
Vom 4. bis 5. Februar trifft sich die Offroadwelt wie seit über 30 Jahren im nordfranzösischen Le Touquet. Erneut treten über 1000 Fahrer zum wohl weltweit bekanntesten Strandcross-Rennen an. Wie es im vergangenen Jahr beim Sandspektakel zur Sache ging, könnt ihr hier nachlesen.
Etliche Übertragungswagen, kilometerweise Kabel an der knapp 17 Kilometer langen Strecke, aufeinandergestapelte Pressecontainer, Kameras an allen wichtigen Positionen. Riesige Trucks als Werbebotschafter für die Region, Imbissbuden, Bekleidungs- und Souvenirstände, 250 000 Besucher: Nein, wir reden nicht vom Endspiel in der Fußball-WM oder vom Formel-1-Finale. Im nordfranzösischen Le Touquet reicht das seit 1975 über die Bühne gehende

Strandrennen aus, um die Massen zu mobilisieren. France-3 überträgt das Rennen live, eine große Sportzeitschrift bringt das Rennen als Titelthema. In Deutschland undenkbar, da geht selbst der Sachsenring-GP unter und kommt nur dank Eurosport in unsere Wohnzimmer – trotz 200 000 Besuchern.
Doch in Frankreich ticken die Uhren anders, in Le Touquet ganz besonders. Spielt das Wetter noch mit, ist die Mischung aus Motorradtreffen, Motorradrennen und Volksfest nicht zu toppen. Und dieses Jahr passte Ende Januar alles zusammen.
Neben dem Hauptevent am Sonntag bekommen die Zuschauer mittlerweile auch einen prall gefüllten Samstag geboten. Denn mit dem Jugend-Rennen und der Quaduro ist auch das Vorprogramm gut bestückt und freut sich immer größerer Beliebtheit, wie der Zuschauerandrang am Samstag deutlich machte.
Verwirrung gab es vor dem ersten Start aber über die neue Streckenführung. Selbst Mitarbeiter der Organisation wollten sich auf Nachfragen nicht wirklich auf den neuen Streckenverlauf festlegen.

Doch „For the best show ever“, wie es in einer
Pressemitteilung hieß, hatt man sich wirklich was ausgedacht: Statt nach dem Start erstmal rund acht Kilometer geradeaus zu fahren und dann eine Kehrtwende zu vollziehen, kam für die Piloten die Wende nach rund zwei Kilometern. Was dann folgte, war der traditionelle Massenstau, denn bei 1000 Startern bleibt garantiert einer auf der Strecke, der einen Domino-Effekt auslöst. Dann heißt es für jeden dem tiefen Sand und den Konkurrenten zu entkommen. Und dies alles spielte sich nun nicht mehr im kilometerweit entfernten Merlimont ab, sondern direkt vor der Promenade in Le Touquet.
Während die meisten noch im Sand buddeln, sind einige wenige bereits um Kilometer enteilt. Denn nur eine Handvoll Piloten kommt nur für den Sieg in Frage. Als prominentester Starter war der Motocross-Weltmeister von 2003 und 2007 Steve Ramon auf Suzuki mit von der Partie. Auch KTM-Werksfaher und Dakar-Zweiter Cyril Despres ließ sich den Sandspaß nicht nehmen. Spannend auch der Rücktritt vom Rücktritt des Le Touquet-Multi-Sieger Arnaud Demeester auf Yamaha.

Vorjahresieger Mickael Pichon hingegen musste aufgrund einer Verletzung kurzfristig absagen. Der hatte den Sieg im letzten Jahr wegen einer umstrittenen Regelverstoßes von Kawa-Pilot Yves Deudon geerbt. Doch Deudon scheint in Le Touquet kein Glück zu haben, denn im Eifer des Gefechts vergass er, dass er mit einem kleineren Tank als im Vorjahr unterwegs war und blieb ohne Sprit liegen.
Am Ende der drei Stunden ging Steve Ramon als Sieger hervor, nachdem er sich mit Jean-Claude Mousse ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatte. Cyril Despres wurde 25 und zeigte deutlich, wie hart es ist in Le Touquet ganz vorne mitzumischen. Das müssen auch jedes Jahr die deutschen Piloten erfahren. Mit Platz 76 wurde Christoph Lessing bester Deutscher. Doch das die Vormachtstellung der Franzosen zu knacken ist, zeigt der Sieg des Belgiers Ramon, schaffte er es doch als erster Ausländer seit 1993, in Le Touquet auf das oberste Treppchen zu steigen – für Suzuki war es der erste Sieg überhaupt bei dem Kult-Event. Infos unter www.enduropale.com.
