Mehr Durchfluss – mehr Leistung! Mit dieser griffigen Formel bewerben die Hersteller ihre Sportluftfilter. Auf dem Dynojet-Prüfstand musste die Kawasaki Z 1000 SX sechsmal tief durchatmen. Mit erstaunlichem Ergebnis.

So ein bisschen mehr Power könnte man ja eigentlich immer gebrauchen. Als wohl billigste und auch einfachste Möglichkeit bieten sich hier Sportluftfilter an. Zwischen 40 und 85 Euro sollen die Strömungshilfen kosten – und die Montage ist nun wirklich kein Hexenwerk. Obendrein versprechen die Anbieter auch noch unbegrenzte Haltbarkeit, womit sich die Zubehörteile mittel- bis langfristig sogar bezahlt machen können.

Zehn Minuten Marktforschung in einem weit bekannten Online-Auktionshaus, und die vier Probanden sind flugs bestellt. Der Altmeister der Branche darf natürlich nicht fehlen, die US-Firma K&N hat das Thema quasi erst wirklich populär gemacht. Als Filterelement kommt feines Drahtgitter mit zwischengelagerten Baumwollfasern zum Einsatz. Für die Feinstfiltrierung sorgt dann eine leichte Öltränkung, darin sollen sich auch feinste Partikel verfangen.

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Wo ist das Zündsignal? Die Suche nach der besten Abnahmestelle ist bei Messungen ein Kernproblem

Der im auffälligen Orange gehaltene BMC- Filter huldigt dem gleichen Bauprinzip, beide Filter müssen – oder können – in regelmäßigen Abständen gereinigt und neu geölt werden. Wobei man das Öl sparsam auftragen sollte, ein vollgekleisterter Filtereinsatz hilft auch nicht weiter.

Der Pipercross-Filter erinnert ein wenig an Motocross-Luftfilter. Zentrales Element ist hier eine spezielle Schaumstoffmatte, die ähnlich wie die Baumwollfraktion gereinigt und geölt werden will.

In Deutschland noch recht unbekannt sind die Polyester-Gewebefilter des italienischen Herstellers Sprint-Filter. Auf den ersten Blick ähneln sie den Produkten von K&N oder BMC. Doch statt Baumwolle kommt ein kraftstoffresistentes Polyestergewebe zum Einsatz, das seinen Job trocken erledigt, also ohne Ölbenetzung. Zur Reinigung soll simple Pressluft ausreichen, der Hersteller verspricht eine Filterlebensdauer von 125 000 Kilometern.

Einige Hersteller bieten auch „Racing-Filter“ für Sportumbauten an, die weiterführende Modifikationen erforderlich machen sollen. Für unsere Stichprobe haben wir aber ausschließlich „Plug&Play-Filter“ für serienmäßige Motoren geordert. Als Referenzklasse rangiert natürlich der Kawasaki-Original- Luftfilter. Hier schickt die Kawasaki Maximalwerte von 103,7 Nm und 138,9 PS in Richtung Prüfstandsrolle.

Aber welches Potenzial steckt überhaupt in der Idee, mittels strömungsgünstigerem Filterelement zusätzliche Pferdestärken auf den Plan zu rufen? Als ultimative Nagelprobe entfernen wir das Luftfilterelement vollständig –

und fahren die nächste Messung. Erstaunte Gesichter: Leistung gleich, Drehmoment minimal niedriger. Innerhalb der üblichen Messtoleranzen müssen wir also von Gleichstand reden.

Die Ursache dieser Leistungsverweigerung ist schnell gefunden: Um die Ansauggeräusche moderner Motorräder immer effektiver dämpfen zu können, wird die Luft durch mehr oder weniger enge Schnorchel gezogen und mehrfach im Inneren der Airbox umgeleitet. Und dieses Konstrukt stellt den eigentlichen Flaschenhals dar. Wenn wir hinter diesem Engpass ein Scheunentor öffnen, hilft das nicht weiter.

Eine Leistungssteigerung konnten wir dann auch mit keinem der vier Zubehörfilter erzielen. Innerhalb der Messtoleranzen verlau­fen alle Kurven sehr ähnlich, minimale Abweichungen dürften auf Schwankungen bei Öl- und Kühlwassertemperatur und natürlich die Genauigkeit des Dynojets zurückzuführen sein.

Unser Kurzcheck stellt daher weniger ein Urteil über die Qualität der Zubehörfilter aus. An Verarbeitung und Material gibt es kaum etwas zu meckern. Vielmehr zeigt sich aber, dass die Airbox der Kawasaki ein strömungstechnisches Gesamtkunstwerk darstellt, des­sen volles Potenzial sich bereits mit dem (neuwertigen) Original-Filter erschließt.

Um hier im Luftfilterbereich tatsächlich etwas zu verbessern, müsste man schon in die Struktur von Airbox und Luftwegen eingegreifen. Was aber weiterführende Anpassungen im Bereich Gemischaufbereitung und Motorsteuerung erfordern würde.

Hennes Löhr, Vierzylinder-Legende und Eig­ner von LKM-Tuning in Bonn, verbaut deshalb an seriennahen Motoren nur Originalluftfilter. Erst bei aufwändigen Rennumbauten mit modifizierter Airbox und geändertem Steuergerät greift der Pferdestärkenflüsterer zu exotischeren Konstruktionen. Ein wenig erinnert unsere Stichprobe aber auch an die Auspufftests der letzten Jahre. Auch hier fällt es den Herausforderern immer schwerer, die Serienanlage zu schlagen.

Bleibt abschließend festzustellen, dass wir hier wirklich nur eine Stichprobe anhand der Z 1000 SX gemacht haben. Nicht auszuschließen, dass die Sportluftfilter an anderen Maschinen mehr bewirken.

BMC Sportluftfilter FM592/04

Im schicken Orange macht der BMC auf sich aufmerksam. Das Konstruktionsprinzip mit ölbenetzter Baumwolle im Feindrahtgitter erinnert an den Altmeister K&N, BMC gibt als Reinigungsintervall 25 000 Kilometer bei normaler Straßennutzung an. Das Reinigungsset mit Öl plus Reinigungsfluid kostet rund 18 Euro. Einwandfreie Passform.

Preis (inkl. Versand) gefunden auf eBay: 56 Euro

 

101,3 kW (137,8 PS) bei 10500 U/min

100,3 Nm bei 8750 U/min

K&N Sportluftfilter KA-1111

Ein amerikanischer Klassiker, der K&N darf wohl als Vorreiter des kompletten Marktsegmentes gelten. Das charakteristische rote Sprühöl lässt den Grad der Öltränkung gut sichtbar werden. Wie die Mitbwerber kommt der K&N einbaufertig, als Reinigungsintervall sind 80 000 Kilometer angegeben. Einwandfreie Passform.

Preis (inkl. Versand) gefunden auf eBay: 42,90 Euro

102 kW (138,6 PS) bei 10250 U/min

101,5 Nm bei 8500 U/min

Pipercross MPX170

Ein Schaumstofffilter ist bei Straßenmotorrädern schon ungewohnt. Der Pipercross setzt auf diese Motocross-typische Technik, er ist auswaschbar und muss ebenfalls eingeölt werden. Laut Hersteller ist der Filter unbegrenzt einsetzbar. Was die Waschintervalle angeht, fanden wir keine verbindliche Empfehlung. Einwandfreie Passform.

Preis (inkl. Versand) gefunden auf eBay: 83,90 Euro

101,6 kW (138 PS) bei 10250 U/min

102,5 Nm bei 8500 U/min

Sprint Filter PM111S

Die italienische Firma versorgt seit 1953 den Automobilbereich, auf dem Motorradsektor sind sie erst seit wenigen Jahren aktiv. Das Besondere ist das trockene Arbeitsprinzip: Der Sprint kommt ohne spezielles Öl aus, kann einfach mit Pressluft gereinigt werden. Nicht ganz optimal war die Passform unseres Testmusters, wir mussten etwas mit der Feile nacharbeiten.

Preis (inkl. Versand) gefunden auf eBay: 84,79 Euro

103 kW (140 PS) bei 10250 U/min

102,8 Nm bei 8750 U/min