Tourentipp: Runde Sache – Nördliche Eifel

Was für ein Revier: Mit dem Motorrad die wohlgeformten Rundungen der Eifel auskosten und dabei perfektes Tourenglück zwischen Rennstrecke und Regierungsbunker, Rebstöcken und Radioteleskopen finden.

von Frank Sachau (Text & Fotos)

Hüllen-Wirt Ralf Friedrichs hat ein Faible für rassige Italienerinnen – und macht keinen Hehl daraus. Er lässt sich nicht lange bitten und gewährt uns einen Blick in seine private Garage, wo die charismatischen Schönen in Reih und Glied stehen. Zum Glück ist der bekennende Ducati-Fan tolerant und beherbergt auch Fahrer anderer Motorradmarken. 

Ungern setzen wir dem morgendlichen Benzinplausch ein Ende, verabreden uns für den Abend und schwenken auf die B 258 in Richtung Norden ein. Aber schon nach wenigen Schaltvorgängen taucht das Hinweisschild Adenau auf. Dort werden wir freundlich begrüßt: Im Zentrum eines Kreisverkehrs steht der Nachbau eines legendären Silberpfeils, aus dem offenen Rennwagen winkt uns eine stilecht mit Lederkappe und Schutzbrille bekleidete Puppe zu. Fröhlich biegen wir am östlichen Ortsrand zur Hohen Acht (746 Meter) ab. Mit spielerischer Leichtigkeit winkeln wir den bewaldeten Vulkankegel empor. Die nahe B 412 verschmähend, treiben wir die Maschinen durch mehrere Täler über Kesseling nach Heckenbach, um windungsreich nach Ramersbach aufzusteigen. Dabei kna­cken wir fast die 500-Höhenmeter-Marke und streben dann südwärts, um parallel zur Bundes­straße das Kloster Maria Laach anzusteuern. Das Wetter weiß nicht, was es will. Als erste Regentropfen an die Helme klopfen, betreten wir das im zwölften Jahrhundert gegründete Gotteshaus am Laacher See. Überwiegend aus heimischen Baustoffen errichtet, zählt die schöne Klosteranlage zu den bedeutenden romanischen Sehenswürdigkeiten Deutschlands. 

Wenig später sirrt die noch nasse Straße unter unseren Reifen, Niederzissen fliegt vorbei, Ramersbach ebenso. Tadelloser Teer lässt uns durch einen ausgedehnten Forst hinunter ins Ahrtal schwingen. Rückblende: Geteiltes Deutschland, Kalter Krieg, Ost-West- Konflikt, Schreckensvision Atomkrieg! Zwei unvollendete Eisenbahntunnel, nur 30 Kilometer von Bonn entfernt, werden ab 1960 streng geheim zum Ausweichquartier der Bundesregierung umgebaut.

Vorfreude: Tagsüber durch die Weinberge des Ahrtals touren und dabei an einen edlen Tropfen für den Abend denken

Aushängeschild deutscher Romantik: Abteikirche des Benediktinerklosters Maria Laach

Zwei Eisenbahntunnel, atombombensicher umgebaut

Der 1971 fertiggestellte Bunker sollte 3000 Regierungsmitarbeitern Schutz vor Nuklearangriffen bieten. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs überflüssig geworden und zurückgebaut, blieb ein kleiner Teil als Dokumentationsstätte erhalten. Was unter den steilen Weinbergen los ist, wissen wir nun. Schauen wir uns jetzt mal über Tage um. Vermutlich brachten bereits die Römer den Weinbau in diesen malerischen Teil der Eifel. Neben Rebhängen säumen Kirchen und Burgen unseren Weg entlang des mäandernden Flusses, dem wir in Kreuzberg vorerst adieu sagen, um gegen den Lauf des Sahrbachs das Radioteleskop Effelsberg anzupeilen. Vom dortigen Parkplatz führt ein 700 Meter langer Fußweg in einen Talkessel, der seit 1972 den größten Parabolspiegel Europas vor irdischer Strahlung schützt. Kleiner und älter, dafür aber direkt mit dem Motorrad anfahrbar ist der „Astropeiler Stockert“, der zwischen 1955 und 1993 seinen Dienst bei Eschweiler nördlich von Bad Münstereifel versah. Um zu ihm zu gelangen, müssen wir anfangs einen Golfplatz überqueren und danach kariösem Teer bis zum Gipfelplateau folgen.

Zurück in Bad Münstereifel entschließen wir uns, das Naturschutzgebiet Münstereifeler Wald zu umrunden, und erreichen auf lohnenden Umwegen erneut Effelsberg. Für den Rückweg zur Ahr haben wir uns ein Sahnestückchen auf der Generalkarte markiert – die Kehrenanlage oberhalb von Obliers. Sechs knackige Serpentinen lassen uns schnell an Höhe verlieren. Weil aber der Straßenbelag mehr als schlecht ist, müssen unsere Reiseenduros Nehmerqualitäten beweisen und ordentlich einstecken. Anschließend lässt uns die schmale, dreibogige Brücke von Liers trockenen Fußes die Ahr überqueren. Doch statt rechts nach Adenau abzubiegen, schlagen wir den Weg links zum beliebten Motorradtreff Café Ahrwind in Ahrbrück ein.

Dort lassen wir uns einen Pausen-Cappuccino schmecken, dessen Milchschaumhaube stilsicher mit einem Motorrad aus Kakaopulver verziert ist. Einfach klasse! Nachdem die weitere Route abgesteckt ist, begleiten wir die Ahr noch ein kleines Stückchen bis Dümpelfeld und starten dann nach Adenau durch. Der Ort geizt weder mit historischem Fachwerk noch mit Werbung für den nahen Nürburgring, als echter Hingucker entpuppt sich ein an einer Hauswand klebender roter Formel- Eins-Renner. Auf geht’s! Schon von Weitem erblicken wir die Nürburg – kein Wunder, thront sie doch auf dem zweithöchsten Berg der Eifel. Die Ursprünge der stolzen Festung reichen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück, im Dreißigjährigen Krieg durch schwedische und später durch französische Truppen erobert und verwüstet, wurde sie bald aufgegeben.
Bis heute prägt die mächtige Ruine die markante Silhouette des Motorsport-Pilgerorts, der seit Fertigstellung der ehemals 28 Kilometer langen „Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke“ im Jahre 1927 Rennsportbegeisterte aus aller Welt anlockt.

Alles ist erlaubt: Wirksame Werbung für den Nürburgring setzt sogar physikalische Grenzen außer Kraft

​Der Chef und seine Schäfchen: Hüllen-Wirt Ralf Friedrichs ist Ducati-Fan

Hoteltipp

Hotel Hüllen

Speed-Freaks finden ihr Mekka unweit des Nürburg­rings: Karla und Ralf Frie­drichs schmücken ihr gastliches Haus stilsicher mit Devotionalien des Rennsports. Den guten Eindruck untermauern die komfortablen Zimmer, die ausgezeichnete Küche und der aufmerksame Service. Selbstverständlich sind Garage, Schrauberecke und Tourentipps. Das Doppelzimmer mit Frühstück ab 98 Euro.

Hauptstraße 22
53534 Barweiler
02691 7520
www.hotelhuellen.de

Reise-Info

Streckenlänge: 220 Kilometer
Dauer der Tour: Tagestour
Allgemeines: Die Eifel ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges und liegt im äußersten Westen Deutschlands zwischen Aachen, Trier und Koblenz. Das über 5300 Quadratkilometer große Mittelgebirge ragt bis zur 746 Meter auf (Hohe Acht), der nördliche Teil zählt zu Nordrhein-Westfalen, der südliche zu Rheinland-Pfalz. Die vielen kreisrunden Seen, die „Maare“, belegen den vulkanischen Ursprung der Eifel. Von vielen Wasserläufen und Wäldern geprägt, überzieht ein dichtes Netz anspruchsvoller und kurvenreicher Landstraßen jene Region, die durch die 1927 erbaute Rennstrecke Nürburgring weltbekannt wurde. Die beschriebene Tour verläuft überwiegend auf Nebenstrecken, Fahrerfahrung und Kondition sind von Vorteil.

GPS-Downloadcode: Ag58HZ
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www.motorrad.net/aktuelles/touren

Anreise: Von Norden und Süden führt die A 1 heran, im Osten tangiert die A 61 das Gebiet.
Reisezeit: Mitte Mai bis in den Oktober
Literatur: Dumont Bildatlas 152 „Eifel“. 120 Seiten reich bebilderte, geballte Informationen für den ersten Überblick. Zahlreiche Straßenkarten, Preis 9,95 Euro.
Karten: ADAC Kartenset Deutschland 2018/19. Zehn Doppelblätter im Set von MairDumont. Maßstab 1:200 000. Im Buchhandel oder überwww.adac.de, 14,99 Euro.
Infos: Eifel Tourismus (ET) GmbH, Kalvarienbergstraße 1, 54595 Prüm, www.eifel.info, www.eifelbiker.de, www.eifel-motorrad-blog.de.
Museum: Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Am Silberberg 0, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, www.regbu.de.

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