Sie ist das fränkische Bikermekka schlechthin, die urige Brauerei Kathi Bräu. Nach dem Tod des Chefs Josef Schmitt steht nun fest: Sein Sohn Alois führt den Traditionsbetrieb weiter – die fränkische Szene atmet auf.
Mehr als 43 Jahre lang hatte sich Brauerei-Urgestein Josef Schmitt um Brauerei und Gastwirtschaft gekümmert. Seine bescheidene und soziale Art war bei Mitarbeitern und Gästen sehr beliebt. Als der Braumeister im Dezember 2018 mit 80 Jahren starb, war die Trauer groß. Die fränkischen Motorradfahrer sorgten sich zudem um den Fortbestand der legendären Gasthausbrauerei. Schmitts ältester Sohn Alois gab bald Entwarnung: Der Diplom- Braumeister kümmert sich um Kathi-Bräu.

Lauschig: In der urigen Brauwirtschaft spürt man den Puls der fränkischen Biergartenkultur

Als wir den 58-Jährigen im Schankraum auf ein dunkles Lagerbier treffen, betont er, dass alles so bleiben soll, wie es war. Sehr zur Freude der Stammgäste. Denn bei Kathi Bräu schlägt das Herz der ursprünglichen fränkischen Wirtshaus- und Biergartenkultur besonders deftig.
Jeder Winkel atmet die Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurück reicht. Ab 1496 war das ehemalige Schloss Heckenhof über 300 Jahre lang im Besitz der Familie von Aufseß, die eine Brauerei begründete. Ab 1900 führte die Familie Dorsch das „Schloss Wirtshaus“ weiter. Nach dem Tod von Vater und Bruder übernahm die Dorsch-Tochter Katharina Meyer – die legendäre „Kathi“ – die Führung. Im Jahr 1975 heuerte Alois’ Vater Josef Schmitt als Braumeister an. Es waren wilde Jahre mit großen Festen und trinkfreudiger Kundschaft. 

Stammgäste erinnern sich gern, wie Kathi damals das Bier in der Gießkanne aus dem Keller geholt oder den Sud mit dem Gartenschlauch in Fässer umgefüllt hat. Sein Vater, der die Brauerei samt Gastwirtschaft nach Kathis Tod 1993 übernahm, hat Alois die Begabung fürs Brauen in die Wiege gelegt. „Als Kinder haben meine Brü­der und ich Holzfässer gewaschen, als Tee­nies hinterm Tresen und im Biergarten ge­holfen oder mit Vater den Sud aufgesetzt.“

Das Lebenswerk seines Vaters fortzusetzen ist Alois eine Herzensangelegenheit. Die Motorradfahrer gehören fest dazu. Denn schon seit Anfang der Siebziger sind sie aus dem bunten Treiben nicht wegzudenken. Damals legten eine Handvoll Kradler Rast in Heckenhof ein. Sehr zur Freude von Kathi, selbst Fahrerin eines Motor-Fahrrads. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn die jungen Langhaarigen waren in der fränkischen Schweiz keine gern gesehenen Gäste. Dass man in der urigen Gastwirtschaft gut einkehren kann, sprach sich unter Motorradfahrern schnell herum.

Offene Arme: „Kathi Bräu“ wurde zum Mekka der fränkischen Szene

Bald kamen sie zu Hunderten, auf dem Parkplatz glänzen seit jeher Maschinen aller Typen und Baujahre um die Wette. Kathi Bräu mauserte sich zum klassischen Sam­mel­punkt, wo geklönt wird und neueste Szene-Infos die Runde machen. Auf dem ursprüng­lichen Zuweg durchs 120-Einwohner-Dorf wurde es bald zu eng.

Da gehts lang: Der Abzweig zur Kathi Bräu ist kaum zu verfehlen

Anfang der 1990er bekam die Brauerei eine eigene Umge­hungs­­zufahrt und einen weiteren Park­platz. „An manchen Tagen geht es zwar drunter und drüber, aber Probleme gibt‘s keine,“ brum­melte Braumeister Josef Schmitt schon 2006 im NEWS-Interview mit seiner sympathischen Weihnachtsmann-Stimme. Das kann Alois nur bestätigen. „Die meis­ten Stammgäste sind jenseits der 50. Die kommen das ganze Jahr über, sobald die Straßen trocken sind, und parken auf unserem großen Platz in Reih‘ und Glied.“ Im Schatten alter Bäume futtern sie deftige kalte Küche: Brotkanten, Schinkenplatten und regionale Käse- und Wurstspezialitäten wie Obazda oder Press-Sack, quasi der „Urtyp“ der fränkischen Wurst.

Dazu geht gern das alkoholfreie „Reifbräu“ über den Tresen. Wer länger rastet, probiert gern den hauseigenen Gerstensaft nach überliefertem Rezept, den Schmitt in drei Variationen braut: würziges Lagerbier, dunkles Bockbier oder das Sommerbier „Kathi leicht“. Mittlerweile sind Motorradfahrer in der Region gern gesehene Gäste.

Ganz anders als die Vereine und Gruppen, die sich auf dem Bierwanderweg die Hucke vollsaufen und dabei schnell ihre gute Kinderstube vergessen. Bei dem Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde bleiben solche Begleitsymp­tome jedoch nicht aus. Denn wenn es um die Brauereidichte je Einwohner geht, ist Aufseß weltweit absoluter Spitzenreiter: Vier Brauereien auf 1500 Dorfeinwohner brachten dem Ort einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde – und seither viele Biertouristen ein. Schade, dass sich keine Jury für das Motorradfahrer-Aufkommen pro Einwohner interessiert. Hin und wieder würde Hecken­hof in dieser Wertung nämlich alle Rekorde sprengen.

Brau-Künstlerin: Heute wird in Heckenhof noch immer nach Kathis überlieferter Rezeptur gebraut

Zur Sache

Treff: Kathi Bräu in Heckenhof, Heckenhof 1, 91347 Aufseß, 09198/277, Brauerei im ehemaligen Schloss Heckenhof mit Gasthaus, Biergarten, Gartenwirtschaft und großem Fest- und Parkplatz.
Lage: Im Naturpark Fränkische Schweiz zwischen Bamberg und Bayreuth.
Zeiten: Täglich geöffnet. Jahrein, jahraus, werktags und am Wochenende trifft man immer, wenn das Wetter mitspielt, Motorradfahrer auf dem Platz oder im Biergarten.
Hinweise: Als Geheimtipp gelten die späten Nachmittags- Stunden, in denen die Massen noch die Kurven glatt­bügeln und nur die Genießer den Biergarten bevölkern. Ein Hinweis für Freunde alter Eisen: Im Sommer kann man Kathis altes Mofa bewundern, das Schmitts im Sommer 2014 vom Dachboden der Gastwirtschaft geborgen haben.
Ringsherum: Aufseß ist umgeben von einer traumhaften Motorrad- Landschaft mit kurvigen Sträßchen in hügeligem und dicht bewaldetem Terrain: Vor der Haustür liegen die Fränkische Schweiz, das Fichtel­gebirge und der Frankenwald.

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