Tourentipp: Schnittstelle – Naturpark Feldberger Seenlandschaft

Die letzte Eiszeit hinterließ mit den Naturparks Feldberger Seenlandschaft und Uckermärkische Seen ein gigantisches Mosaik aus glitzernden Wasserflächen, sanften Kuppen und aus­gedehnten Wäldern, das Motorradwanderer verzückt.

von Frank Sachau (Text & Fotos)

Welch schweißtreibende Schinderei muss es gewesen sein, all jene Feldsteine zusammen­zutragen, aus denen die mittelalterliche Stadtmauer Templins errichtet wurde. Was haben wir es dagegen heute gut: Ein Bewegungsmelder schaltet die Beleuchtung der Tiefgarage ein und ein Schlüsseldreh lässt das Tor hochfahren. Ein Druck auf den Anlasser erweckt den Motor zum Leben, eine freundliche Stimme weist den rechten Weg.Am Prenzlauer Tor verlassen wir die Perle der Uckermark und quetschen uns kurz darauf an der Landenge Fährkrug zwischen Templiner See und Fährsee hindurch, um ins sanft gewellte Boitzenburger Land abzubiegen. Anfangs säumt ein finsterer Forst die verkehrsarme Landstraße, dann folgen Wiesen und Äcker. Nur selten fordert eine Ortsdurchfahrt den Einsatz der Bremsen. Es wäre unverzeihlich, am etwas versteckt liegenden Schloss Boitzenburg vorbei zu preschen. Der schneeweiße Renaissancebau steht auf einer Halbinsel und zählt zu den größten und schönsten Schlössern Branden­burgs. Für das angrenzende Areal war einst der berühmte Gartenbaukünstler Peter Jo­seph Lenné zuständig, nach dessen genia­len Plänen kleine Gärten und weitläufige Parks im damals populären englischen Stil gestaltet wurden. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. erkannte und förderte Lennés Talent, Bauwerke, Büsche und Bäume durch Sichtachsen wirkungsvoll in Szene zu setzen. Schon bald umgibt uns wieder unverfälschte Natur, doch von den tausend Seen der Region lassen sich nur wenige blicken. Die herrlich verschlungene Etappe von Hardenbeck über Fürstenhagen und Weggun nach Fürstenwerder transportiert uns nicht nur in den äußersten Norden des Naturparks Uckermärkische Seen, sondern auch an die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Die letzte Eiszeit hat ganze Arbeit geleistet: Abschmelzende Gletscher haben Massen an Geröll hinterlassen und somit den späteren Einwohnern Unmengen natürlichen Baumaterials vor die Füße gelegt. Fürstenwerder, eingebettet zwischen Wah­rensee und Dammsee, zog damit eine bis heute erhaltene Wehrmauer hoch und sicherte sie mit drei Stadttoren. Das nördliche entlässt uns in die nahe Windmühlenstadt Woldegk, wo auf einem 130 Meter hohen Hügel, der in Mecklenburg-Vorpommern schon als Berg zählt, gleich drei stattliche Mühlen dicht nebeneinander stehen und zur Besichtigung einladen. Warmer Wind bläst ins geöffnete Visier, als wir anschließend auf der B 198 im hohen Gang westwärts streben.

Wasserspiele in Neustrelitz: Nach einem Brand auf dem Reißbrett neu geplant, streben vom Marktplatz acht Straßen sternförmig auseinander

Rückzugsort: 1933 bis 1944 lebte und arbeitete der Schriftsteller Hans Fallada im abgelegenen Fischerdorf Carwitz

Riesenquirl: In der Mühlenstadt Woldegk ist eine Handvoll betagter Power-Propeller zu bestaunen

Der 130 Meter hohe Hügel zählt hier schon als Berg

Waren wir bisher nur an den Rändern des Naturparks Feldberger Seenlandschaft unter­wegs, biegen wir in Bredenfelde ins Herz der eiszeitlich geprägten Kuppen- und Hügellandschaft ab. Zahllose Quellen speisen 69 Seen mit zum Teil hervorragender Wasser­qualität. Während der Breite Luzin als dritttiefster See Norddeutschlands gilt, ähnelt der Schmale Luzin eher einem Flusstal. Ihm folgen wir von Feldberg aus auf einem schmalen Teerband hinaus nach Carwitz an der Schnittstelle der beiden 1997 gegründeten Nationalparks. Das ehemalige Fischer­dorf ist von weiten Wasserflächen umgeben und war für viele Jahre Rückzugsort des Schriftstellers Hans Fallada, der in den 1930er Jahren durch seinen Roman „Kleiner Mann – was nun?“ weltberühmt wurde. 1893 als Rudolf Ditzen geboren und von den Eltern eigentlich für den Juristenberuf eingeplant, geriet er früh auf die schiefe Bahn. Drogen und Alkohol, Diebstähle und Unterschlagungen, Entziehungskuren und Haftaufenthalte sowie gescheiterte Partner­schaften hinterließen tiefe Eindrücke, die er unter Pseudonym zu Papier brachte. Fallada starb mit nur 53 Jahren den Drogentod. Deutlich älter sind die 350-jährigen Buchen der sogenannten „Heiligen Hallen“ im riesigen Waldgebiet zwischen Feldberg und der barocken Residenzstadt Neustrelitz. Nach einem verheerenden Brand auf dem Reißbrett neu geplant, streben vom quadratischen Marktplatz des ehemaligen Herzogssitzes gleich acht Straßen sternförmig auseinander. Als wir einer davon zur Useriner Mühle folgen, nimmt die Präsenz von Wasserwegen und -flächen rapide zu – kein Wunder, sind wir doch in den östlichen Ausläufern der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs. Allzu gern folgen wir der noch jungen Havel durch ein Geflecht aus Wäldern und Wasserflächen, Kurven und Kanälen an die B 96. Kaum haben wir sie gequert, kehren wir auf einem minimalistischen Fahrweg zurück ins Brandenburgische. Der nahe Verkehrsknotenpunkt Lychen gilt als Zentrum der Flößer. Lange bevor das Holz aus den umliegenden Wäldern über Schiene und Straße transportiert wurde, nutzten sie die weit verzweigten Wasserwege, um die Baumstämme in die Städte zu schaffen. Die Königsetappe haben wir uns bis zum Schluss aufbewahrt: Auf den 20 Kilometern bis Templin feilen wir ausgiebig an unserer Schräglagentechnik. Keine Ampel, kein Stopp- Schild stellt sich uns in den Weg. Fazit: Das Fehlen von Kehren und Pässen ist uns heute gar nicht aufgefallen!

Hoteltipp

Hotel Zum Eichwerder

Wer die schönsten Flecken im nördlichen Branden­burg bereisen möchte, trifft mit dem gastlichen Haus eine gute Wahl. Im historischen Ortskern gelegen und nur einen Steinwurf vom Templiner See entfernt, bieten sich von hier aus auch Touren in die Uckermark und das Ruppiner Land an. Tiefgarage, Sauna, WLAN. Das Doppelzimmer mit Frühstück ab 87 Euro.

Werderstraße 38
17268 Templin
Fon 03987 / 4941410
www.hoteleichwerder.de

Reise Info

Streckenlänge: 220 Kilometer
Dauer der Tour: Tagestour
Allgemeines: Im südöstlichen Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte, im Dreieck der Städte Neustrelitz, Prenzlau und Templin gelegen, bieten der Naturpark Feldberger Seenlandschaft mit seinen 1000 Quadratkilometern Fläche und weite Teile des Naturparks Uckermärkische Seen viele Gelegenheiten, die Hauptstraßen zu verlassen und in üppige Laubwälder und ausgedehnte Kiefernforste einzutauchen. Die Region ist von unzähligen Wasserflächen durchzogen und gilt als Reich der Seeadler, Kraniche, Fischotter und Biber. Die Tour ist für Anfänger geeignet, die Qualität der Straßen stark unterschiedlich.

Code einfach eingeben auf 
www.motorrad.net/aktuelles/touren

 

Anreise: Das Tourengebiet liegt zwischen den Autobahnen A 24 Hamburg – Berlin, A 11 Stettin – Berlin und der Ostseeautobahn A 20.
Reisezeit: Anfang Mai bis in den Oktober
Literatur: DuMont Bildatlas Band 188 „Mecklenburgische Seen“. 120 Seiten reich bebilderte, geballte Informationen für den ersten Überblick. Zahlreiche Straßenkarten, 9,95 Euro.
Karten: ADAC Kartenset Deutschland 2018/19. 1:200 000, www.adac.de, 14,99 Euro.
Informationen: www.naturpark-feldberger-seenlandschaft.de, www.uckermaerkische-seen-naturpark.de, www.mueritz-nationalpark.de
Museum: Hans-Fallada-Museum, OT Carwitz, Zum Bohnenwerder 2, 17258 Feldberger Seenlandschaft, www.fallada.de. April bis Oktober zehn bis 17 Uhr geöffnet, Montag Ruhetag, Eintritt fünf Euro

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