Er ist die Kirsche auf der Tour-Torte: der Stopp am Rastorfer Kreuz. Einen Katzensprung vom Meer entfernt kehren Nordlichter seit 20 Jahren im „Rasthuus an’t Krüz“ ein.

von Sophie Leistner Fotos Rastorfer Kreuz, Wilfried Johst

Klönschnack, der. Gebrauch: norddeutsch. Bedeutung: gemütliche Plauderei. Zusammensetzung aus klönen „sich unterhalten“ und snacken „reden“, verrät das Internet. Und man könnte noch ergänzen „Herkunft: Norddeutscher Moppedtreff“. Das Rasthuus an’t Krüz vor den Toren Kiels ist einer jeder Orte, an denen die Szene den Klönschnack und das gesellige Zusammen­rotten nach allen Regeln der Kunst pflegt. Und das bereits seit zwei Jahrzehnten. Seinen Ursprung hat der beliebte Szene- Treff in einer simplen Imbissbude, die Ende der 90er Jahre dort an den Start ging, wo sich die B202 und die für norddeutsche Verhältnisse geradezu kurvenreiche L211 treffen. Frauke Sindt-Khehdri arbeitete be­reits damals hinterm Tresen und kennt den Treffpunkt aus seinen ganz frühen Anfängen. Ein Jahr später konnten sie und ihr Mann Faycal den Betrieb übernehmen. „Am 15. September 1999 war unser erster Tag“, datiert Frauke den Beginn mit einem Schwung in der Stimme, als ginge es um ihren Hochzeitstag. Kein Wunder: So gesehen sind sie und Faycal mit ihrem Rasthaus verheiratet. Nur unterbrochen von seltenen Ruhetagen in der Wintersaison wirbeln die beiden täglich vor und hinter den Kulissen, um hung­rige Rastende glücklich zu machen. Gastronom Faycal leitet die Küche, die staatlich geprüfte Wirtschafterin Frauke kümmert sich um Logis­tik und das Drumherum. Steckenpferd von Faycals Küche sind seit je die Bratkartoffel-Spezialitäten, gern mit Sauer­fleisch, Brathering oder Sülze. Am Grillstand können sich die Gäste im Freien mit Nackensteaks, Thüringer und Krakauer versorgen. Seit Frauke und Faycal ihre Speise­karte umgestellt haben, kommen die Schnitzel nicht mehr in die Fritteuse, alles ist frisch und aus der Pfanne. Im Laufe der Jahre wollten Frauke und Faycal ihren Gästen immer wieder etwas Besonderes bieten, etwa mit Open-Air-Konzerten. Doch die Organisation ist jedes Mal ein Kraft­akt, letztlich steht und fällt so ein Event mit dem Wetter. Außerdem dämmerte schnell die Erkenntnis, dass die meisten gar kein Programm wollen. Kaffee, Kräder und Klönschnack – mehr braucht’s nicht für einen guten Treff. Die Gäste und ihre Maschinen selbst sind die Attraktion. Maschinen aller Couleur und Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, stapeln sich zwi­schen Gasthaus und Park­platz. Seit im letzten Jahr die überdachte Terrasse fertig geworden ist, finden bei Sauwetter noch mehr Leute Platz im Trockenen. Nach 20 Jahren ist das Rasthuus an’t Krüz einer „der“ norddeutschen Treffs schlecht­hin. Wer die volle Packung Trubel erleben möchte, sollte das Rasthuus sonntags ab zehn Uhr ansteuern. Bis zum Mittag kommen oft viele hundert Zweiräder zusammen. Als im April die norddeutsche Fighterszene zum „Anbren­nen“ anreiste und Donuts auf den Asphalt radierte, glichen sämtliche Zuwege einem einzigen Meer aus Chrom, Lack, Leder und Helmen. Die Polizei meldete über 2000 Motorräder. So ähnlich sieht es bestimmt aus, wenn Frauke und Faycal im nächsten Jahr ihr 20- jähriges Jubiläum feiern. „Wir sind aber noch in der Planung“, nimmt Frauke meiner Neugier den Wind aus den Segeln. So viel steht aber fest: An einem Samstag möchten die beiden es mit Gästen und Freunden des „Rasthuus an’t Krüz“ richtig krachen lassen.

INFO

Treff: Rasthuus an’t Krüz, Frauke und Faycal Sindt-Khedhri, Rastorfer Kreuz 1, 24211 Rastorf, 04307/8034, www.rasthuus-ant-kruez.de. Klassischer Treffpunkt zwischen Kiel und Lütjenburg mit viel Platz zum Parken, Flanieren und Klönen. Ausschank im Rasthaus und an der Grillstation im Freien.
Zeiten: April bis Ende Oktober von Montag bis Freitag von acht bis 20 Uhr, samstags zwölf bis 20 Uhr, sonntags von neun bis 18 Uhr. Zwischen November und Ende März ist samstags Ruhetag.
Hinweise: Besonders beim Saisonstart im April und beim Saisonabschluss Ende September hat die Polizei ein Auge darauf, dass sich „alle an die Spielregeln halten“.
Wer: Ein sehenswerter Mix aus historischen Eisen, Youngtimern und modernen Maschinen, oft auch Gespanne und Streetfighter. Auf www.rastorferkreuz.de geht der Klönschnack von Fans des Rasthuus auch nach der Heimkehr weiter. Lohnend, wenn auch artfremd, ist das Treffen luftgekühlter VWs im August mit Käfer, Bulli und Co.
Ringsherum: Appetitliche Tourenreviere sind die karge Geest sowie die Probstei mit Stränden, Heidelandschaft und romantischen Dörfern im Norden oder die Hügellandschaft der Holsteinischen Schweiz im Süden.

Teilen: