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Preisbrecher: Honda NC 750 S DCT gegen Yamaha MT-07

Günstig Motorrad fahren, aber ohne Askese bitte. So der Anspruch von Yamaha MT-07 und Honda NC 750 S. Eine Expedition ins Spannungsfeld zwischen „billig“ und „preiswert“.

Da sitzen wir in der Redak­tion und planen. Ein Ver­gleich soll es werden. Zwischen zwei einstei­gerfreundlichen Budget Bikes. Im Fokus die beiden Gretchen­fragen: Wer bietet mehr fürs sauer Ersparte? Und macht das auch noch Spaß? Schnell fällt die Wahl auf eine Yamaha MT-07 mit ABS, als Spar­rings­partner soll die Honda NC 750 S mit konventio­nellem Getriebe herhalten. Ver­gleichbare Ausstattung bei fast iden­tischem Preis von knapp 6000 Euro.
Doch auch bei uns läuft nicht im­mer alles rund. Die MT-07 kommt ohne ABS und 500 Euro günstiger bei uns an. Und die NC 750 ist dum­merweise auch noch mit dem 1000 Euro teureren DCT-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet.
Also alles wieder absagen? Natür­lich nicht. Der Trend zur immer wei­ter führenden Verästelung des Angebots, zu Sondermodellen und Produktvarianten bekommt seit Jah­ren Aufwind. Und je zahlreicher die Varianten innerhalb der Modellfamilien, desto seltener passen die Vergleichspartner (oder Gegner?) wirklich perfekt zueinander. Zumal viele Hersteller sich schlicht weigern, Testmaschinen in Basisausfüh­rung herauszurücken.
Soweit der Hintergrundreport. Die Grundlage: MT-07 und NC 750 S gehören zu den bestverkauften Ma­schinen der beiden japanischen Her­steller. Und sie sollen eine ähnliche Kundschaft umwerben, wenn auch mit völlig unterschiedlichen Mitteln. Honda zeichnet die NC 750 S kräftig und belastbar. Der Motor wummert satt wie ein Turbodiesel, alles an der Maschine macht einen grundsoliden Eindruck.
Leichtbau war kein Thema beim Entwurf der NC 750 S. Auch ausufernde Spitzenleistung stand nicht im Lastenheft. Grundehrliche 55 PS verspricht das Datenblatt. Klingt heutzutage nach wenig, im Verein mit dem vergleichsweise hohen Ge­wicht der NC fallen die Beschleuni­gungswerte der Honda dann auch eher bescheiden aus.
Zumindest, wenn man von der drahtigen MT-07 wech­selt. Yamaha vertritt hier eine völlig andere Philosophie. Leicht und spritzig soll die MT-07 den Spaß in die untere Mittelklasse bringen. Muntere 75 PS verspricht der Prospekt. Von der Papierform her kann sich die Yamaha 20 PS Leistungsüberschuss und 47 Kilo Gewichtsvorteil gut schreiben. Wobei, wenn man das nicht ganz leichte Doppel­kupplungsgetriebe der Honda und das fehlende ABS der Yamaha mit einrechnet, verringert sich die Gewichts-Lücke auf 34 Kilo.
In der Praxis fällt der Massenwechsel dannn aber gar nicht so auf, denn objektiv betrachtet ist die Honda leicht und die Yamaha sehr leicht. Soll heißen, Piloten über 60 Kilo haben nicht die geringste Mühe mit dem Handling der NC 750 S, zu­mal die kompakte Honda zwei Zen­timeter weniger Sitz­hö­he mitbringt und auch den Massenschwer­punkt tiefer ansiedelt als die eher hochbeinige Yamaha.
Dennoch, in der City und im Serpentinengeschlängel benimmt sich die MT-07 wie das berühmte Damenfahrrad, selbst der mit 180 Millimetern unsinnig fette Hinterreifen kann die Neutralität nicht nennenswert stören. Da muss der Lenker gar nicht breit sein, kleinste Lenkimpulse reichen aus, und die Yamaha huscht wieselflink durchs Kurvengeäst.
Ähnlich überdimensioniert wie der Hinterreifen zeigt sich die vordere Bremsanlage der MT-07. Dort finden sich zwei mit mäch­tigen Vier­kolben-Festsätteln bewehrte Brems­scheiben, wie sie auch in den Yamaha- Supersportlern anzutreffen sind. Die­se Vollwertkost hat keine Mühe, die MT-07 wieder einfangen. Freundlicherweise haben die Techniker eine weniger griffige Belagmischung ge­wählt, weshalb die MT-07 nicht so bissig bremst wie befürchtet.
Die Mixtur aus Fliegengewicht und schlanker Taille lässt den kräftigen Twin noch muskulöser wirken als er wirklich ist, der Unterhaltungswert auf der MT-07 genügt damit auch Routiniers. Doch die Alltagstugenden der Yamaha leiden unter dem spaßbetonten Minimalismus. Die Sitzbank ist eher schick als bequem, der Hintermann hat es ganz schlecht getroffen.
Größter Pferdefuß der Yamaha sind aber die schwammig gefederten und völlig unterdämpften Federelemen­te. Beim Wipptest im Stand lässt sich gar keine Dämpfung am Heck erkennen. Einstellmöglichkeiten such­ten wir vergebens, lediglich die hin­tere Federvorspannung lässt sich an­passen, was aber kaum Effekt zeigt.
Mit gertenschlankem Solo-Piloten funktioniert die Abstimmung der MT-07 so gerade eben noch, jenseits der 70 Kilo Fahrergewicht lassen sich Pump- und Schaukelbewegungen aber kaum noch ignorieren. Und im Duo-Betrieb ist dann alles zu spät, da schlingert die MT-07 durch lang­gezogene Kurven, als wäre kein Öl im Federbein.
Da wundert es nicht, dass das zu­lässige Gesamtgewicht der Yamaha lediglich 174 Kilo Zuladung ermöglicht. Schade, denn hier macht Yamaha denselben Fehler wie bei der großen Schwester MT-09, die ebenfalls ein Gutteil ihres dynamischen Potenzials mit unterdämpften Federelementen verschenkt.
Solche groben Schnitzer auf den Nebenschauplätzen leistet sich die Honda NC 750 S nicht. Die stämmi­gere Maschine ist laut Fahrzeugschein gut für 207 Kilo Zuladung, und tatsächlich schultert die NC zwei nor­mal gewachsene Passagiere ohne Murren, die Bank der NC ist auch deutlich tourentauglicher. Erst zwei XXL-Personen bringen die Federung der Honda in Verlegenheit.
Genau wie auf der Yamaha genießt der Honda-Fahrer ausreichenden Windschutz, zumal das Autobahntempo sich im Wohlfühlbereich des Motors einpendelt, also zwischen 130 und 150 km/h. Die kräftigere Yama­ha verführt zu höherem Reisetempo, liegt aber nicht ganz so satt auf Kurs und kann Windböen, Längsrillen und Brückenfugen nicht so souverän parieren wie die wuchtigere Honda.
Als echter Alltagsbegleiter glänzt die Honda mit bequemen oder zumindest praktischen Details. Ganz vorne natürlich das Gepäckfach unter der Tankattrappe, das beim Citybummel auch den Helm aufnimmt und auf der Heimfahrt die Einkäufe schluckt. Daran hat man sich schnell gewöhnt, vermisst das Gepäckfach sogar beim Wechsel aufs nächste Motorrad.
Bei so vielen praktischen Tugenden kommt die Faszination der NC etwas zu kurz. Das ist in Ordnung, wenn man sich ganz bewusst für ein praktisches, solides und unkompliziertes Motorrad entschieden hat. Vielfahrer und Berufspendler sind hier genau richtig, die NC 750 S zeigt sich als motomobiles Gegenstück zum Golf Kombi Diesel. Zumal auch der Verbrauch sehr günstig ist.
Die Yamaha setzt dagegen mehr auf Spaß und Dynamik, will lieber gefallen als überzeugen. Wer das Thema emotional angeht, findet in der MT-07 einen vielversprechen­den Kandidaten für eine Probefahrt.
Das Doppelkupplungsgetriebe unser Test-Honda funktioniert prima. Es braucht natürlich eine Tankfüllung, bis man die verschiedenen Modi und vor allem die manuellen Eingreifmöglichkeiten souverän anwenden kann. Den meisten Sinn macht das 1000 Euro teurere Getriebe in der Stadt und auf den allerengsten Land­straßen. Wer hauptsächlich flüssige Strecken und viel Autobahn unter die Räder nimmt, kann sich die Investition sparen. Das ABS der Honda funktioniert nur noch klassenüblich, was einen Rückschritt gegenüber dem Vorgänger NC 700 S darstellt, die noch mit der famosen CBS-Kombibremse ausgestattet war. Das fehlende ABS unserer MT-07 haben wir im nor­malen Fahrbetrieb kaum vermisst, was sicher etwas mit der gut dosierbaren Bremsanlage zu tun hat.
Erst beim Versuch, auf kritischem Untergrund möglichst kurze Brems­wege zu realisieren, spitzt sich das Thema dramatisch zu. Aber genau hier werden Unfälle vermieden. Also unsere uneingeschränkte Kauf­empfehlung für die 500-Euro-ABS- Option der Yamaha.
 
 
Technik Honda NC 750 S DCT
 
Motor, Kraftübertragung:*
Bauart: 
    Zweizylinder-Viertakt-Reihe,
    flüssigkeitsgekühlt, Sechsgang-
    Doppelkupplungsgetriebe,
    E-Starter, Kette
Hubraum:     745 cm³
Bohrung x Hub:     77 x 80 mm
Ventile pro Zylinder:     4
Leistung:     40 kW (55 PS) bei 6250 min-1
max. Drehmoment:     68 Nm bei 4750 min-1
Umweltstandard:     Euro-III
  
 
 
Fahrwerk, Rahmen, Bremsen*:
Rahmen:
    Gitterrohrrahmen aus Stahl
Nachlauf:     110 mm
Lenkkopfwinkel:     27°
Radstand:
    1525 mm
Federung vorn:     Telegabel, Federweg: 120 mm
Federung hinten:     Stahl-Kastenschwinge,
    Zentralfederbein, Federweg: 120 mm
Reifen v./h.:     120/70 - 17 / 160/60 -17
Bremse vorn:     320-mm-Scheibe
    mit Doppelkolben-Schwimmsattel
Bremse hinten:     24-mm-Scheibe
    mit Einkolben-Schwimmsattel

Füllmengen, Preis*:
Tankinhalt:
    14,1 l
Werkstattintervalle:     12 000 km
Preis zzgl. Nk.:     6990 Euro
    (ohne DTC: 5990 Euro)    *Herstellerangaben

MOTORRAD NEWS-Messwerte:

Gewicht vollgetankt:      228 kg
Gewicht fahrfertig o. Kraftstoff:     217 kg
max. Zuladung:     207 kg
Verbrauch:     3,8 l /100 km
Reichweite:     371 km
Wendekreis:    5,23 m
vmax  / Tacho:     166 / 178 km/h

Beschleunigung:

0 – 100 km/h:     5,5 sek
0 – 140 km/h:     11,6 sek
400 m bei stehendem Start:     14,1 sek

Durchzug mit automatischen Gangwechseln:
60 – 100 km/h:     3,0 sek
100 – 140 km/h:     6,1 sek

ABS-Bremsung
aus 100 km/h (trocken):
    41,7 m
 
 

Technik Yamaha MT-07
 
Motor, Kraftübertragung:*
Bauart:  
  Zweizylinder-Viertakt-Reihe,
    flüssigkeitsgekühlt, Sechsganggetriebe,
    E-Starter, Kette
Hubraum:     690 cm³
Bohrung x Hub:     80 x 68,6 mm
Ventile pro Zylinder:     4
Leistung:     53 kW (72 PS) bei 9000 min-1
max. Drehmoment:     68 Nm bei 6500 min-1
Umweltstandard:     Euro-III
    
 
 
 
Fahrwerk, Rahmen, Bremsen*:
Rahmen:
    Brückenrahmen aus Stahl
Nachlauf:     90 mm
Lenkkopfwinkel:     24,5°
Radstand:     1400 mm
Federung vorn:     Telegabel, 130 mm Federweg
Federung hinten:     Stahl-Profilschwinge,
    Zentralfederbein, 130 mm Federweg
Reifen v./h.:     120/70 ZR 17 /
    180/55 ZR 17
Bremse vorn:     282-mm-Doppelscheibe
    mit Vierkolben-Festsätteln
Bremse hinten:     220-mm-Scheibe
    mit Einkolben-Schwimmsattel

Füllmengen, Preis*:
Tankinhalt:  
   14 l
Werkstattintervalle:     10 000 km
Preis zzgl. Nk.:     5495 Euro,
    ABS 500 Euro Aufpreis
    *Herstellerangaben

MOTORRAD NEWS-Messwerte:
Gewicht vollgetankt:  
    181 kg
Gewicht fahrfertig o. Kraftstoff:     170 kg
max. Zuladung:     174 kg
Verbrauch:     4,3 l /100 km
Reichweite:     326 km
Wendekreis:    4,76 m
vmax  / Tacho:     198 / 210 km/h

Beschleunigung:
0 – 100 km/h:     4,2 sek
0 – 140 km/h:     7,7 sek
400 m bei stehendem Start:     12,7 sek

Durchzug im 6. Gang:
60 – 100 km/h:     4,6 sek
100 – 140 km/h:
    6,3 sek

ABS-Bremsung
aus 100 km/h (trocken):  
   entfällt

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.2 (73 Bewertungen)

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