MOTORRAD.NET NewsFeed
MOTORRAD.NET Facebook-Seite
Follow MOTORRAD.NET on Twitter
MOTORRAD NEWS
Regionale Motorradmagazine
Motorrad Gespanne
Roller Szene

Kampfansage: Erste Probefahrt auf der neuen Triumph Explorer


Ein Jahr, nachdem Triumph seine Tiger 800 in den Klassenkampf geschickt hat, folgt nun der Gegenspieler zur Zwölfer GS. Hat die neue Explorer das Zeug zum gezielten Angriff auf BMWs Bestseller? NEWS traf den Provokateur zur Musterung im andalusischen Hinterland.
 
Ssssssssss! Der Kollege eine Reihe hinter mir zieht zischend Luft durch die Zähne. Der vor mir macht Geräusche, als wolle er seinem Zahnarzt mit Maulsperre begreiflich machen, nicht so tief zu bohren. Auf der Leinwand vor uns fliegt in Zeitlupe eine Triumph Tiger Explorer über eine Sprungschanze und landet mit mitleiderregend zusammengestauchter Federung.
Nein, für den harten Offroad-Einsatz ist diese Maschine nicht gemacht, unterstreicht Produktmanager Simon Warburton mit einer Handbewegung. Der Streifen soll dennoch beweisen, dass die Explorer bei einer Verfolgungsjagd à la Mission-Impossible eine mindestens genauso gute Figur machen würde wie seinerzeit die Speed Triple.
Und da steht es vor uns, das neue... Schabeltier. Och nöö, noch eine GS-Schnute? Ähnlichkeiten und Vergleiche mit der BMW kommen nicht von ungefähr, schließlich wurde die britische Entdeckerin gezielt für den Sturm aufs blau-weiße Base-Camp gedrillt. Oder zielt Triumph etwa frei nach Konrad Lorenz mit optischen Reizen auf die Prägung der potenziellen Käufer?
„Ursprünglich sollte die Tiger ganz anders aussehen,“ verrät Triumph-Presseman Uli Bonsels. Auf den ersten Entwürfen vor fünf Jahren hatte die Explorer keinen Schnabel, dafür einen bollerigen 24-Liter-Tank. Lange Zeit blieb das Konzept bestehen. Erst gegen Ende der Entwicklung leg-ten die Designer noch einmal Hand an und verpassten der Tiger mit einem 20-Liter-Fass eine schlankere Linie. Und aus dem Windkanal kam die Order: Der Schnabel muss ran, aus aerodynamischen Gründen.
So oder so, im Laufe der Präsentation kommt immer wieder der Vergleich zur GS auf den Tisch. Triumph pfeffert den Fehdehandschuh über den Ärmelkanal und rüstet die Explorer ab Werk mit reichlich Munition in Form üppiger Ausstattung aus. 259 Kilo Leergewicht sind zwar kein Pappenstiel und deutlich mehr, als die GS auf den Rippen hat. Dafür sind Traktionskontrolle, abschaltbares ABS und Tempomat serienmäßig an Bord.
Den futschneuen 1215er Reihen-Dreizylinder packen wir beim Flamenco auf andalusichen Bergsträßchen bei den Kastagnetten. Hatte er im Stand noch den unverkennbaren Triumphgesang gesäuselt, schlägt er auf Dreh an der per Ride-by-Wire betätigten Drosselklappe ganz andere Töne an. Bassig, voluminös, markant – einfach wunderbar.
Von den versprochenen 137 PS können GS- und XT-Piloten nur träumen. Der Kardan an der Einarmschwinge reicht den Schmackes unauffällig an den hinteren 17-Zöller weiter. Zwischen 2500 und 9500 Umdrehungen liegen permanent über 100 Newtonmeter an, 121 Nm Spitze sind bei 6400 Touren erreicht.
Die Leistungsentfaltung fühlt sich genauso linear an, wie Triumphs hauseigene Mess-Diagramme es gezeigt haben. Ob das angenehm oder langweilig ist, darüber kann man sich streiten. So viel steht jedenfalls fest: Prompte Reaktionen auf minimalen Dreh am Gas machen die Behäbigkeit, die man beim Rangieren der 1200er befürchtet hatte, im Nu vergessen.
Bereits auf den ersten Metern erarbeitet sich das Dickschiff einen Vertrauens-Vorschuss. Eine meterlange, fiese Asphaltbeule kreuzt meine Spur. Die Vorhand schüttelt sich kurz, folgt aber unbeirrt der anvisierten Linie.
Im Anschluss an eine geschmeidige Links-Rechts-Kombination wirft sich unserem Tross eine miese kleine Kehrtwende vors Vorderrad. Bei der forschen Kurskorrektur langen die zwei Vierkolben-Festsattelzangen an schwimmend gelagerten 305er Scheiben mit Nachdruck zu. Bei der Gelegenheit meldet sich das Triumph-ABS galant zum Dienst. Leichtfüßig geht es um Kurven und im Schritttempo um enge Wendungen, stabil schiebt sich die Tiger auf der Autobahn durch schubsende Luftschichten zwischen den Lkw.
Der Komfort lag den Entwicklern besonders am Herzen – und das merkt man. Das Windschild kann man in sechs Stufen neigen oder gegen eine höhere Touringscheibe austauschen. Die Bank ist zum Tank hin angenehm schmal geschnitten und kann wahlweise in 840 oder 860 Millimetern Sitzhöhe montiert werden. Der gekröpfte Lenker ist drehbar und wandert durch Umsetzen der Klemmböcke näher an den Fahrer heran oder weiter weg.
Der Offroadanteil unserer ersten Probefahrt beschränkt sich auf einen kurzen Schotterpfad. Dennoch warnt unser Tourguide: Das ESP, so habe er schon am eigenen Leibe erfahren, vermittle auch mit Straßenbereifung so viel Sicherheit, dass man schnell übermütig wird.
„Das Vorderrad hat keine Traktionskontrolle“, warnt er. Dabei stellt er pantomimisch einen Lowsider nach und macht ein Geräusch, das an Bud Spencers klatschende Ohrfeigen erinnert. Der kurze Abstecher über den Kies lässt erahnen, dass das abschaltbare ABS, das komfortable Fahrwerk und die sympathische Balance gutes Rüstzeug für leichte Schotterpfade sind.
Der Tankstopp gibt Gelegenheit, schöne Details zu erschnüffeln. Die empfindliche Fußbrems-Einheit wird mit einer Blende vor unruhigen Absätzen abgeschirmt. Wer häufig seinen Luftdruck überprüft, freut sich über abgewinkelte Ventile. Der breite Fuß des Seitenständers dürfte auch auf der aufgeweichten Grasnarbe einer Campingplatz-Wiese sicher stehen. Das Aufbocken auf den Hauptständer geht leicht von der Hand. Und der stählerne Gitterrohrrahmen liefert optimal Voraussetzungen für das Verzurren von Gepäckstücken.
Fernreisende freuen sich über das vorn wie hinten einstellbare Fahrwerk, unter der Sitzbank lugt ein gut erreichbares Handrad aus dem Gerippe. Ein Pfund in der Waagschale könnten auch die langen Wartungsintervalle sein: 16 000 Kilometer ohne Bühnenauftritt eröffnen bei der Reiseplanung neue Möglichkeiten. Das Expeditionsmobil kommt mit Bordsteckdose im Cockpit und einem Bordcomputer, durch dessen LCD-Anzeige man sich per Knopf am Lenkerende knipst.
Das Durchzappen der Cockpit-Funktion ist eine reine Freude und geht schnell ins Blut über. Die Aktivierung des Tempomats hingegen holpert: Der Daumen der Gashand muss weit über die Lenkerarmatur fingern. Ebenfalls auffällig: Legt man den Motor per Killschalter still, setzt sich die Traktionskontrolle zwar auf Stufe eins zurück, das ABS bleibt jedoch ausgeschaltet. Über die Zündung resetten dann beide Einstellungen.
Aber auch unschöne Lösungen stechen ins Auge. Der grobschlächtige Schrumpfschlauch an den Lenkerarmaturen, plumpe Kunststoffblenden und der Plastikmotorschutz dürften die Phantasie der Zubehör-Spezis aus der Reserve locken.
Eine gute Vorlage liefert Triumph bereits mit dem hauseigenen Zubehör. Dort kann man aus dem Vollen schöpfen, sofern das Budget mitspielt. Die mit 950 Watt leistungsstärkste Lichtmaschine in ihrer Klasse soll auch dann noch genug Saft liefern, wenn die zweistufigen Heizgriffe, Sitzbank mit Stövchen-Funktion für Fahrer und Hintermann, Nebelscheinwerfer und Topcase-Steckdose auf „volle Pulle“ laufen. Direkt beim Händler nachrüsten kann man zudem fertige Gepäcklösungen, Schutzteile für Motor und Scheinwerfer, Krallen-Fußrasten, ein Reifendruckkontrollsystem und vieles mehr.
Sophie Schatter

Technische Daten Triumph Explorer

Motor: Dreizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile/Zylinder
Hubraum: 1215 cm3
Leistung: 101 kW (137 PS) bei 9000 min-1
Drehmoment: 121 Nm bei 6400 min-1
ABS: serienmäßig
Reifen v/h: 110/80 R19 / 150/70 R17
Sitzhöhe: 840/860 mm
Tankinhalt: 20 Liter
Leergewicht: 259 kg
Preis zzgl. Nebenkosten: 13 790 Euro
 

Aktuelle MOTORRAD NEWS

Unsere 9 regionalen Magazine

 Regios 
MotorradSzene-Magazine im Überblick
 Kurve 
Regio-Magazin für Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg
 Motorradtreff Spinner 
Regio-Magazin für Berlin, Brandenburg
 MotorradTreff 
Regio-Magazin für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
 Syburger 
Regio-Magazin für Nordrhein-Westfalen
 MoKo - Motorrad Kontakte 
Regio-Magazin für Kassel, Paderborn, Bielefeld
 Motorrrad Spiegel 
Regio-Magazin für Baden Württemberg
 Nürburger 
Regio-Magazin für Mittelrhein, Eifel
 Motorrad Szene 
Regio-Magazin für Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
 Motorrad Szene Bayern 
Regio-Magazin für Bayern

Umfrage

Umfrage: Welcher 2017er Supersportler gefällt euch am besten?:

MOTORRAD.NET Gewinnspiel

MOTORRAD.NET Gewinnspiel

Mitmachen und gewinnen!

Neue Mitglieder auf motorrad.net

Schlagwortwolke