Ein Traum in Werksblau: Suzuki schickt endlich eine GSX-R für Sechzehnjährige ins Rennen. NEWS fuhr mit der 125er in Silverstone schon um das erste Podestplätzchen.

von Moritz Schwertner Fotos Suzuki

Als Sechzehnjähriger hat man es nicht leicht. Besonders jetzt, wo vier kleine Rennsemmeln um Aufmerk­samkeit buhlen. Ihre Gemeinsamkeiten sind dabei recht groß: erwachsenes Aussehen, Ach­telliter-Einzylinder und volle 15 PS.

Das macht auch Suzukis Einstiegsdroge nicht anders. Besonders im Dress der Moto GP-Renner macht die schmal bereifte Mini- Gixxer ungeniert auf dicke Hose. Zudem kommt sie mit Voll-LED-Scheinwerfer, LCD- Cockpit und dem drehfreudigsten Eintopf der Klasse um die Ecke.

Minato Okamura, seines Zeichens Entwicklungschef für die 125er-Sparte bei Suzuki, hat aber noch ein zusätzliches Ass im Ärmel. Und ich staune nicht schlecht, als er von – gut festhalten! – Leichtbau im 125er Sektor redet.

Während Renner in der A1-Klasse mittlerweile 140 und mehr Kilo mit sich rumschleppen müssen, zieht Suzuki hier die rote Linie und spricht von rekordverdächtigen 134 Kilo vollgetankt. Das sind Pfunde, die nicht nur auf der Renn­strecke entscheidend sein könnten, sondern auch im Alltag punkten dürften.

Alleine der Alurahmen soll um drei Kilo leichter sein als bei vergleichbaren Konkurrenzmodellen. Für weiteren Verzicht setzt Suzuki anstatt einer schwereren USD-Forke auf eine deutlich schmalere und leichtere 31-Millimeter-Telegabel. Und um sie noch handlicher zu machen, kürzte man den Radstand um satte 5,5 Zentimeter im Vergleich zu den Klassenkameraden. Hört sich erst ein­mal nach einer guten Rezeptur an, um an der Konkurrenz vorbeizuziehen. Doch wie verhält sich das Bike abseits von Papierwerten?

Beim ersten Aufsitzen wirkt sie vor allem eins: sehr schmal. Den kleinen elf-Liter-Tank flankieren besonders leichte Plastikteile, der bequeme Sitzknödel ist mit gerade einmal 78 Zentimeter der niedrigste seiner Klasse. Zudem sitzt man wegen der tief angebrachten Fußrasten nicht übermäßig sportlich. Die Lenkerstummel sind sanft gekröpft und in angenehmer Höhe verschraubt. So dürften sich sowohl größere als auch kleinere Fahrer ohne Probleme zurechtfinden.

Reicht: Volldigitale Kombianzeige mit Schalt- und Ganganzeige

Novum: Die GSX-R startet schlüssellos, mit dem Knopf kann man auch den Tank öffnen

Das LC-Multifunktionsdisplay liegt gut im Blick, ist easy abzulesen und zeigerfreudig. Nur der kleine weiße Schaltindikator hätte gerne mehrstufig flackern können, anstatt nur zu leuchten. Suzuki stattet seine neuen Minis außerdem mit einem „Easy Start System“ aus: Nach einem kurzen Druck auf den Startknopf dreht sich der Anlasser so lange, bis der Vierventiler sonor pröttelnd die Arbeit aufnimmt.

Doch nix wie raus auf den gut 1,7 Kilometer langen Stowe Circuit im Herzen Silverstones. Der kleine DOHC-Eintopf nimmt aus dem Stand etwas ruckelnd Gas an, läuft dann aber gleichmäßig und ohne Vibrationen bis hoch in den Begrenzer. Der rote Bereich beginnt erst knapp über 11 500 Touren, wobei der Single ohne Mur­ren um weitere 2000 Touren überdreht werden kann – Rekord in der Achtelliterriege. Schön: Selbst unter Voll­last halten sich Vibrationen in den Lenkerstummeln angenehm zurück.

Mit Vollgas und mutig durchfahrener Schi­kane schafft man auf dem kleinen Handlingkurs bereits Tacho 106 – nicht schlecht für den kleinen Renner. Doch solche Geschwindigkeiten wollen auch wieder eingefangen werden. Besonders in der folgenden engen Linkskehre.

Dafür verbaut Suzuki eine 290 Millimeter Wavescheibe, in die sich eine Zweikolbenanlage verbeißen darf. Hart auf die Bremse steigen klappt mit viel Handkraft gut, den Belägen hätte etwas mehr Biss aber nicht geschadet. Das fein regelnde Zweikanal-ABS von Bosch hielt sich wohltuend zurück – im Renn­betrieb ist Schwung verlieren Gift.

Fahrwerkseitig gibt sich die Kleinstgixxer erwartungsgemäß handlich. Nur der erste Lenkimpuls wirkt mitunter kippelig, mit etwas Eingewöhnung fällt die Gixxer aber stets beherrschbar in die Biegung. So sind auf glat­tem Asphalt Schräglagen drin, die Eltern schweiß­nasse Hände bescheren dürften. Nur Bodenwellen bringen etwas Unruhe ins Fahrwerk. Die serienmäßigen Dunlop D102, vorne in Größe 90/80-17 etwas schmaler als üblich, grippten beim kurzen Sommereinbruch auf der Insel vertrauenerweckend und hielten ohne Murren den gesamten Tag durch.

Größtes Problem sportmotorradverrückter 16-Jähriger ist aber meist der Preis. Da kann sich Suzuki vom Start weg ganz nach vorne drängeln: Ausgestattet mit einem schlüssellosen Keyless-Go, Voll-LED-Scheinwerfer und in drei feschen Farben kostet sie mit Führerscheinbonus aktuell günstige 4490 Euro, ohne regulär 4690 Euro. Und alleine das dürfte klam­men A1-lern schon ein großer Anreiz sein.

Technische Daten (Herstellerangaben):

Motor: Einzylinder-Viertakt, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile
Hubraum: 124,4 ccm
Leistung: 11 kW (15 PS) bei 10000 min-1
Drehmoment: 11,5 Nm bei 8000 min-1
Bremsen v./h.: 290-mm-Scheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel, 190-mm-Einkolben-Schwimmsattel
Reifen v./h.: 90/80-17, 130-70-17
Sitzhöhe: 785 mm
Tankinhalt: 11 Liter
Leergewicht: 134 kg (fahrfertig, vollgetankt)
Preis zzgl. Nk.: 4490 Euro
www.suzuki-motorad.de