Das Deutsche Weininstitut lud im Sommer zu einer Genuss- und Entdeckungsreise durch die deutschen Weinanbau-Gebiete. Zu Kurvenspaß mit anschließender Schlemmerei konnte Benedikt nicht Nein sagen.

Deutschland hat 13 Wein-Anbaugebiete, die mit Lehr-Wegen, Wander- und Fahrrad-Routen Touristen anlocken. Doch auch Motorradfahrer kommen voll auf ihre Kosten. Denn Wein wächst, wo es warm, sonnig und hügelig ist. In diesem Szenario macht auch biken besonders viel Spaß. Außerdem geht kulinarisch die Post ab. Wir fuhren an einem Wochenende durch die drei südlichsten Anbaugebiete: Baden, Pfalz und Württemberg.

Zum Einstimmen treffen wir uns im Landgasthof Roger in Löwenstein. Bei leckerem Fleisch und Gemüse vom Grill geben wir alles, um am kommenden Tag nicht mehr in die Kombi zu passen. Chef Michael Roger fährt selber und gibt gerne Touren-Tipps für die „schwäbische Toskana“, die stehen auch auf der Website des Hauses (www.landgasthof-roger.de). Die Getränke zum fulminanten Abendmahl stiftet die Familie Zimmer vom Weingut Zimmer. Seit 1615 betreiben die Zimmers Weinanbau und geben den Betrieb von Generation zu Generation weiter. Sie geben einen Einblick in ihr Programm und erklären, welche Herausforderungen die Umstellung auf ökologischen Anbau mit sich bringen. Außerdem fährt die ganze Familie Motorrad und führt uns am folgenden Tag durch die Löwensteiner Berge. Mit Ducati Monster, KTM SMC und Duke sind sie bestens gerüstet für die kleinen Sträßchen.

Der erste Halt nach dem Frühstück ist der Bikertreff Löwensteiner Platte. Schon die Anfahrt über die B29 ist mit feinem Asphalt und wechselnden Kurvenradien ein Genuss und meine Honda Africa Twin geht willig in jede Schräglage. Der Treff belohnt dann mit einem imposanten Fernblick. Wir lassen die Gedanken aber nicht zu lange schweifen und fahren der „Idyllischen Straße“ folgend zum Ebnisee.

Schon geht es weiter auf kleinen Straßen durch malerische Wälder in Richtung Weinort Stetten. Die Straße schlängelt sich sanft hinab in Richtung Siedlung, da steht rechts ein steinerner Bogen, das Tor ins Remstal.In diesem Tal erwartet uns das Weingut unserer Tour-Guides. Bei strahlendem Sonnenschein stellen wir die Bikes neben den Reben ab. Einige Momente später hören wir, wie sich ein Zweitakter blechern warmläuft und Susanne Zimmer auf einem Trial-Motorrad ums Eck biegt. Mit der Scorpa ist sie sogar im Weinberg unterwegs. Das Sport-Gerät hilft bei Arbeiten in den Steillagen. Nach einer kurzen Demo-Runde führt uns der Hunger aber an den Mittagstisch. Typisch schwäbisch gibt es Maultäschle mit Kartoffelsalat von Köchin Margarethe. Denn die Zimmers verkaufen nicht nur Wein am Gut, sondern es gibt auch noch eine Besenwirtschaft mit lokalen Spezialitäten.

Auf Wein müssen wir verzichten, aber die Holler-Schorle löscht den aufkommenden Durst. Weiter geht es ohne Guide auf eine Verbindungsetappe durch den Schwarzwald nach Baden. Denn uns erwartet ein kulinarisches Highlight am Weingut Schloss Neuweier (www.schloss-neuweier.de). Winzer Robert Schätzle sorgt mit einem Glas kühlem Sekt für herrliche Erfrischung. Bevor wir zur ganz großen Schlemmerei im Schloss übergehen, checken wir am im Hotel Rebenhof ein (www.hotel-rebenhof.de).

Es liegt herrlich am Rand von Baden-Baden-Neuweier in Mitten der Weinberge. Der Blick vom Balkon oder aus dem Frühstücksraum schweift über Flieder- und Wein-Pflanzen und lässt einen alles andere vergessen. Fast alles andere, denn auf uns wartet ein Abendessen bei dem begeisterten Harley-Fahrer Armin Röttele, der ganz nebenbei Sternekoch ist und uns auf Schloss Neuweier verwöhnt. Die passenden Getränke spendiert Robert Schätzle und tatsächlich erschließen sich auch dem Gourmet-Neuling in der Kombination von Wein und Essen ganz neue Geschmackswelten.

Der Verdauungsspaziergang durch die Reben schafft endgültig eine enge Verbindung zum Trunk der Götter. Am nächsten Tag machen wir uns auf in die nächste Wein-Region, die Südpfalz. Auf Pfälzischem Boden steht bereits das Weinrestaurant im Weinhaus Fritz Walter (www.fritz-walter.de). Dort lassen wir uns den Saft der Trauben in der Sauce zum Braten schmecken. Weil es noch weiter gehen soll, greifen wir zur Durstbekämpfung auf alkoholfreies Weißbier zurück. Mit am Tisch sitzen unsere neuen Guides für die Nachmittagsrunde durch den Pfälzer Wald. Den ersten Part übernimmt Winzer Christian Schneider aus St. Martin, der uns zu Kaffee und Kuchen auf sein Weingut einlädt (www.schneider-pfalz.de).

Auf dem Weg dorthin zeigt er uns die schönsten Ausblicke der Region und führt uns auf seiner F 650 GS über kleinste Straßen abseits der Verkehrsströhme. Nur das Wetter wird mürrisch.Einzelne Schauer lassen uns die engen Kurven etwas langsamer angehen. Er nutzt sein Bike, um im Weinberg nach dem Rechten zu schauen. Auf dem Motorrad spürt er das Klima und Temperaturunterschiede. Er und sein Bruder verwalten zwei Güter, die sie getrennt führen, das Consulat des Weins und die Vinification Ludwigshöhe, die ausschließlich Cuvée-Weine produziert.

2015 gab es für die Arbeit zwei Staatspreise. Außerdem führt Christian ein Hotel, in dem wir uns die lokale Spezialität, den Rahmkuchen, schmecken lassen. Von hier an übernimmt die Winzerfamilie Rebholz (www.oekonomierat-rebholz.com) die Führung. Vater Hansjörg und seine Söhne Hans und Valentin sind begeisterte Motorradfahrer, der Onkel ein Bike-Customizer. Hansjörg ist auf einer zur Scrambler umgebauten Tiger 800 unterwegs und bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Seine Söhne versuchen mit Aprilia Moto 6.5 und Triumph Bonneville den Anschluss nicht zu verlieren. Der Rest der Gruppe verlässt sich darauf, dass unsere Guides an der nächsten Kreuzung warten und lässt es ruhiger angehen. Neben dem Wein scheint das Zweirad-Virus fest in der Familie verwurzelt. Sie führen uns durch kleine Orte, die allesamt von Weinreben gerahmt sind. Irgendwann biegen wir auf einen Kiesweg, der unter unseren Rädern knirscht. Langsam rollen wir auf ein herrschaftliches Wasser-Schloss zu.

Unser Quatier für die Nacht ist das historische Hotel Schloss Edesheim (www-schloss-edesheim.de). Doch noch ist der Abend jung und die Familie Rebholz lädt zum Grillen und Fußball schauen, denn das EM-Viertelfinale steht auf dem Plan. Zum Glück haben wir mit kaltgeräuchertem Lachs und Steak eine gute Grundlage im Bauch für den folgenden Nerven-Krimi. Die Pfalz ist das größte deutsche Rotweingebiet und so verhilft uns ein dunkler 2011er Spätburgunder aus großer Lage zur nötigen Bettschwere nach dem Elfmeter-Spektakel. Die Schlossmauern sorgen über Nacht aber für die nötige Ruhe und so treten wir am kommenden Morgen die Heimreise an. Zum Glück bleiben in Deutschland noch zehn Anbaugebiete, denn diese Tour schreit nach einer Wiederholung. Auch, um das frisch erworbene Wein-Wissen nicht zu vergessen.