Tourentipp: Weine & Steine – Saar-Nahe-Bergland

Römer und Ruinen, Reben und Romantik: Der lange Frank kurvt auf verschlungenen Pfaden durchs vielschichtige Naheland und trifft dabei auf alte Gemäuer, süffige Weine und edle Steine.

von Frank Sachau (Text & Fotos)

Guten Morgen! Gleich hinter meinem reich gedeckten Frühstückstisch erhebt sich die imposante Burg Lichtenberg. Der erstmals im 13. Jahr­hundert erwähnten Festung war das Kriegsglück wohlgesonnen, kein Angreifer konnte die mächtigen Mauern bezwingen, bis 1799 ein Brand große Teile in Schutt und Asche legte. Von Thallichtenberg zirkle ich in wei­ten Serpentinen den über 400 Meter hohen Burgberg empor. Statt klappernder Ritterrüstungen schallt mir fröhliches Kinderlachen entgegen, die Bastion dient heute als Jugendherberge. Für meinen Frühsport wähle ich die abwechslungsreiche Etappe über Körborn und Oberalben, die mich am „Steinernen Mann“ (460 m) vorbei nach Ulmet ins Glantal leitet. Der Glan entspringt an der Grenze zum nahen Saarland und mündet nach rund 90 Kilometern bei Bad Sobernheim in die Nahe. Auf dem Weg dorthin werde ich den Fluss mal links, mal rechts begleiten. Schon in Glanbrücken ist es so weit, ich sage Tschüss und schlage mich in die Büsche. Anders als es der Ortsname vermuten lässt, entpuppt sich die schön gewundene Nebenstrecke nach Langweiler keineswegs als monoton.

Ein spannender Patchworkteppich aus Dörfern, Feldern und Hügeln liegt hinter mir, als ich jenseits der B 270 Schweinschied erreiche. Dort schickt mich ein leicht zu übersehendes Schild auf einen Feldweg zum Römerdenkmal, das sich in einem kleinen Gehölz versteckt. Steinmetze schufen hier im ersten und zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung das größte Natursteingrabmal nördlich der Alpen. Die römischen Besatzer gingen, das Monument blieb. Wieder breiten Teer unter den Reifen, lasse ich es erneut schwungvoll angehen, bis ich kurz darauf in Lauterecken eintreffe, wo der Glan die Lauter aufnimmt. Ihr folge ich stromaufwärts Richtung Kaiserlautern, biege aber schon bald nach Hohenöllen ab. Radien unterschiedlichster Güteklassen lassen mich über einen Höhenzug nach Reipoltskirchen im Tal des Odenbachs tanzen. Und der hat seit 1300 stets für einen gut gefüllten Graben der dortigen Wasserburg gesorgt, die mit ihrem 17 Meter hohen Bergfried als besterhaltene der Pfalz gilt.

Es kommt noch besser. Nach wenigen Kilometern klappe ich in Meisenheim, der Perle des Glantals, den Seitenständer aus. Von Kriegswirren verschont, umfassen Reste der Stadtmauer wunderschöne Beispiele mittelalterlicher Fachwerkbauten. Nach einem doppelten Espresso am Marktplatz sitze ich wieder im Sattel und wechsle aufs rechte Glanufer hinüber. Dort, wo Glan und Nahe Hochzeit feiern, bilden sie eine dreieckige Landzunge, auf deren höchster Erhebung die Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters Disibodenberg zu finden sind. Ursprünglich vor über tausend Jahren durch einen irischen Mönch gegründet, von Banden geplündert und niedergebrannt, doch stets wieder aufgebaut, endete es letztendlich als Steinbruch.

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Das tausendjährige Kloster endete als Steinbruch

Ich will der Nahe ganz nahe sein und schmiege mich auf einem mageren Asphalt­band an ihre weiten Schleifen. Die südlichen Hänge des Hunsrücks und die nördlichen Ausläufer des Pfälzer Berglandes bieten beste Voraussetzungen für den Weinbau, der mit den römischen Legionen die Region eroberte. Das Naheland wird von den umliegenden Mittelgebirgen vor Wind, Kälte und Regen geschützt, die besonderen Böden lassen überwiegend Weißweine wie Riesling und Müller-Thurgau gedeihen. Kurz vor Bad Kreuznach, dem Zentrum des 4000 Hektar umfassenden Weinanbaugebiets, schweife ich nach Rüdesheim ab und gelange an den Hängen des Soonwalds über Mandel und Bockenau nach Bad Sobernheim. Weil die breite und kurvenlose B 41 nicht mein Ding ist, biege ich ins malerische Kellenbachtal ab.

Während hoch über dem Tal die in der Sonne leuchtende Ruine von Schloss Dhaun die Einfahrt markiert, ist es im Talgrund dunkel, eng und windungsreich. 16 Kilometer Schräglagenwechsel habe ich genossen, als in Gehlweiler der Abzweig nach Rhaunen auftaucht und mit dem Aufstieg in aussichtsreiche Höhenlagen ein echtes Kontrastprogramm startet, bevor ich zusammen mit der Hunsrück Burgen- und Schieferstraße und dem Hahnenbach nach Kirn kurve, dessen Stadtbild von der Ruine der Kyrburg geprägt wird. Erneut suche ich die Nähe der Nahe und lande wieder auf der B 41, die mich schnörkellos bis vor das Deutsche Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein transportiert.

Glanzstücke meisterlichen Könnens und wertvolle Mineralien aus aller Welt sind hier ausgestellt, denn seit dem Mittelalter treiben Isarbach und Nahe Schleifmühlen an, auf dem Kippstuhl liegend haben Schleifer Achate und Edelsteine in Form gebracht. Anschließend wechsle ich mehrmals über elegante Kunstbauten den Nahelauf, um schließlich hinter Frauenberg am riesigen Truppenübungsplatz Baumholder vorbei Thallichtenberg anzusteuern. Während des Abendessens im Hotel setzt die Dämmerung ein, starke Scheinwerfer flammen auf und illuminieren die Burg Lichtenberg stimmungsvoll. Als dann beim Absacker der Mond über dem betagten Gemäuer leuchtet, heißt es für mich: Gute Nacht!

Wehrhaftes Glanzstück: Die betagte Wasserburg in Reipoltskirchen gilt als besterhaltene der Pfalz

Die Kraft der Steine: Rund um Idar-Oberstein schätzt man die energetische Heilwirkung von Edelsteinwasser

Hoteltipp

Hotel-Restaurant Burgblick

Wer im Burgblick zu Gast war, fragt sich zu Recht, warum das liebevoll geführte Haus nur über zwei Sterne verfügt. Ruhige Lage, behagliche Zimmer, schmackhafte Küche und familiäre Atmosphäre hinterlassen einen überaus positiven Eindruck. Kartenmaterial, Unterstellplätze und WLAN sind kostenlos, das Doppelzimmer mit Frühstück ist ab 86 Euro zu haben.

Familie Eder
Ringstraße 6
66871 Thallichtenberg
Fon 06381 92770
www.hotel-burgblick.de

Reise Info

Streckenlänge: 220 Kilometer
Dauer der Tour: Tagestour
Allgemeines: Das bis zu 600 Meter aufragende Saar-Nahe-Bergland erstreckt sich über rund 100 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite in nordöstlicher Richtung zwischen der französischen Grenze und Bad Kreuznach. Rheinland-Pfalz und Saarland teilen sich die von vielen Wasserläufen durchzogene Region zu gleichen Teilen. Die beschriebene Tour führt auf reizvollen Nebenstrecken durch idyllische Flusstäler und pittoreske Ortschaften, durch reiche Weinberge und den Naturpark Soonwald-Nahe. Den glänzenden Schlusspunkt setzt die Edelsteinmetropole Idar-Oberstein. Die Runde stellt auch für Anfänger kein Problem dar.

GPS-Downloadcode: AcDEFR
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Anreise: Das Tourengebiet wird von den Autobahnen A 1 im Westen und im Nordosten von der A 61 und 63 umschlossen. Im Südosten führt die A 62 in die Nähe des Hotels, als beste Abfahrt bietet sich Reichweiler an.
Reisezeit: Mitte Mai bis in den Oktober
Literatur: DuMont Bildatlas Nummer 62 „Hunsrück“. 120 Seiten reich bebilderte Informationen über die Region zwischen Mosel und Rhein. Das mit zahlreichen Straßenkarten gespickte Werk eignet sich hervorragend für die erste Planung, ist aber nur noch gebraucht im Internet erhältlich, ab sechs Euro.
Karten: ADAC Kartenset Deutschland 2018/19. Zehn Doppelblätter im Set von MairDumont. Maßstab 1:200 000, 14,99 Euro.
Informationen: Naheland-Touristik GmbH, Bahnhofstraße 37, 5606 Kirn/Nahe, www.naheland.net.

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