Streckensperrungen sind fast so alt wie das Motorrad selbst. Waren es früher hauptsächlich die Unfallzahlen, sind mittlerweile auch Einschränkungen wegen „Motorradlärm“ ein Streitthema. Machen Fahrverbote Sinn oder verlagert man so nur Lärm und Unfälle auf andere Regionen?

 

Martin Timm ist Geschäftsführer und Inhaber von Motorrad Timm in Reddelich bei Bad Doberan. Zum Neufahrzeug-Portfolio gehören Suzuki, Kymco, Daelim und Beeline, aber auch gebrauchte Maschinen finden sich vor Ort. Seit über 25 Jahren vertreibt und repariert Martin Zweiräder. Die Frage des Monats stellte Volker Wahmkow.

Martin Timm: „Das klingt nach einem klassischen Dilemma: Als Motorradfahrer bin ich klar gegen solche Verbote. Fahre aber auch nicht mit maximaler Drehzahl durch solche Gebiete. Allerdings kann ich auch die Anwohner von selbsternannten ‚inoffi ziellen Rennstrecken’ oder Urlauber und Gäste in Kurorten verstehen, wenn sie solche Maßnahmen fordern. Es sind ja meist nur wenige schwarze Schafe, denen Vorsicht und Rücksichtnahme Fremdwörter sind. Das gilt für unsere Zunft ebenso, wie für einige Autofahrer, die mit off enen Seitenfenstern fahren und der Meinung sind, möglichst viele andere Menschen mit ihrem Musikgeschmack beglücken zu müssen. Behörden und Anwohner setzen leider Straßensperrungen als letztes Mittel gegen die Unvernunft anderer ein.“  www.motorrad-timm.de

Peter Sturm und Burkhard Tech betreiben zusammen die Monkey-Garage in Duisburg-Walsum. Spezialisiert auf Honda Monkey und Dax, deren Restauration, Umbau und Tuning samt Zulassung als Leichtkraftrad, verstehen sich die beiden als echte Schrauber, nicht Teiletauscher. Seit 2013 sind die Neoklassiker von Royal Enfield an Bord, seit kurzem auch die 125er von Brixton. Erik Förster hielt Burkhard von der Arbeit ab und stellte ihm die Frage des Monats.

Burkhard Tech: „Ich bin ein alter Hase und Freund der 60er Jahre-Technik. Zu so einem Motorrad gehört auch der Sound der 60er! Kein übertriebener Lärm, aber echte, authentische Lebensäußerungen der ehrlichen Motoren von damals, das muss sein. Alles, was das Zweiradfahren beschränkt, geht mir auf den Geist, ich bin gegen die Kastration der Zweiradszene durch Verbote. Ich habe zum Beispiel als Essener Biker die Diskussion bei der drohenden Sperrung der Zufahrt zum Treff an Haus Scheppen wegen Anwohnerbeschwerden mitverfolgt und muss sagen: Wer mit so einer Wohnsituation nicht klarkommt, soll halt wegziehen.“  www.monkey-garage.de

Seit 1969 ist der SC-Neuenknick Anlaufstelle für Motorsportbegeisterte. Startete damals noch alles in einer Sandgrube, folgte 1981 mit der Eröff  nung der aktuellen Speedway-Bahn der nächste Schritt. Seitdem füllt sich das Areal mit bis zu 12000 Besuchern, wenn internationale und nationale Läufe und Veranstaltungen locken. Obendrauf lockt jährlich ein Mofa-Rennen auf dem Infield des Ovals.  Johann Vorderwülbecke stellte dem ersten Vorsitzenden Mario Hauke die Frage des Monats.

Mario Hauke: „Tja, Streckensperrungen sind so eine Sache – ein zweischneidiges Schwert. Als jemand, der auch eine Straßenmaschine sein Eigen nennt und dem es viel Freude bereitet, ab und an Mal die STVO außer Kraft zu setzen, fi nde ich es grausam, kurvenreiche Strecken zu sperren. Nur zum Geradeaus-Fahren brauche ich kein Motorrad. Auf der anderen Seite verstehe ich auch die Anwohner, wenn jedes Wochenende hunderte von Motorrädern vorbeifahren. Da hätte ich auch keine Lust drauf. Aber: Wenn alle Moppeds von den spaßbringenden Landstraßen verbannen, wird der Markt einbrechen – wer kauft sich dann noch eine neue Maschine? Meine Lösung ist da einfach: Ich fahre mittlerweile ein paar Mal im Jahr auf der Rennstrecke, denn dort kann man ohne Rücksicht auf Tee trinkende Nachbarn Gas geben. Und vielleicht werden so auch die kurvenreichen Strecken, die noch verblieben sind, etwas geschont.“  www.sc-neuenknick.com

Seit 54 Jahren kümmert sich Motorrad Emonts in Köln um die Belange von Yamaha-Fahrern, seit einiger Zeit vertreten an zwei Standorten. Im Stammhaus am Melatengürtel stehen Neu- und Gebrauchtfahrzeuge zum Verkauf, Bekleidung und Zubehör sowie die ganze Bandbreite des Werkstattservices mit Umbauten runden das Angebot ab. Hennig Rest stellte Verkäuferin Janette Heidergott die Frage des Monats.

Janette Heidergott: „Es findet meiner Meinung nach nur eine Verlagerung statt. Das ist keine Lösung des Problems, denn der Lärm und gegebenenfalls die Unfälle fi nden dann woanders statt. Das macht Sperrungen wiederum sinnlos, da sie das, was sie verhindern sollten, nicht verhindern. Ausnahmen, wie etwa vor Krankenhäusern, machen Sinn, aber nur, wenn auch Autos dort nur von zum Beispiel Anliegern fahren dürften. Denn ob ein Motorrad vorbeifährt oder ein lauter PKW, ist vom Faktor Lärmbelästigung her den Patienten egal. Verstehen kann ich Menschen, die an beliebten Strecken wie im bergischen Land wohnen, wenn ihnen der Lärm Sonntagsmorgens ab acht Uhr das Frühstück vermiest, aber auch da spielt es keine Rolle, ob es ein Motorrad oder ein Auto als Verursacher ist. Insofern ist eine einseitige Sperrung für Motorräder ungerechtfertigt in meinen Augen und das nicht nur, weil ich selber Motorrad fahre.“  www.yamaha-emonts.de

Sven Kriewald gründete OK-Motorräder in Bad Kreuznach 1994. Der Meisterbetrieb bietet Neufahrzeuge von Kawasaki und Yamaha sowie E-Bikes an. Wartung und Reparaturen macht das Team an fast allen Marken. Auch ein großes Angebot an Gebrauchtfahrzeugen aller Hersteller, in werkstattgeprüfter Qualität, steht immer zur Verfügung. Susanne Roth stellte die Frage des Monats.

 Sven Kriewald: „Ich finde Streckensperrungen grundsätzlich nicht sinnvoll. Wenn es auf einzelnen Strecken zu vermehrter Lärmbelästigung kommt, sollten Lärmkontrollen durchgeführt werden, somit zieht man extrem laute Fahrzeuge aus dem Verkehr. Die heutigen Motorräder sind auch keinesfalls laut. Sollte dies doch der Fall sein, wurde meist manipuliert. Allerdings ist dies nicht nur bei Zweirädern so; es gibt auch genügend rücksichtslose Mitbürger unter den Autofahrern, die ihr Fahrzeug so manipulieren, dass es für andere zur Lärmbelästigung wird. Ebenso sollte man meiner Meinung nach verfahren, wenn es auf bestimmten Strecken vermehrt zu Unfällen kommt. Auch da kann man mit Kontrollen einwirken.  Streckensperrungen haben meist nur zur Folge, dass sich das „Problem“ auf andere Strecken verlagert. Ich denke, hier passt ein altes japanisches Sprichwort sehr gut: „Geh an die Quelle!“  www.ok-motoraeder.com

Bei BMW-Brauneisen in Wendlingen wird die Qualität der Service-Leistungen groß geschrieben. Geschäftsführerin Marlis Ulmer ist das Know-how in der klassischen Mechanik sowie im Umgang mit computergestützter Diagnosetechnik wichtig.  Dem engagierten Verkaufsberater Sandro Strohmaier stellte Birgit Dietrich die Frage des Monats September.

Sandro Strohmaier: „Da sich Motorradfahrer in der Öff entlichkeit bewegen, müssen sie sich mit Behörden und Anwohnern arrangieren. Das funktioniert aber nur, wenn jeder Beteiligte zwar seinen Standpunkt vertritt, aber auch den Standpunkt anderer akzeptiert. Streckensperrungen aufgrund von häufigen Unfällen sind meist Folgen von gefährlicher Fahrweise oder überh.hter Geschwindigkeit. Sperrungen wegen Motorradlärm sind häufi g die Folge nicht eingehaltener Geräuschvorschiften durch manipulierte Auspuff anlagen. Bei beiden Punkten sollte man die Sicht von Anwohner und Behördenverstehen. Diese widerrum sollten aber auch den Unmut eines Motorradfahrers verstehen, der mit einem legalen Kraftfahrzeug und den Verkehrsregeln entsprechend vor einem Sperrschild steht. Und hier liegt am Ende dann auch das Problem. Das oben beschriebene Fehlverhalten von wenigen führt zu einer Pauschalisierung von Motorradfahrern aller Art. Streckensperrungen verlagern das Problem nur und sollten als gezielt temporär gewählte Warnung genutzt werden, als Minderung von Lärm und Unfällen sind sie nicht geeignet, denn mit weniger Strecken wird die Anzahl an Fahrzeugen ja nicht weniger, die Zulassungszahlen sprechen sogar vom Gegenteil. Somit kann nur der Appell an ein gemeinsames Miteinander zielführend sein, nicht die Sperrung von Strecken.“ www.bmw-brauneisen.de

Motorpark Schrembs aus Bayreuth kann auf über 20 Jahre zurückblicken: 1995 gegründet von Hermann Schrembs als Kfz-Meisterbetrieb, kam 1998 der Neubau mit Werkstatt und Ausstellung sowie die Umbenennung zu „Motorpark Schrembs“ dazu. Erster Partner war Aprilia, 2000 kam Kawasaki dazu und 2005 öff nete der hauseigene Leistungsprüfstand. Seit 2007 gehört ein Fahrwerksservice in Zusammenarbeit mit Öhlins zum Programm, 2008 kamen Derbi, Vespa, Piaggio und Gilera zum Portfolio, eine weitere Kawasaki-Niederlassung öff nete 2013 und seit 2015 bietet Schrembs auch Ducati an. Franz Schroll stellte Inhaber Hermann Schrembs die Frage des Monats.

Hermann Schrembs: „Unfallzahlen, Lärm und Streckenbeschaffenheit kann man heutzutage nicht als Grund für eine Streckensperrung hernehmen. Dies kann man durch Geschwindigkeitsbeschränkungen und Kontrollen lösen. Meiner Meinung nach machen Streckensperrungen wenig Sinn, da sich der Verkehr nur verlagert und das Problem an einer anderen Stelle auftritt. Kein Fan des motorisierten Zweirades lässt sich in der Ausübung seines Hobbys einschränken.“  www.motorpark-schrembs.de