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Kesse Sohle: Ducati Scrambler Cafe Racer im Fahrbericht

Die Rückkehr des M-Lenkers ist nicht aufzuhalten: Ducati baut aus der kultigen Scrambler mit ein paar gezielten Pinselstrichen ein neues Modell namens Cafe Racer. Kann die Schönheit auch die kesse Sohle?
 
Klar schenkt man hier die ganze Bandbreite vom kräftigen Espresso bis zum Milchkaffee aus. Dazu ste­hen Pizza, Nudeln und etwas Süßkram auf der Speisekarte. Die „Scrambler Ducati Food Factory“ in Bologna ist das erste Restaurant zum erfolgreichen Retrotwin, weitere sollen folgen.
Systemgastronomie mit Motorradbezug, das gibt es reichlich. Aber eine richtige Marken- Wirtschaft („It’s a brand!“) – das hat bislang nur Harley-Davidson hin­bekommen. Die Pizzabude in der Via Stalingrado ist aufgehübscht durch Holz, Klinker, Beton und jede Menge Ducati-Scrambler- Devotionalien, auf den Flachbildschirmen läuft in Endlosschleife ein „Wir machen unser Lagerfeuer mit Super Bleifrei an“-Video. Es gibt Hütchen, Schals, T-Shirts und Packtaschen mit dem gelben Logo zu kaufen . Kein Wunder, dass Ducati zur Präsentation der neuen Scrambler Cafe Racer gleich zweimal in dieses „Land of Joy“ für Teigfladenfans lädt.
„Fare una bella figura“ war ja schon immer Teil italienischer Lebenskunst, und die Schön­heit der Technik hat jeder Fahrzeugbauer süd­lich von Bozen ohnehin im Blut. Jetzt kann man wegen des Marketingorkans rund um Scrambler und Cafe Racer die Nase rümpfen. Oder aber staunen, mit welch feinen Pinselstrichen Ducati aus dem schlichten Augenschmaus namens Scrambler einen bildhübschen Straßenfeger mit augenzwinkerndem Blick in die 60er Jahre zaubert.
Ein breiter Stummellenker mit Seitenend­spiegeln verändert die Linie nachhaltig. Dazu kredenzt Bologna Goldfelgen mit 120/70 ZR17 vorne und 180/55 ZR 17 hinten, obwohl die Originalgröße in 18 Zoll vorne und 17 hinten durchaus auch in die Ära des Ace Cafes gepasst hätte. Das Kaffee-Kit komplettieren eine rechtsseitige Termignoni-Zwei­rohranlage, eine neue Sitzbank mit Heckabdeckung, ein Winz­schild über der eleganten Rundlampe und eine fette „54“ an den Seitenverkleidungen. Das war die Startnummer eines Mannes namens Bruno Spaggiari, der in den 60ern mit dem Einzylinder der Ur-Scrambler für Ducati im Straßenrennsport irgendwo mal irgendwas gewonnen hatte.
Ansonsten bleibt Bologna dem Konzept treu, nur Retuschen trennen die Cafe Racer technisch von der Basis. Während man für die Desert Sled noch ein echtes Endurofahrwerk auflegte, verändern hier nur der vordere 17- Zöller samt breiterem Reifen die Fahrzeuggeometrie. Auf der braunen Bank sitzt der Fahrer 15 Millimeter höher, der M-Lenker liegt 155 Millimeter weiter vorn und 175 tiefer als beim Grundmodell. Das verändert allerdings das Gefühl fürs Motorrad nachhaltig und fördert genau wie der etwas steilere Lenk­kopf­winkel die Konzentration aufs Vorderrad.
Euro 4 tut ja zum Glück nicht weh: Mit echtem 60er-Jahre-Beat aus den kurzen Endschalldämpfern erwacht der luftgekühlte Twin zu seinem deftigen Leben. Schon auf den ersten Metern merkt man, dass vom fluffig- beschwingten Feeling der Scrambler nicht mehr so viel übrig ist. Statt des Hans-guck-in-die-Luft-Fahrgefühls fordert die Cafe Racer mehr Aufmerksamkeit und fokussiert den Blick nach vorne.
Bis die Pirelli Diablo Rosso II auf Temperatur sind, muss man sich ans andere Einlenkverhalten kurz gewöhnen. Immer noch pfundig geht der Traditionsantrieb zur Sache. Auf Wunsch feuert der Zweiventiler gewohnt kraftvoll, auch wenn die spürbar sanftere Abstimmung des Ride-by-wire dem Vortrieb ein Stück weit die Direktheit und Spontanei­tät der Euro 3-Zeit nehmen. Schade, denn die direktere Rückkoppelung zum stäm­migen Desmotwin hätte dem sportlichen Auftritt der Cafe Racer gut getan.
Was für ein Land, was für Straßen. Im Hinterzimmer von Bologna, auf kurvigem Weg in die Toskana, fahren wir auf genau dem Asphalt, den Ducati zum Testen neuer Motor­räder nutzt. Von unten schiebt und drückt und röchelt die 800er nach Leibeskräften. Allerdings geht dann oberhalb von 7000, 8000 Touren ziemlich abrupt die Puste aus.
Wann genau, kann man nur ahnen, da der Drehzahlmesser nicht gut ablesbar ist. Warum Ducati wohl nur die schlichte Digitaluhr verbaut und keinen separaten Tourenzähler im eigenen Gehäuse spendiert? Es können eigentlich keine Kosten­gründe sein – fast 11 000 Euro hätten vielleicht Luft gelassen für eine würdige Armatur. Oder Spiegel, in denen man etwas sieht.
Also muss man sich aufs Gefühl verlassen. Und einmal eingegroovt macht es richtig Laune, Tourguide Beppe zu folgen, der in seinem Vorgarten fröhlich am Quirl dreht. Das klappt blendend, solange die Straßen eben und die Kurven nicht allzu eng sind. Denn in der Enge und auf Narbenasphalt entwickelt das Vorderrad spürbares Eigenleben. Dann ist Kraft am Lenker gefragt, um das eigentlich handliche 190-Kilo-Bike gegen den Starrsinn auf Kurs zu halten.
Hier rächt es sich, dass Ducati das Fahrwerk nicht auf den vorderen 17-Zöller und den dadurch etwas kürzeren Radstand angepasst hat. Der Schräglagenbedarf des 120/70ers ist größer als bei dem 110/80er der Scrambler, man muss die Cafe Racer richtig an den Hörnern packen, soll es maximal vorwärts gehen. Das macht Laune, ist aber anstrengend. Eine härtere Abstimmung besonders der Gabel könnte da Wunder wirken.
Auch die Unterarme bekommen Training. Da die Front tiefer liegt, rutscht der Fahrer auf der leicht abschüssigen Bank Richtung Tank, die Kraft verlagert sich auf Lenker und Handgelenke. Das ist auf Dauer unangenehm, für lange Fahrten auf Nebenstrecken gibt es bessere Ducatis.
Aber kaum für die Pause vor dem Landgut: Altes Leder liegt über der Sitzbank, der Helm parkt auf dem Lenkerendspiegel, die Sonne spiegelt sich auf dem schwarzen Tank. Auch diese Ducati ist einfach schön, ein leichtes und eigensinniges Spaßgerät, perfekt für einen Frühlingstag zwischen Bologna und Florenz – und sicher auch für die Runde ums Ace Cafe, bevor das Pint gezapft ist.
Die letzten Kilometer verfliegen im Nu, ein letztes Mal passieren wir die Scrambler Food Factory. Ja, man kann die Cafe Racer mögen, auch wenn einem die massive Marketingküche drumherum nicht schmeckt.
 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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