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Rechtsanwalt Torsten Stache aus Berlin

Motorsport ist spannend und gefährlich – manchmal auch für Zuschauer. Welche Auflagen müssen Veranstalter erfüllen?

Bei Motorsportveranstaltungen kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen Zuschauer verletzt werden. Dies kann passieren, wenn zwei Teilnehmer miteinander kollidieren und ein Fahrzeug unkontrolliert die Strecke verlässt. Auch die Kurven der Rennstrecke haben besonderes Unfallpotential.

Das OLG Oldenburg hatte Anfang des Jahres einen Fall zu entscheiden, bei dem zwei Teilnehmer eines Speedway-Rennens zusammenstießen und ein Motorrad über die 1,2 Meter hohe Betonmauer und den drei Meter langen Auslauf hinweg in die Zuschauerplätze flog und dort einen Zuschauer schwer verletzte.

Den Veranstalter trifft hier eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Er hat daher die Zuschauer vor den mit dem Rennen herbeigeführten Gefahren zu schützen. Dies bedeutet zwar nicht, dass die Zuschauer vor allen Gefahren geschützt werden müssen. Es reicht aber auch nicht aus, wenn nur die Auflagen der Polizei oder anderer Behörden bei der Genehmigung der Veranstaltung erfüllt werden oder die Strecke vom Deutschen Motorsportbund abgenommen wurde.

Der Veranstalter muss auch weitere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, wenn er solche erkennen kann. Die Finanzierungskosten spielen hier nur eine untergeordnete Rolle.

Im Fall des OLG Oldenburg war für das Gericht mitentscheidend, dass gleichartige Unfälle bereits früher erfolgten und hierzu Videos bei youtube allgemein zugänglich waren. Diese Videos zeigen, dass eine Betonwand von 1,2 Metern nicht ausreicht, um die Zuschauer wirksam zu schützen. Auch ein Auslauf von drei Metern reicht nicht aus, um den Zuschauern noch die Chance zu geben, sich in Sicherheit zu bringen.

Notwendig sind daher oftmals Fangzäune und/oder Auslaufzonen, die es ermöglichen, dass Zuschauer sich aus der Gefahrenzone begeben können. Weitere Schutzmaßnahmen können sich aus den Gefahren der jeweiligen Strecke ergeben. Allgemein gilt: Je größer die Schäden sind, die eintreten können, umso größere Sicherheitsanforderungen sind zu stellen und umso größer muss der Abstand zur Strecke sein.

Dies findet eine Grenze im Einzelfall jedoch dort, wo sich Zuschauer bewusst in erkennbar besonders gefährliche Bereiche begeben. Dies kann etwa der Fall sein, wenn sich ein Zuschauer dicht an einen wenig gesicherten Außenrand einer Kurve stellt.

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