Immer schärfere EU-Normen, Fahrverbote und mit Mistgabeln bewaffnete Anwohner: Wohin mit uns, wenn die Straßen für Mopedfahrer irgendwann dicht sind? Ab in den Wald, meint Ducati, und rüstet mit der MIG-RR gefühlt schon mal für den Ernstfall.

Was für mich vor Jahren in einem Waldstück mit einer Gehirnerschütterung, blutüberströmtem Gesicht und einer ohnmächtigen Mutter gipfelte, ist beliebt wie nie: Mountainbiken. Was das mit Motorradfahren zu tun hat? Seit Mai hat Ducati ein solches Gefährt in teilnehmenden Läden stehen. Dafür kooperieren die Italiener mit der relativ neuen italienischen E-Mountainbike- Marke Thok. Herausgekommen ist die Elektro-Enduro „MIG-RR“. Das basiert auf der etwas zivileren Variante mit nur einem R im Namen, entspricht mit den edleren Teilen aber eher den sportlichen Ambitionen der Jungs aus Borgo Panigale. Entsprechend werkeln nur feinste Komponenten: Fox liefert ein komplettes Factory-Fahrwerk mit vorne 170, hinten 160 Millimeter Federweg, Antriebsstrang und Bremsen liefern die japanischen Radprofis von Shimano. Rollen darf das Mountainbike auf der ungewöhnlichen Reifenpaarung in 29 und 27,5 Zoll, hinten in „Plus“-Überbreite.
Also ab in die Schlucht. Thok-Mitbegründer und Ex-MTB-Weltelite-Fahrer Stefano Migliorini gibt im kleinen Gebirge außerhalb Bolognas den Ton an. Surrend nimmt der Shimano-Motor mit einem Kurbelstupser die Arbeit auf. In der höchsten Stufe „Boost“ schießt man förmlich nach vorne und pedaliert ohne Schweißperlen urplötzlich mit 15 Sachen den Berg hinauf.

Elektrisierend: Ducatis Mountainbike kommt natürlich in Werksfarben

Noch mehr Eindruck macht das Ganze, sobald die breiten Feldwege zu Singletrails zusammenschrumpfen. Irre, mit was für einer Power man auf einmal über nasse Steine, Wurzeln, Äste oder einer Mixtur aus allem zirkeln kann. Passagen, die ich als Cross-Country-Fahrer nur schieben würde, überfährt die Ducati dank der maximalen 70 Nm. Steile Rampen, Sprünge: Alles geht – je technischer, desto besser. Die Vierkolben-Stopper der „Saint“-Baureihe haben die Action stets fest im Griff. Auch fahrwerksseitig ist das Ganze über jeden Zweifel erhaben. Blöd nur, wenn der Akku vor einem Schlapp machen sollte: Mit 22,5 Kilo Lebendgewicht in Größe M und ohne Pedale kehren selbst alpengestählte Waden am Berg ganz schnell in der Hütte ein. In unserem Fall war nach 35 Kilometern mit voller Unterstützung ein Akkutausch fällig.
Bei mir schwillt derweil Meter um Meter weiter die Brust – so viel Spaß hatte ich in so einem Hardcore-Gelände lange nicht. Doch in einer langgezogenen Links kegelt mich ein Fehler aus der Kehre. Anders als damals schießt das Adrenalin jedoch sofort ein. Kurz schütteln, aufsteigen, weiterfahren – und weiterballern. Ich bin wieder angefixt.

Was? 

Mountainbike mit Abfahrtsgenen

Für wen? 

Trittfaule Waldbewohner

Kostet? 

6250 Euro

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