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Neuland: MV Agusta Stradale 800 im ersten Fahrtest

Ghet ums Eck, wheelt und hat auch noch Koffer: Die MV Agusta Stradale 800 bezaubert rasende ReisendeMit der Stradale 800 beschreitet MV Agusta neues Terrain: Zum ersten Mal nehmen die Italiener nicht nur Sportsfreunde, sondern auch touristisch ambitionierte Fahrer ins Visier. Das Beste aus zwei Welten?
 

„Das ist das Motorrad, mit dem ich zur Arbeit fahren würde“, schwärmt Firmenchef Giovanni Castiglioni vom neuesten Wurf der italienischen Traditionsmarke MV Agusta. „Aber darauf kann ich nicht Zigarre rauchen.“ Offensichtlich ein Mann mit Prioritäten. Und mit einem AMG ist man sicher ebenso zügig im Vareser Büro.
Für alle, die sich nicht gleich Fahrzeuge für alle Belange in die Garage stellen, sondern auf der Suche nach einem möglichst vielseitigen Motorrad sind, hat MV Agusta die Stradale 800 aus dem Hut gezaubert. Im Visier steht ebenso die „Aufregung des Stadtverkehrs“ als auch die Flucht in die „Haarnadelkurven der Berge“ – so verspricht es der Prospekt.
Heilige Mutter Gottes: Nein, die 300 zeigt das Display nur im Stand anDoch ein nagelneues Motorrad ist die Touren-MV nicht: Als Basis dient die Rivale 800, die als sportliche Supermoto-Variante des Dreizylinders bereits ein Novum für MV war. Die auffälligsten Unterschiede: Die verstellbare Scheibe und die hübsch ins Heck integrierten Koffer – für feine Detaillösungen geht man nach wie vor zum Italiener. Die Silhouette der Stradale ist auch mit den Gepäckstücken sehr schmal, möglich macht’s die Integration der Rücklichter in die Koffer. Bei der Montage, die in zwei Minuten erledigt ist, muss man lediglich ein Kabel anstecken. Das schaltet die verdeckten, identischen LED-Leuchten im Heck ab und jene in den Koffern ein. Pfiffig. Doch in Sachen Stauraum gelingt selbst den findigen Italienern kein Wunder: Fürs Urlaubsgepäck oder den Helm sind die Taschen nicht gemacht, die Wechselklamotten oder vier Dosen Ravioli sollten aber passen. Wer mehr Raum braucht, bekommt im Original-Zubehör auch das passende Top-Case – in Sachen Ästhetik ist das aber sicher nicht jedermanns Sache.  
Apropos Ästhetik. An hübschen Details mangelt es der Stradale nicht: Da wären etwa der typische, dreifach gestaffelte Endtopf, der Scheinwerfer in Stealth-Optik, die filigrane Gussfelge oder die mit Blinkern und LED-Tagfahrlicht ausgerüsteten Handprotektoren.
Typisch italienisch? Ein wenig erinnert die MV Agusta ja schon an die Hyperstrada von Ducati - beim Motorkonzept könnten die Unterschiede allerdings kaum größer seinDoch nur mit Designretuschen macht man aus der agilen Rivale noch kein Motorrad für die Langstrecke: Um die Fuhre stabiler zu machen, haben die Ingenieure den Radstand dank verändertem Rahmen, 30 Millimeter längerer Aluschwinge und etwas flacherem Lenkkopfwinkel um knapp fünf Zentimeter verlängert. Auch am Fahrwerk haben die Italiener Hand angelegt: Die voll einstellbare Marzocchi-Gabel bietet 150 Millimeter Federweg. Hinten schaukelt ein ebenfalls justierbares Sachs-Federbein hin und her, der Federweg wurde im Vergleich zur Rivale um 20 auf 150 Millimeter erhöht.
Es ist Zeit, Platz zu nehmen. Trotz neuer, niedrigerer Sitzbank fühlt sich die Haltung sehr nach Supermoto an. So sitzt man weit vorne am 16-Liter-Tank, Cockpit, Scheibe und der hohe Lenker kommen sehr nah. Das ist nicht unbequem, aber sehr ungewohnt. Zudem rückt der Tacho so weit vor den Bauch, dass man den Kopf stark neigen muss, um darauf etwas zu erkennen. Der Kniewinkel ist selbst mit langen Beinen entspannt. Große Kerls müssen die Knie aber weit abspreizen, um neben der Tankverkleidung Platz zu finden. Ein weiteres Ärgernis ist ein steifer Hubbel am Sozius-Sitz, der die Beweglichkeit des Fahrers nach hinten deutlich einschränkt. Hier folgt die Funktion klar der Form.
Los geht’s mit einem wichtigen Kapitel für ein Tourenmotorrad: dem Kilometerfressen. Der Weg zur spanischen Landstraße führt über einige Kilometer Autobahn, auf der sich die Stradale beweisen kann. Und die Ingenieure haben nicht zu viel versprochen. Die MV zeigt sich bei höheren Tempi stabiler als die sportlicheren 800er-Schwestern. Und auch das Windschild macht seinen Job in der höchsten Position erfreulich gut – Entspannung macht sich breit.
Kofferhoffer: Kühe, Schweine und Zementsäcke passen zwar nicht in die Koffer der MV Agusta Stradale 800. Aber Platz für Zahnbürste und Pantoffeln ist schon.Dazu trägt auch die neue Abstimmung des Dreizylinders bei. Das speziell für die Stradale feingetunte Ride-by-Wire wandelt Gasbefehle sanft um, Ruckelei oder heftige Spontanreaktionen sind der 800er fremd. Überhaupt zeigt sich der drehfreudige Dreizylinder in der Allzweck-MV von einer braveren Seite: Im Rain- und im Normalmodus schieben 90 PS an, aber selbst im Sport-Modus mit 115 PS ist die Stradale gut zu beherrschen. Der hat außerdem den Vorteil, dass man mit dem serienmäßigen Quickshifter nicht nur rauf-, sondern auch ohne die – erstmals bei MV hydraulisch betätigte – Kupplung runterschalten kann. Und auch diese Technik hat die MV-Truppe touristisch abgestimmt. So geht es bei der Stradale viel weniger um kurze Schaltvorgänge bei fünfstelligen Drehzahlen, sondern mehr ums entspannte Rauf- und Runterschalten in allen Lebenslagen. „Das ist eben MVs Interpretation eines Rollers“, meint der Boss dazu. Eine gute Interpretation, finde ich. Und das bei allem Komfort der Sportsgeist nicht zu kurz kommt, beweisen die anderen elektronischen Helferlein: Die achtfach verstellbare Traktionskontrolle ist ebenso serienmäßig wie das Bosch-ABS mitsamt Abhebekontrolle fürs Hinterrad.  
Runter von der Autobahn, rein ins spanische Landstraßenparadies, jetzt ist die sportliche Seite der Stradale gefragt. Mit einem Trockengewicht von 181 Kilo muss man bei der Leistung des Dreizylinders kaum einen Gegner fürchten – außer vielleicht miserablen Asphalt. Denn lässt man es darauf mit der MV krachen, wird schnell deutlich, dass es sich bei der 800er nicht um eine softe Reiseenduro handelt, die jede Unebenheit ausbügelt. Das sportlich straff abgestimmte Fahrwerk verlangt beim Kampf gegen die Bodenwellen nach Einsatz. Ich kralle mich am Lenker fest und spanne meine vier Buchstaben an, um am äußerst flotten Tourguide dran zu bleiben. Mit dem Messer zwischen den Zähnen ist es erstmal vorbei mit der Entspannung. Zumindest, bis die Straßen plötzlich besser werden.
Leicht und schnell: Die Stradale ist fast schon eine SupermotoUnd dann bemerke ich endlich, wofür die Italiener die Stradale auf die Räder gestellt haben und fasse Vertrauen in das Konzept. Lässt man der MV ein wenig laufen, ist man recht unangestrengt flott unterwegs und zirkelt selbst kleine Radien mit wenig Körpereinsatz. Da ab 4000 Touren stets über 65 Newtonmeter anliegen ist auch die Gangwahl kein Thema, der elastische Triple drückt mich stets kräftig aus der Kurve. Und wenn nicht, ist der Schaltvorgang dank Quickshifter in Millisekunden erledigt. Plötzlich kann ich mir vorstellen, mit der Stradale zur Arbeit zu fahren. Zum Glück rauche ich nicht.
Also, Mission geglückt? Wer von der Stradale ein ausgewachsenes Tourenmotorrad erwartet, wird schon beim Einnehmen der sportlichen Sitzposition abgeschreckt. Leicht und schnell – MVs Kernkompetenzen stehen auch beim neuesten Spross im Vordergrund. Doch zum ersten Mal in der Firmengeschichte geht mit einer MV noch mehr: Dank angenehmer Abstimmung des Triples, guter Stabilität und Nettigkeiten wie den Taschen und dem ordentlich funktionierenden Windschild hört der Spaß an einem Motorrad aus Varese nicht beim Sport auf.

Ansgar "Master of permanent lightning and strike detonator" Babucke                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

 
 
Fazit
Kompromiss geglückt: Im Herzen eine typisch sportliche MV, gewinnt die Stradale durch den längeren Radstand, Köfferchen, Windschild und softere Abstimmung des Triples deutlich an Alltagsqualität. Das ist trotzdem nichts für Einsteiger oder komfortverwöhnte Tourenonkels, aber für all jene, die ein Bisschen mehr wollen, als schnell sein.
 
 
Technische Daten (Herstellerangaben) 
Motor: Dreizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile / Zyliner
Hubraum: 798 cm3
Leistung: 84,5 kW (115 PS) bei 11000 min-1
Drehmoment: 78,5 Nm bei 9000 min-1
ABS: serienmäßig
Reifen v./h.: 120/70 ZR 17 / 180/55 ZR 17
Sitzhöhe: 870 mm
Tankinhalt: 16 l
Trockengewicht: 181 kg
Preis: 13890 Euro
 
 
 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (10 Bewertungen)

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