Walhalla in Österreich

Mit der Eröffnung der Motohall huldigt KTM in der Heimatstadt des Unternehmens der eigenen Geschichte. Stefan Thiel schaute sich den Tempel der Orangen in Mattighofen an.

Es riecht nach Benzin. Unwillkürlich suche ich zwischen den herumstehenden Maschinen verräterische Pfützen auf dem Boden. Nichts, alles trocken. Die 30 Motorräder um mich herum im Zentrum der Motohall, der Ausstellungs- und Erlebniswelt von KTM, scheinen dicht zu sein. Das Kohlenwasserstoff-Parfüm kommt wohl von der Gruppe Biker, die ebenfalls durch die letzte Halle „Heroes Of Racing“ hindurch Richtung Ausgang flanieren. Als ich zwei Stunden zuvor auf die Motohall zusteuerte, war ich gespannt. Tausche ich mein Eintrittsgeld lediglich gegen eine endlose Selbstbeweihräucherungsorgie ein? Aber schon der erste Eindruck überrascht. Wie ein gelandetes Raumschiff erhebt sich das Ausstellungsbauwerk mitten im Zentrum der österreichischen Kleinstadt Mattighofen.

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Drei Gürtel aus Aluminium, deren Muster Reifenabdrücke symbolisieren, umschließen die ovale Grundform des Gebäudes. Der futuristische Ansatz setzt sich im Inneren fort. Zwei gegeneinander geneigte Ellipsen bilden die 2600 Quadratmeter große Ausstellungsfläche und führen mich durch die Evolutionsgeschichte der Firma Kronreif Trunkenpolz Mattighofen, kurz KTM. Die fließenden, geschwungenen Formen der Innenarchitektur werden immer wieder durch eine harte und kantige Linienführung des verwendeten Sichtbetons aufgebrochen und sorgen so für Blickfänge. Umgesetzt wurde diese moderne Formgebung durch das oberösterreichische Architektenteam Hofbauer, Liebmann und Wimmesberger in einer vierjährigen Planungs- und Bauzeit.
Die Dynamik der Architektur setzt sich im Ausstellungskonzept fort. Anstatt nur lieblos Motorräder aus der Historie von KTM in Glaskästen aneinanderzureihen, setzt man auf Interaktivität. Die Exponate werden durch Installationen, Schaubilder und Videotechnik zum Leben erweckt und erlauben es auch selbst Hand anzulegen. Neben den ausgestellten Zweirädern zeigt die Motohall den Entstehungsprozess eines KTM Motorrades und vermittelt Zahlen und Fakten, genauso wie Selbstverständnis der Kultmarke und ihrer Fans.

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Und die ganzen Helden der KTM-Geschichte finden sich hier mit ihren Maschinen, in Filmsequenzen und im Original-Outfit: Helden wie Heinz Kinigadner, Casey Stoner oder Gennadij Moiseev, der 1974 für KTM den ersten WM-Titel in der 250er Klasse holte. Die Dakar-Helden wie Marc Coma und dazu technische Meilensteine wie der legendäre erste LC-4-Motor oder aber auch aus heutiger Sicht KTM-untypisches wie der 80-Kubik-Chopper mit feister Stufensitzbank, Geweihlenker und Sternchen-Lackierung – Easy Rider lässt grüßen. Als sich die Türen der Motohall wieder hinter mir schließen, bin ich beeindruckt. Die „Orangenen“ schaffen es geschickt, mit ihrem Konzept Marke, Mensch und Maschine miteinander zu verweben. Dem kann sogar ich mich, als Honda Aficionado, nicht entziehen. Ob ich mir deswegen jetzt ein österreichisches Zweirad in Farbton RAL 2009 „Verkehrsorange“ zulege? Na ja, mal schauen.

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Text & Fotos: Stefan Thiel – www.twistingroads.de

Infos Motohall
Die Motohall findet ihr am KTM-Platz 1, in 5230 Mattighofen – natürlich in Österreich. Normalerweise hat die Heldenhalle von Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Infos unter www.ktm-motohall.com

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