der Fehler im System. Es ist zwar sehr hübsch hier, aber vielleicht sollten wir mal die Plätze tauschen. Die Pannen setzen sich halt fort. Erst mussten wir unseren jährlichen NEWS-Ausflug wegen eines Wintereinbruchs mitten im Mai verschieben, nun kam eine Krankmeldung von Sophie. Unser Praktikant Anton sattelte als Ersatzmann auf, steckte aber den halben Tag im Stau fest. Dann leckte der Gabelsimmerring an der F 800 R, zum Glück ließ sich das auf kurzem Dienstweg erledigen – nochmals Danke an die Jungs von der BMW-Niederlassung Dortmund. Ach ja, das Navi hatte sich natürlich vorher noch aus der Halterung in die Weiten des Weltraums verabschiedet. Endlich, gegen 16 Uhr, Abfahrt Richtung Südfrankreich – und jetzt eiern wir im Feierabendverkehr gen Koblenz. Haha.
Nachtschicht fürs Rocktheater: Das Hotel Les Nations in Vichy hat Verständnis für Spätheimkehrer  Am nächsten Morgen weckt mich lautes Plätschern. Regen! Nach dem Zehnstunden-Ritt durch den Autobahn-Backofen hatten wir damit nicht wirklich gerechnet. Immerhin ist das altehrwürdige Hotel Les Nations in Vichy ein charmanter Ort, um die Sintflut abzuwettern. Und ein zuverlässiger dazu: Trotz seeeehr später Ankunft gegen Zwei öffnete uns der Nachtportier nicht nur lächelnd die Tür, sondern holte sogar noch vier Gemüseplatten aus der längst verschlosse-nen Küche. Bon Appetit!
  Es tröpfelt nur noch. Wir lassen das fliegen-übersäte GoreTex auf den Zimmern und bummeln in Freizeitkleidung durch die Kurmetropole, die als Aquae Calidae schon bei den Römern beliebt war und sogar Gallierhäuptling Majestix zu einem rasanten Gewichtsverlust verhalf. Unter einer Jugendstilbalustrade lustwandeln wir durch das beschauliche 25000-Seelen-Städtchen bis zur Halle des Sources. Die leicht abgerockte Schmiedeeisen-Konstruktion ist das Epizentrum des Kurbetriebs, unter milchigem Plexiglas Stille Tage in Vichy: Unter der Plexiglaskuppel gluckert das lauwarme Heilwasserplätschern die berühmten Heilquellen. Nur eine Kurkarte öffnet das Drehkreuz ins blau geflieste Hallenbad-Ambiente mit Dutzenden homöopathischen Zapfhähnen. Fürs Volk sickert das Quellwasser „Celestins“ aus vier Wandlöchern. Na denn mal Prost.
  Entlang der Allier verlassen wir das Warmwasserzentrum in Richtung Clermont-Ferrand. Die Michelin-Metropole ist nicht nur für ihre Reifenbäcker berühmt, sondern gedeiht auch touristisch im Schatten des 1464 Meter hohen Vulkankegels des Puy de Dome – und gilt als Tor zum Hochland der Auvergne. Von Nord nach Süd reihen sich die einstigen Feuerberge über 120 Kilometer aneinander. Vor zehntausenden von Jahren erloschen, prägen sie mit eigenwilli-gen, erodierten Felsformationen, weiten Kornfeldern und dunklen Wäldern den 395000 Hektar großen Parc Régional des Volcans d‘ Auvergne, den wir in den nächsten Tagen der Länge und Breite nach durchpflügen wollen.
Nichts für Freunde der Volkshochschule: Der Freizeitpark "Vulcania" vermittelt Wissen nach dem Lustprinzip  Eine erste Aufklärung über das, was auf uns zukommt, verspricht der Park „Vulcania“. Herr G, der sich schon auf ein solides naturkundliches Museum gefreut hatte, wird die nächsten zwei Stunden seiner Enttäuschung freien Lauf lassen. Denn der vier Etagen tief ins Vulkangestein gefräste Freizeitpark setzt statt Vitrinen, Folianten und strengen Blicken von bebrillten Duttträgerinnen auf Wissensvermittlung nach dem Lustprinzip. Effektkinos in Drei- und Vier-D, Abenteuerfahrten durch die Vulkangeschichte und quietschebunte Animationen informieren im Disneyland-Stil über die feurige Vergangenheit des Arvernerlandes. Große und kleine Kinder quietschen vor Freude – aber man kann es halt nicht allen recht machen.
  Zufrieden sind alle vier, als wir wieder auf den Motorrädern durch das Umland kreuzen. Die Landschaft ist schön, beschwingt, aber noch nicht sonderlich erhaben. Das kommt erst weiter im Süden, wenn Pässe in 1300 oder 1400 Meter Höhe über die ausgerauchten Vulkanschlünde führen. Bis dahin brauchen wir noch etwas Geduld. Und Schlaf, denn die knackige Anreise steckt uns noch in den Knochen. Müde entern wir im „Relais des Puys“ die Zimmer – und müssen eine halbe Stunde später wieder in den Sattel, denn uns erwartet noch ein Verabredung mit Vanessa Michy, die den Tourismus der Auvergne betreut und uns ins gut 40 Kilometer entfernte Montpeyroux geordert hat.
Schwarze Magie: "Relais de Puys"-Chef Valéry liebt ausgestorbene Motorräder aus der Nachbarschaft  Unser Wirt Valéry, Schriftführer des französischen Voxan-Fanclubs und sehr, sehr stolzer Besitzer einer Voxan Roadster und einer Black Magic, hat Verständnis für unsere schmerzenden Hinterteile. Er telefoniert mit Vanessa, um den Termin umzulegen, aber die lässt sich nicht erweichen. Zum Glück. Denn die Abendsonne tunkt das vorsichtig restaurierte mittelalterliche Bergnest in sanftes Honiglicht. Rundherum reicht der Blick vom Tal der Allier ins Arvernerhochland. Das belebt die Entdeckerlust. Dazu gibt es im Restaurant „Le Donjon“ eine Familienportion Truffade, der örtlichen Spezialität aus Kartoffeln mit gehaltvollem Cantal-Käse, die uns auch für den Energiebedarf eines Everest-Aufstiegs wappnen würde.
  Der Appetit aufs Frühstück fällt dann auch erwartungsgemäß flach aus. Immerhin helfen uns ein paar französische Deutsch-französische Freundschaft: Vor dem "Les Relais des Puys" gibt es tablettweise "1664"Motorradfahrer vor dem „Relais de Puys“ später noch, ein Tablett Kronenbourg zu verdrücken. Denn Valérys Dreisterne-Herberge ist auch ein Bikertreff – und über die neue Super Ténéré in unserem Reisefuhrpark kommen wir schnell mit Händen, Füßen und holprigem Frenglisch ins Gespräch.
  Wie gesellig das französische Motorradvolk ist, merken wir andertags auf unserer Fahrt in Richtung Monts Dore. Die Kollegen aus dem Nachbarland grüßen, was das Zeug hält, und lassen sich selbst von Muffeldeutschen nicht abhalten. Wir treiben über Aydat in Richtung der Gipfel, entern den Puy de la Vedrine über den 1311 Meter hohen Col de Guéry, um jenseits von Le Mont-Dore den Wasserfall der Grand Cascade zu verpassen und stattdessen ein schnelles Thunfischbaguette einzuwerfen. Denn schließlich wollen wir einige randvolle Speicherkarten als Souvenir mit nach Hause bringen. Und unser Fotoartist, der auch als Antreiber auf einer Rudergaleere Karriere gemacht hätte, versteht nicht nur sein Geschäft, sondern hält die Mannschaft auch mit immer neuen Bildideen bei Laune.
Beschwingt: Die Landschaft ist schön, aber noch nicht sonderlich erhaben. Die 1300 Meter hohen Pässe folgen erst weiter im Süden  Spätestens auf dem Puy de Sancy mit seinem Rundblick aus 1885 Meter Höhe sind wir aber mit der Tagesausbeute zufrieden. Jede Menge Kurvenaction in charmanter Landschaft sind schon aufgepixelt, nun lockt am Horizont der Lac Chambon die von der Sommerglut gesottene Mannschaft zu einem kühlen Bad. Die Badehosen haben schließlich seit gut 1600 Kilometer kein Wasser mehr gesehen. „Du, Asterix! Ich hätte Lust ‘reinzuspringen!“, heißt es dazu in der Reiselektüre. Aber während Obelix das Nass immerhin ins nächste Becken verteilt, kommen wir erst gar nicht in die Nähe des tiefblauen Mares, haben aber dafür viele hübsche Fotos der 800 Jahre alten Burg von Murol im Tankrucksack.
  Am nächsten Morgen verlassen wir Valérys Motorradherberge und sensen direkt über die A 75 in Richtung Süden. Als das malerisch auf einem Felsen thronende St. Flour in den Visieren auftaucht, geht es runter von der Bahn, um kurz hinter den Stadtmauern in Roffiac beim Bauernhof „Le Ruisselet“ unsere Packtaschen abzuwerfen. Familie Bergaud hat in ihr großes Natursteinhaus vier Appartements und eine Ferienwohnung integriert, nebenan können Frischluftfans auf dem gemütlichen Campingplatz ihr Zelt aufschlagen. Wir verabreden uns kurz fürs Abendessen und schwingen uns auf in Richtung Puy Mary, einem Höhepunkt unseres Ausflugs.
Grüngürtel: BeimTiefflug durchs Hochland stört kein Gendarm den fließenden Verkehr  Die Landschaft wird karger, höher, spektakulärer. Neben uns plätschern Flüsschen talwärts, glückliche Steaks grasen auf saftigen Almen. Ginster und das ganze Potpourri an buntem Gebirgsgemüse steht Anfang Juli noch in voller Blüte, was unseren Praktikanten zu allergischen Höchstleistungen treibt. Auf dem kühlen, regenreichen Hochplateau der Auvergne ist die Natur gegenüber dem hochsommerlichen Deutschland etwas in Verzug, was aber nicht jeden freut.
  Wir folgen der wild geschlängelten „Route de Montagne du Cantal“ und landen zur Mittagszeit zwischen dem 1694 Meter hohen Puy Griou und dem nochmals 160 Meter höheren Plomb du Cantal, Reste eines bis zu 80 Kilometer messenden Riesenvulkans, der vor zehn bis 20 Millionen Jahren die Auvergne grillte. Auf einem wettergegerbten Holztisch brechen wir das Stan-genweißbrot und pellen die Mahlzeit: Halbfertigprodukte aus dem Supermarkt verschönern die Rast zwischen den PuysSupermarktwurst mit dem Leatherman, während die ausgemergelten Höhenwanderer neben uns sogar einen Spirituskocher aus dem Rucksack ziehen, um einen Kaffee aufzubrühen.
  Aber schnell rutschen wir auf den Sitzbohlen des schattigen Rastplatzes herum – die örtliche Route du Créte wartet. Die Panoramastraße schont die Reifenmitte und führt uns immer höher hinauf bis zum Puy Mary, wo eine Berghütte sündhaft teures Sirupwasser ausschenkt, zwei Flics das Treiben auf dem Parkplatz regeln und eine Endlostreppe die letzten 200 Meter auf den Gipfel führt.
  Den schenken wir uns und rollen lieber mit reichlich Gas in Richtung Westen. Immer wieder erhöht Rollsplitt in den Kurven den Blutdruck – „das machen sie immer im Juni“, verraten uns abends zwei Motorradtouristen aus Paris. Mit Club of Dome: Auch im Juli kitzelt die Auvergne noch die Schleimhäute der Allergikerweit geöffneten Augen nähern wir uns Salers, das der Reiseführer als „Bilderbuchstadt aus Lavagestein“ und „französisches Rothenburg“ lobt. Es ist tatsächlich ein sehr hübscher Ort und wir werden bestimmt irgendwann mal mit unseren Familien durch die Gassen schlendern. Im Moment hängt uns allerdings der Magen auf den Knien. Wir machen noch schnell 500 Fotos und wählen dann den Expressgang in Richtung Bauernhof.
  Dort wartet Madame Bergaud bereits mit duftendem Truffade und Putengulasch in Rotweinsoße auf uns. Auf der Terrasse kühlen wir nach den heißen Tagen etwas herunter. Morgen wartet 1000 Kilometer lang der Autobahn-Backofen auf uns. Und vielleicht noch ein kleiner Abstecher ins Rheintal.

von Frank Roedel / Fotos: Guido Bergmann

REISE INFO
Kartoffelbombe mit Knofi und reichlich Cnatal-Käse:Eine Portion Truffade wappnet für den Everest-AufstiegAllgemeines: Die Auvergne in der Mitte Frankreichs hat ihren Namen von den keltischen Ureinwohnern, den Arvernern. Die erzielten vom Hügel der Stadt Gergovia aus, in der Nachbarschaft zum heutigen Clermont-Ferrand, einen historischen Sieg über die römi-sche Besatzung. Zahllose ehemalige Vulkane prägen die saftig-grüne Hügellandschaft, die auf das Auverg-ne-Wet-ter verweist: häufiger Regen. Besonders im Frühjahr muss man mit Schauern rechnen, auch ein Pullover gehört ins Gepäck. Die bekanntesten Gipfel sind der Puy de Dome und der Puy Mary.
Reisezeit: Das Frühjahr ist regenreich, der Sommer warm bis heiß, die Spätsommer sonnig – die hoch gelegene Auvergne bietet fast ganzjährig blühende Landschaften. Mitte Juli bis Ende August ist es wie überall in Frankreich sehr voll, dann sollte man Zimmer vorab reservieren.
Anreise: Der Westen und Norden rollt klassisch über Luxemburg, Metz und Nancy nach Süden. Südlichter wählen die Tangente über Straßburg oder Freiburg/Mühlhausen, ganz zähe Mautverweigerer fahren über die Passstraßen der Schweiz. Prinzipiell kann man Autobahnen meiden, das ist aber deutlich zeitintensiver.
Übernachtung: Hotel Les Nations, 13, boulevard de Russie, 03200 Vichy, +33 (0)470982163, www.lesnations.com, Zimmer ab 66 Euro pro Person plus Frühstück. Hôtel des Puys à Orcines, La Baraque, 63870 ORCINES, +33 (0)473621051, www.relaisdespuys.com, Zimmer ab 69 Euro pro Person plus Frühstück. Ferme „Le Ruisselet“, Famille Bergaud, 15100 Roffiac, +33(0)471601133, www.ferme-le-ruisselet.com, 50 Euro pro Person inklusive Frühstück.
Literatur/Karten/Infos: Dumont-Reisetaschenbuch Auvergne, Tarn & Cevennen, 290 Seiten, 14,95 Euro; Goscinny/Uderzo: Asterix und der Arvernerschild, Band 11, Ehapa-Verlag, zehn Euro; (Michelin-Karten) Auvergne/Zentralmassiv 1:150000, 7,50 Euro; www.frankreich-info.de/ reisen/auvergne, www.auvergne-tourisme.info, www.crdt-auvergne.fr

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.7 (3 Bewertungen)

Reise durch die Auvergne

Schöner Tourbericht, der schon jetzt an die nächste Saison denken lässt insbesonders, da ich im August in Südfrankreich war >>> http://www.motorroller-info.de/html/haute_provence.html

Gruß Ralf

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