Einmal im Jahr wird es auf dem ehemaligen Flugplatz „Altes Lager“ nochmal richtig laut. Immer dann, wenn das Motorcycle-Jamboree ansteht. Beim ältesten Berliner Rockerclub „Born To Be Wild“, der bereits 2015 sein 40-jähriges Bestehen feierte, wird noch richtig Harley gefahren und jährlich trifft sich der Club im Juli, um auf dem ehemaligen NVA-Flugplatz „Altes Lager“ bei Jüterbog  abzufeiern.

Permanent blubberten getunte Harleys über die Mainstreet und auf den beiden Bühnen gab es amtlich brauchbare Bikersounds zu hören. Headliner in diesem Jahr waren „In Extremo“ und „Rose Tattoo“, die es trotz Gewitter am Samstag richtig krachen ließen. Das Konzept ist einfach, aber überzeugend: Everybody is welcome! Und das wird auch gelebt. Präsident Lommel verweist nicht ohne Stolz darauf: „Wir haben hier alles unter Kontrolle“, was sich ja auch wieder bis auf das unvorhergesehene Gewitter so bewahrheitete. Sein über 40 Jahre währendes turbulentes Rockerleben hat der Präsi übrigens bereits 2010 auch als Buch herausgegeben. Randale gibt es seit vielen Jahren auf der Jamboree nicht. Dafür sorgt der vereinseigene Ordnungsdienst, der seinen Job fast geräuschlos auf kleinen Automatikmopeds versieht. Sieht putzig aus, die schwer tätowierten Kuttenträger auf diesen Öfen anrollen zu sehen. Aber damit ist man im Gewimmel einfach wendiger und kann in der freien Hand auch mal ein Würstchen transportieren.

Reichlich skurriles Volk findet sich immer auf der Hauptstraße ein und stellt seine Umbauten oder sich selbst zur Schau. Auch hier geht fast alles…nur eine Elektroharley, der neueste Schrei, wurde nirgends gesichtet. Dazu viel flüssiger Brennstoff und diverse Stände, damit niemand hungern muss. Eine der Besonderheiten ist, dass man mit seinem Mopped zeitweise bis vor die Bühne fahren kann, um bequem den Bands zu lauschen. Diese lassen alljährlich Bikerherzen höherschlagen: Normbreaker, die Limited Booze Boys, Wilde Jungs, die Starfucker oder auch die Stammgäste der Onkelz-Coverband Mandados Del Cielo bringen die richtige Festivalstimmung auf.

In diesem Jahr bei teils tropischen Temperaturen war man froh, dass eine der Bühnen in einem riesigen schattenspendenden Zelt stand. Bikerspiele, eine exzellente Harleyshow im eigenen Zelt und eine Prämierung der schärfsten Harleys runden das Jamboree jährlich in bewährter Weise ab. Gewonnen hat für die weiteste Anreise ein Biker aus Mallorca, der mit einer Harley mit Beiboot von der Insel anreiste. sowie ein rekonstruierter Oldtimer aus dem Jahr 1953. Den Schlusspunkt setzte traditionell ein grandioses zehnminütiges Höhenfeuerwerk, das in diesem Jahr zu Klängen von Rammstein und AC/DC abgefeiert wurde.
Text & Fotos: Wolfgang Schilling

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