Rebenschwärmer: Mosel & Hunsrück

Von Wissensdurst getrieben und Weingenuss gelockt das perfekte Tourenglück gefunden: Entlang der gewundenen Mittelmosel und auf der südlichen Hunsrückhöhenstraße.

von Frank Sachau (Text & Fotos)

Weißweine mit so ausgefallenen Na­men wie „Zeller Schwarze Katz“, „Piesporter Goldtröpfchen“ oder „Kröver Nacktarsch“ ließen uns schmunzeln und brachten uns auf die Idee, für ein Wochenende an die Mosel zu reisen. Zwischen Cochem und Trier gleicht der Strom einem überdimensionalen Regen­wurm, eine Flussschleife folgt der nächsten. Und schein­bar gehört zu jedem Rebhang eine Burg. Den Anfang macht die hoch über Cochem aufragende Reichsburg. Stark beschädigt und dem Verfall preisgegeben, wurde sie von einem romantischen Gönner wieder aufgebaut. Mit ihren Türmchen, Erkern und Zinnen erinnert sie ein wenig an eine Disney-Phantasie. Harte Realität spüren dagegen jene Winzer, die in den steilsten Lagen Europas bei Ediger-Eller, Calmont und Bremm auf Maschinenhilfe verzichten müssen und mühevolle Handarbeit leisten.

Das Tonnenwesen spendet nur Wasser

Am Verkehrsknotenpunkt Alf führt uns die markante Doppelstockbrücke aufs öst­liche Ufer. Über uns rattert ein Zug, unter uns fließt die Mosel. Wir sind ihr erst 30 Kilo­meter gefolgt, als eine Skurrilität den ersten Halt fordert. Im kleinen Merl steht der Welt größter Pissamann, das besondere Maskottchen der Merler Weinfreude. Anders als erhofft, spendet das Tonnenwesen auf Knopfdruck aber nur Wasser. Im nahen Zell fordert ein weiterer Wasserspeier unsere Aufmerksamkeit: Der Brunnen der Schwarzen Katz. Angeblich soll sie Mitte des 19. Jahrhunderts fauchend ein Weinfass verteidigt haben, dessen Inhalt nach einer Verkostung zu einem wahren Verkaufsschlager wurde. Rebhang und Rebensaft tragen seit­her den Namen Zeller Schwarze Katz. Damit stoßen wir das Tor zur Mittelmosel auf, die sich von hier über 120 Kilometer bis nach Trier erstreckt. Ein paar Schaltvorgänge später gedeiht am gegenüberliegenden Ufer noch ein bekannter Wein – der „Kröver Nacktarsch“. Den Namen erdachten nicht angetrunkene Marketingstrategen, er hat auch nichts mit einem ent­blößten Hinterteil zu tun. Eher mit dem im Winter laublosen, nackten Südhang. Die vielen, oft verwinkelten Ortsdurchfahrten verhindern ein flottes Tempo, da kommt am Rand von Traben-Trarbach eine vielversprechende Abzweigung in die Berge gerade recht. Von den Höhenzügen aus können wir nicht nur das geschäftige Treiben auf dem Strom beobachten, son­dern auch das friedvolle Miteinander von Burgen und Weißweinreben. Über den Elisenberg, auf dem be­reits Napoleon weilte, kurven wir hinunter nach Mülheim. Lange vor dem kleinen Franzosen waren die Römer hier zu Gast und brachten erste Rebstöcke ins Land der Barbaren, wo an den Sonnenhängen des stark gewundenen Flusses, Wein­gott Bacchus sei Dank, ideale Anbaubedingungen herrschten. Dort, wo heute das „Piesporter Goldtröpfchen“ gehegt und gepflegt wird, wurde unlängst eine antike römische Kelteranlage ausgegraben. Damit nicht genug: Im nahen Neumagen-Dhron stoppen wir die Kräder vor dem Weinschiff – dem steinernen Nach­bau einer von Ruderern angetriebenen, mit Weinfässern beladenen Galeere.

Eckpfeiler des römischen Imperiums: Das Schwarze Tor, die Trierer Porta Nigra, steht am Kreuzungspunkt wichtiger antiker Handelswege

Cochems Wahrzeichen: Hoch über der Mosel erhebt sich die Reichsburg, wiederaufgebaut  im 19. Jahrhundert wurde

Zeit, die Zügel locker zu lassen

Weltgeschichte lässt sich mit einer Tasse Kaffee in der Hand viel besser begreifen – die Konditorei gegenüber sieht so einladend aus, dass wir nicht widerstehen können. Mit erhöhtem Koffeinspiegel wechseln wir schon bald aufs andere Ufer und schlängeln uns am Fuße der Moselberge entlang nach Trier. Je näher wir der zu den ältesten Städten Deutschlands zählenden Metropole kommen, desto dichter wird der Verkehr. Kein Wunder, müssen sich doch Straßen, Schienen und Strom das enge Tal teilen. Ein absolutes Muss ist ein Besuch der Porta Nigra, dem größten erhaltenen Stadt­tor des ehemaligen römischen Imperiums. Nach einer ordentlichen Portion Kultur juckt die Gashand, Zeit die Zügel locker zu lassen. Die Drehzahlmessernadel beginnt aufgeregt zu tanzen, als wir auf einer schön geschwungenen Nebenstrecke über die Ruwer hüpfen, in den Naturpark Saar- Hunsrück eindringen und uns durch den Osburger Hochwald zur Hunsrückhöhenstraße (B 327) emporkämpfen. Der Name hält, was er verspricht! Das panoramenreiche Teerband verläuft weitgehend auf dem Hauptkamm des Mittelgebirges, ist mit Radien aller Güteklassen gespickt und lässt dennoch ein hohes Reisetempo zu. Hinter Morbach verlassen wir den Naturpark und passieren den Stumpfen Turm, die Ruine eines zur nahegelegenen Burg Baldenau zählenden Außenpostens. Er mar­kiert den 560 Meter hohen Gipfelpunkt der Tour und erinnert uns, bald von der Haupt­straße in Richtung Kappel abzubiegen. Der ganz große Zufall führt uns ins nahe Mastershausen, wo wir auf einen nachgebauten römischen Wachturm stoßen, der unsere Neugier mit tollen Blicken auf Eifel und Westerwald belohnt. Noch bevor die Abendsonne hinter den Kuppen der Voreifel verschwindet, erreichen wir mit dem pittoresken Beilstein einen der wohl romantischsten Moselorte. Unterhalb der von Weinstöcken umzingelten Burg Metternich gönnen wir uns eine letzte Pause, schauen dem Treiben zu und kommen ins Schwärmen: Mensch, ist das schön hier!

Hoteltipp

Hotel Zur Post

Ob an der Mosel entlang, durch den Hunsrück oder hinauf in die Eifel, die Post ist Ausgangspunkt für Touren in die schönsten Motorradregionen Deutschlands. Das familiär geführte Haus glänzt mit einer guter Küche und gepflegten Weinen. WLAN, Garage, Routenvorschläge, geführte Touren. Übernachtung / Frühstück im Doppelzimmer ab 39 Euro pro Person.

Klaus Berens
Bahnhofstraße 24
56818 Klotten / Mosel
Fon 02671 7116
www.hotelzurpost-klotten.de

Reise Info

Streckenlänge: 300 Kilometer
Dauer der Tour: Wochenendtour
Allgemeines: Die Mosel ist ab dem französischen Quellort St. Maurice sur Moselle mit rund 550 Kilometern einer der längsten Rheinnebenflüsse, fast die Hälfte davon fließt über bundesdeutsches Gebiet zwischen Perl und Koblenz. Sie windet sich durch enge Täler, vorbei an steilen Hängen und malerischen Orten und begrenzt den bis zu 800 Meter hohen und dünn besiedelten Mittelgebirgszug Hunsrück nach Westen. Die Region ist für ihre abwechslungsreiche Küche bekannt, besonders reizvoll ist die Zeit der Weinlese und Weinfeste im Herbst.

Anreise: Die Autobahnen 1, 48 und 64 führen von Koblenz bis nach Luxemburg westlich der Mosel entlang. Den östlichen Hunsrück erreicht man über die A 61 zwischen Koblenz und Bingen. Über gut ausgebaute Bundes- und Landstraßen gelangt man bequem an jeden Ort. Die Moselfähren sind kostenpflichtig!
Reisezeit: Anfang Mai bis in den Oktober
Literatur: „Mosel“ – aus der Reihe „In Deutschland unterwegs“. Zehn Motorradtouren durch die Region der Weinberge, Fachwerkdörfer und Römervillen. 96 Seiten, zahlreiche Fotos und Straßenkarten. Sylva Harasim und Martin Schempp, Highlights-Verlag, elf Euro.
Karten: ADAC Kartenset Deutschland 2018/19. 1:200 000, 14,99 Euro.
Informationen: Mosellandtouristik GmbH, Kordelweg 1, 54470 Bernkastel-Kues, Fon 06531 97330, www.mosellandtouristik.de. Hunsrück-Touristik GmbH, Gebäude 663, 55483 Hahn-Flughafen, Fon 06543 507700, www.hunsruecktouristik.de
Museum: Porta Nigra, Simeonstraße 60, 54290 Trier, www.trier-info.de, April – September täglich von 9 – 18 Uhr geöffnet, Eintritt 4 Euro

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