Yamahas Topseller YZF-R 125 soll auf dem Schulweg, am Baggersee und sogar auf der Rennstrecke einen schlanken Fuß machen. NEWS pfiff auf die Penne und drückte die Sitzbank unter südspanischer Sonne.

Braap. Eine blaue Kanonenkugel fliegt nach der Start-Ziel-Geraden an mir vorbei. Einen Wimpernschlag weiter ist sie auf und davon. Ich sehe noch so eben den braunen Pferdeschwanz von Beatriz Neila davonflattern. Gerade hat mich also eine 16-Jährige auf dem Circuit de la Ribera nach Strich und Faden verblasen. Zur Ehrenrettung: Beatriz ist Supersport 300- Pilotin und fährt mit entsprechendem Gerät.
Die YZF-R 125, auf der ich sitze, ist dagegen auch für normale Jugendliche erreichbar. Und sie greifen gerne zu. Seit die erste Achtelliter-R 2008 auftauchte, hält sie sich hartnäckig auf den Wunschzetteln zum sechzehnten Geburtstag. Mittlerweile haben wir es mit der dritten Generation zu tun. Sie soll die gleichen Wesensmerkmale wie in der Vergangenheit tragen. Nur besser. Das heißt konkret: erwachsener Auftritt, sportliche Komponenten und dazu passende Fahrleistungen.

Leihgabe: Die radial angeschlagene Bremszange macht auf Renner. Und funktioniert tadellos

Weniger ist mehr: Gabelbrücke mit Aussparungen im R1M-Syle. Der Tacho ist auch neu gestaltet

Aber wo setzt man da an? Bei der Spitzenleistung ist nichts zu holen. Gesetzlich bleibt dort bei 15 PS Schicht im Schacht. Und auch die alten Modelle schöpften das Limit schon voll aus. Um noch eine Schippe draufzulegen, griffen die Yamaha-Ingenieure bei der Ventilsteuerung in die Trickkiste. Die neue YZF-R 125 wartet mit variabler Ventilsteuerung auf – in der Achtelliter-Klasse ein Novum. Ziel des neuen Zylinderkopfs ist mehr Drehmoment bei mitt­leren Touren, ohne die Spitzenleistung zu beeinträchtigen.
Und so funktioniert die „Variable Valve Actuation“: Bei niedrigen und mittleren Drehzahlen steuert eine zahm konturierte Nocke den ihr zugehörigen Kipphebel auf der Einlassseite an. Eine scharfe Nocke direkt daneben läuft dabei mit und bearbeitet einen eigenen Kipphebel.
Dieser ist jedoch nicht mit den Ventilen verbunden. Bei 7400 Umdrehungen rückt ein Stift in beide Kipphebel ein und verbindet sie, sodass die scharfe Nocke beide Einlassventile steuert.
Klingt kompliziert, funktioniert in der Praxis aber absolut sauber. Der Übergang zwischen den Nockenprofilen ist nicht zu spüren. Nur eine Anzeige im Display weist auf den Wachwechsel im Zylinderkopf hin.
Dazu wuchs die Drosselklappe um zwei auf 30 Millimeter und die Airbox um stolze 2,6 auf 5,5 Liter Volumen. Eine geänderte Beschichtung von Kolben, Pleuelstange und Kurbelwelle soll zudem die innere Reibung vermindern.

Ab 4500 Umdrehungen stellt der Motor solide nutzbare Kraft zur Verfügung und dreht oben raus lebensfroh Richtung Begrenzer. Dabei hängt der kleine Einzylinder trotz des subjektiv guten Durchzugs sanft am Gas. Das schützt den Fahrer vor unliebsamen Überraschungen.
Fahrwerte gibt ein neu gestaltetes LC- Display aus. Der querformatige Bildschirm ist sauber aufgeräumt und lässt sich auch in der Sonne bestens ablesen. Ein Schaltblitz informiert über den optimalen Schaltpunkt, eine frei konfigurierbare Willkommensmeldung erfreut verspielte Herzen. Ein kleiner Wermutstropfen: Anzeigen wie Tageskilometerzähler, Gesamtkilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit sowie -verbrauch konnte man am alten Modell vom Lenker aus durchschalten. Ab 2019 geht der Griff wieder ins Cockpit.
Dafür fällt der Blick auf eine schicke Gabelbrücke mit erleichternden Aussparungen. Wo haben wir das schon einmal gesehen? Richtig, am mächtigen Mutterschiff YZF-R1. Auch das kesse Heck mit Luftdurchlässen weist stolz auf die Verwandtschaft zum Liter-Bike hin. Ebenso der Rest der neu gezeichneten Verkleidungsteile.
Lackqualität und Spaltmaße sind dabei wieder wirklich appetitlich geraten. Auch wenn die LED-Scheinwerfer mit ihren großen Reflektoren nicht ganz so böse drein schauen wie bei R6 und R1, versprühen die horizontalen Linien schon im Stand Dynamik. Zum GP-Style trägt auch der serienmäßig montierte Bremshebel-Protektor bei.
Ein Versprechen, das die R 125 in Bewegung einlösen kann. Schon beim Aufsitzen fühlt sich die Ergonomie sportlich an. Das heißt: Hintern hoch, Hände runter an die Clip-On-Stummel.

Ein kompromissloser Racer also? Mitnichten, die Sitzposition bietet auch im Stop-and-Go-Gezuckel spanischen Stadtverkehrs genug Restkomfort, auf einer flotten Landstraßenrunde passt ohnehin alles. Und auch wer die 1,70-Meter-Marke knapp von unten betrachtet, findet pro­blemlos den Boden unter den Füßen.
Das Fahrwerk im neu gestalteten Deltabox-Rahmen mit der schicken Leichtmetall- Schwinge ist straff abgestimmt, aber nicht bockhart. Man muss allerdings weitgehend mit dem Werks-Setup vorliebnehmen, denn die 41-Millimeter-USD-Gabel ist nicht einstellbar. Hinten lässt sich die Federvorspannung verstellen. Wer noch etwas herausholen möchte, ist gut beraten, die serienmäßigen Michelin Pilot Street gegen haftfreudigere Gummis auszutauschen.
Und wenn dann noch etwas vom Taschen­geld übrig ist, kann man sich bei Yamaha in einem breiten Zubehör-Sortiment austoben. Von der Akrapovic-Komplettanlage über eine Langstrecken-Scheibe, Soziusabdeckung, LED-Blinker und Kennzeichenhalter bis zu Sturzpads gibt es alles, was das kleine Rennerle noch schöner macht. Daran hätte Beatriz bestimmt auch Freude.

Fazit:
Yamaha bleibt bei der Neuauflage der YZF-R 125 dem bisherigen Erfolgsrezept treu, legt aber mit der cleveren Ventilsteuerung, überarbeiteter Ergonomie und Verkleidungsteilen im Stil der aktuellen Supersport-Familie noch einmal ein paar Kohlen nach. Azubis oder Pennäler mit lukrativen Ferienjobs dürften weiterhin Freude am Achtelliter-Sportler haben.

Technische Daten:

Die helle Seite Japans: Das fluffige Farbschema “Fluo”

Bauart: Einzylinder-Viertakt,
flüssigkeitsgekühlt, OHC, vier Ventile
Hubraum: 125 cm3
Leistung: 11 kW (15 PS) bei 10 000 min-1
Drehmoment: 11,5 Nm bei 8000 min-1
Bremse v./h.: 292-mm-Scheibe mit
Vierkolbenfestsattel / 220-mm-Scheibe
mit Einkolbenschwimmsattel
Reifen v./h.: 100/80-17 M/C / 140/70-17 M/C
Federweg v./h.: 130 mm / 114 mm
Sitzhöhe: 820 mm
Tankinhalt: 11 l
Leergewicht: 142 kg
Preis zzgl. Nk.: 4995 Euro

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