Zuwachs für die Szene: Mit der frischen B196-Regelung dürfen auch Autofahrer auf einer 125er Platz nehmen. Wir schauten bei einem Kandidaten, der gerade in der Ausbildung war, vorbei und zeigen euch, welche Modelle der Markt bereithält.

Text & Fotos: Felix Ferges

Endlich. Noch vor seinem 50. Geburtstag kann Tim Kessner aus Dortmund – wenn alles glatt läuft – mit Hilfe der Fahrschule Szymanski in der Dortmunder Kreuzstraße einen Haken an seinen lange gehegten Traum vom „Mopped-Lappen“ machen. Ganz ohne Prüfung und pünktlich zum Saisonstart. Denn Tim ist einer der ersten Kandidaten, die die neue Möglichkeit zum Erwerb einer Erlaubnis zum Führen einer 125er mit einem Klasse-B-Schein nutzen.

Für ihn genau das Richtige: „Ich habe neuerdings eine deutlich längere Anfahrt zur Arbeit und die Honda MSX von der Fahrschule – so eine habe ich auch – verbraucht bei meiner Fahrweise keine zwei Liter. Das Ganze ist eine sehr interessante Kombination aus Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit“, findet der selbstständige Handwerker. Als Großstädter betont er zudem: „Die Parkplatzsuche wird natürlich auch viel einfacher.“ Einen großen Wermutstropfen sieht er allerdings darin, dass die Erlaubnis nur in Deutschland gültig ist. Damit sei das Verladen der 125er aufs Wohnmobil beispielsweise für einen Trip an den Gardasee sinnlos.

Büffeln gehört dazu: Auch die Theorie muss man beherrschen

Start frei zur ersten Ausfahrt: Helm und Bekleidung muss der Neuling auch mit einplanen

Doch die Vorteile haben für Tim letztlich überwogen, nicht nur die pragmatischen. Zwar sei er kein „Heizer“ und noch nie einer gewesen. „Aber das macht schon richtig Spaß. Die Maschine ist sehr agil und wendig.“ Doch mit dem Fahrspaß kommen auch erste Bedenken: Eine größere Maschine brauche der Dortmunder eigentlich nicht, „aber es besteht natürlich die Gefahr, dass man Blut leckt.“

Ein Gedanke den sein Fahrlehrer Andreas Szymanski gerne aufgreift und unterstützt: „Natürlich kann ich Leute, die eine grundständige Zweiradausbildung genossen haben, mit einem viel besseren Gewissen in den Straßenverkehr entlassen. Fünf Doppelstunden Fahrpraxis sind einfach ziemlich wenig, wenn man noch keinerlei Zweiraderfahrung hat.“ Tim hat zumindest schon etliche Kilometermit seiner 50er Honda Monkey hinter sich. So sollte seiner ersten Fahrt auf der eigenen 125er nicht mehr viel im Wege stehen. Bei anderen müsse man als Fahrlehrer auch schon mal ein paar Stunden dranhängen. „Die Verantwortung hat der Gesetzgeber geschickt bei uns abgeladen“, ärgert sich Fahrlehrer Andreas ein wenig, freut sich zeitgleich aber über das rege Interesse an dieser Ausbildung. „Zurzeit bilde ich zwölf Fahrschüler in diese Richtung aus. Und es rufen jeden Tag mehrere neue Interessenten an.“ Tim jedenfalls bereut seine Entscheidung nicht: „Für einen richtigen Schein habe ich mit meiner Selbstständigkeit im Moment nicht die Zeit. Und in meinem Alter lernt es sich auch nicht mehr so leicht für Prüfungen.“

Infos

Welchen Führerschein benötigt man? Klasse B, mindestens seit fünf Jahren
Wie alt muss man sein? Mindestens 25 Jahre
Wie lange dauert die Ausbildung? Mindestens neun Doppelstunden (je 90 Minuten) in der Fahrschule, keine Prüfung
Was darf man dann? Mit dem Klasse B-Führerschein Leichtkrafträder (mind. 110 Kg schwer) bis 125 Kubik und 15 PS fahren, allerdings nur innerhalb Deutschlands
Wie viel kostet das Ganze? Rund 700 Euro (bei Absolvierung der Mindeststundenzahl)

Die Kandidaten

Ganz gleich, ob neu oder alt: Für nahezu jeden Geschmack findet sich das passende Mopped. Vom praktischen Roller über entspannte Cruiser bis hin zu sportlichen Zweitaktern beweist die 125er-Szene eine nahezu unendliche Vielfalt. Wer bereits rund 1000 Euro in die Hand nimmt, wird auf dem Gebrauchtmarkt fündig: Passend zum Saisonstart tummeln sich viele Moppeds im Kleinanzeigenteil, die auf einen zweiten oder gar dritten Frühling warten. Wer beim Gebrauchtkauf auf Nummer sicher gehen will, nimmt einen Experten mit – oder kauft beim Händler, denn dann gibt es auch bei gebrauchten Motorrädern meist ein Jahr Gewährleistung.

Text: jv, Fotos: Archiv

Yamaha TDR 125

Wolf im Schafspelz: Unter der Reise-Endurohülle tobt der Motor aus der DT 125. Der Zweitakter leistet entkorkt 23 PS und glänzt mit Schub in jeder Lebenslage. Fahrwerk und die entschärfte Sitzposition machen aus der TDR einen 1a-Kilometerfresser. Der Motor hält bei guter Pflege, Ersatz- und Tuningteile sind günstig, letztere beflügeln die TDR auf über 30 PS. Beim Gebrauchtkauf gilt der erste Blick dem Zweitakter: Startet der Single auf Schlag und hält sauber das Standgas? Dann darf man fast bedenkenlos zugreifen, sofern kein lautes Lager zu hören ist und der Motor sauber ausdreht. Die Technik ist im Originalzustand solide, Laufleistungen von über 30000 Kilometern mit dem ersten Kolben sind keine Ausnahme.

Zuverlässiger Langläufer im Zweitakt

Motor: Einzylinder Zweitakt, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 15 PS (11 kW) bei 7000U/min (gedrosselt)
Drehmoment: 15 Nm bei 7500 U/min (gedrosselt)
Reifen v/h: 100/90-18 130/80-17
Tankinhalt: 11l
Sitzhöhe: 840 mm
Leergewicht: 139 kg
Preis: ab 1300 Euro gebraucht

MZ RT 125

Mauerblümchen mit Alltagsqualitäten: Der MZ-Viertakter galt lange Zeit als Messlatte im 125er-Bereich und spielt noch immer vorne mit. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet, so dass selbst Jahre nach Produktionseinstellung gebrauchte Maschinen taufrisch aussehen. Vor allem kleinere Fahrer erfreuen sich an der niedrigen Sitzhöhe. Beim Gebrauchtkauf verlangt der Motor nach Aufmerksamkeit: Der quirlige Viertakter leidet an gelängten Steuerketten. Wird der Verschleiß nicht direkt bemerkt, besteht die Gefahr, dass die Kette eine Ölbohrung durchschleift – ein kapitaler Motorschaden ist die Folge. Wenn im Standgas von der rechten Motorseite verdächtig laute Mahl- oder Schleifgeräusche zu hören sind, darf man mindestens eine neue Steuerkette einplanen. Auch auf regelmäßige Ölwechsel des Vorbesitzers sollte man achten.

Einsteiger Klassenprimus mit Pflegebedarf

Motor: Einzylinder, wassergekühlt
Hubraum: 125 ccn
Leistung: 15 PS (11 kW) bei 9000 U/min
Drehmoment: 12 Nm bei 8500 U/min
Reifen v/h: 2.75 x 17 4.00×17
Tankinhalt: 20 l
Sitzhöhe: 790 mm
Leergewicht: 134 kg
Preis: ab 1000 Euro

Honda Varadero 125

Ganz schön ausgewachsen: Die Mini-Varadero ist ein vollwertiges Motorrad, das am liebsten auf große Tour geht. Der V2 schiebt entspannt an, Fahrwerk und Bremsen sind mustergültig. Tipp: Ab Modelljahr 2007 mit Einspritzung. Richtige Probleme sucht man bei beiden Versionen vergebens, die Mini-Varadero ist ein echter Dauerläufer und Alltagsheld. Nur bei Exemplaren, die lange standen machen die Vergaser ab und an Mucken. Ansonsten gilt ein besonderer Blick der Verkleidung: Ist sie defekt, wird es schnell teuer, denn der Gebrauchtmarkt für Verkleidungsteile ist eher dünn gesät. Ansonsten leistet sich die Honda keine Schwächen.

Echte Reiseenduro für Großgewachsene

Motor: Zweizylinder-V, luftgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 15 PS (11 kW) bei 1100U/min
Drehmoment: 10,4Nm bei 8500U/min
Reifen v/h: 100/90-18 130/80-17
Tankinhalt: 17l
Sitzhöhe: 802 mm
Leergewicht: 169 kg
Preis: ab 2000 Euro

Zündapp ZXA 125 Adventure TT

Legendenbelebung: Mit dem Zündapp-Namen auf dem Tank kommen neue Motorräder auf den Markt. Der DOHC-Motor ist baugleich mit dem Aprilia-Single und erste Wahl, wenn es um mustergültige Gasannahme geht. Mit der hohen Stirn im Rallye-Look versprüht die Adventure Dakar-Feeling, für asphalt-affine Straßenkünstler steht eine Supermoto-Variante mit 17-Zoll-Bereifung bereit.

Preiswerte Abenteuerin im modernen Styling

Motor: Einzylinder, luftgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 15 PS (11 kW) bei k.A.
Drehmoment: k.A.
Reifen v/h: 90/90-21 130/80-17
Tankinhalt: 12,7 l
Sitzhöhe: 880 mm
Leergewicht: 115 kg
Preis: etwa 3500 Euro

Suzuki VL 125 Intruder

Japan-Perle im Ami-Look: Die Intruder macht optisch auf dicke Hose und liefert, wenn es um Nehmerqualitäten und Fahrspaß geht Der V2 atmet aus einer zweiflutigen Abgasanlage aus und bietet eine dumpfe Soundkulisse. Und selbst hinten ist genug Platz für eine ausgewachsene Sozia. Typisch für Cruiser aus Japan ist, dass es keine typischen Mängel gibt. Die Trude macht da keine Ausnahme, so dass sich die Gebrauchtberatung auf die Standard-Punkte, wie Sturzschäden und die Kontrolle der Verschleißteile, reduziert.

Die Mini-Trude im Ami-Flair

Motor: Zweizylinder-V, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 13,5 PS (10kW) bei 10500U/min
Drehmoment: 9,8 Nm bei 8000U/min
Reifen v/h: 90/90-18 130/90-15
Tankinhalt: 12 l
Sitzhöhe: 685 mm
Leergewicht: 154 kg
Preis: ab 1600 Euro

Vespa GTS 125

Oberklasse im Retro-Look: Auch, wenn die Vespa GTS Super 125 optisch klar an die Linie der Vorgänger anknüpft, verbirgt sich unter dem Blechkleid jede Menge Hightech: Zwei Scheibenbremsen fangen vorne und hinten die Zwölfzöller mitsamt ABS ein. Der Vierventil-Motor spurtet aus dem Stand wie kein anderer und geizt dank Start-Stopp-Automatik im Stadtverkehr beim Sprit: 2,5 Liter versprechen die Italiener. Ein lupenrein arbeitendes Fahrwerk, hochwertige Verarbeitung und eine komfortable Sitzbank gibt es obendrauf. Zu haben ist die GTS in verschiedenen Versionen, die allesamt durch ein eigenes Erscheinungsbild bestechen.

 

Moderner Scooter im Klassik-Look

Motor: Einzylinder, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 124 ccm
Leistung: 12 PS (9 kW) bei 8250 U/min
Drehmoment: k.A.
Reifen v/h: 120/70-12 130/70-12
Tankinhalt: 7 l
Sitzhöhe: 790 mm
Leergewicht: 154 kg
Preis: 5420 Euro

Yamaha Virago 125

Niemals vergessen: Auch, wenn die Virago seit 2002 nicht mehr neu vertrieben wird, bevölkert sie noch immer die Landstraßen. Ob es am charaktervollen Motor, der entspannten Sitzposition oder der zeitlosen Optik einer Großen liegt, sei dahingestellt. Bedingt durch das hohe Alter kämpft die Virago mit brüchigen Membranen im Benzinhahn und nicht mehr korrekt arbeitenden Dichtungen auf der Vergaserseite. Außerdem verlangen Kabel und Schläuche nach einem genauen Blick, da der Zahn der Zeit an Gummi & Co. unaufhörlich nagt. Mehr gibt’s nicht zu beachten.

Custombike für Einsteiger

Motor: Zweizylinder-V, luftgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 11,4 PS (8,4 kW) bei 8500 U/min
Drehmoment: 9,4 Nm bei 8500U/min
Reifen v/h: 3.00-18 130/90-15
Tankinhalt: 9,5 l
Sitzhöhe: 685 mm
Leergewicht: 139 kg
Preis: ab 1800 Euro

Yamaha YS 125

Aus Tradition praktisch: Die YS gilt als Nachfolger der YBR, einem konsequent auf Zuverlässigkeit und niedrige Betriebskosten ausgelegten Motorrad. Zum Kampfpreis liefert Yamaha bewährte Technik und bewiesene Standfestigkeit für alle Alltagsfahrer. Das Metier der YS sind urbane Gebiete und Zubringer. Im Großstadtdschungel lässt sich die 129 Kilo leichte Yamaha kinderleicht dirigieren. Mit 2799 Euro ohne Nebenkosten ist sie die zweitgünstigste Neumaschine in diesem Feld – eine Jahreskarte für den ÖPNV in NRW ist teurer.

Die Schlichte für Vernunftbiker

Motor: Einzylinder, luftgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 10,6 PS (7,8 kW) bei 7500 U/min
Drehmoment: 10,8 Nm bei 6000 U/min
Reifen v/h: 2.75-18-42P  100/80-18-59P
Tankinhalt: 14 l
Sitzhöhe: 795 mm
Leergewicht: 129 kg
Preis zzgl. Nk.: 2799 Euro

Honda CB 125 F

Weniger ist mehr. Mit der Reduzierung aufs Wesentliche punktet die CB seit Jahren bei allen, die im Alltag zuverlässig und günstig von A nach B kommen wollen. Und liefert hintenrum sogar schüppenweise Fahrspaß, wenn man den Zweiventiler konsequent ausquetscht. Perfekt, um sich zügig, aber doch ganz entspannt durch die Rush-Hour zu schlängeln – und das mit gutem Umweltgewissen, denn der Single verlangt laut Honda nach kaum mehr als zwei Litern Benzin auf 100 Kilometern.

Moderner Allrounder für jeden Tag

Motor: Einzylinder, luftgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 10,6 PS (7,8 kW) bei 8000 U/min
Drehmoment: 10,2 Nm bei 6000U/min
Reifen v/h: 80/100-18 90/90-18
Tankinhalt: 13 l
Sitzhöhe: 775 mm
Leergewicht: 128 kg
Preis zzgl. Nk.: 2865 Euro

Brixton Sunray 125

Sonnenschein to go: Brixton liefert eine breite Palette an ausgefallenen 125er, deren Look häufig an vergangene Tage erinnert. Im Stil englischer Caferacer lockt die Sunray Fans und Freunde zeitloser Linien und bietet den günstigsten Einstandspreis in dieser Aufstellung. Unter dem Tank werkelt Großserientechnik als Lizenzbau mit der Reduzierung aufs Wesentliche. Nur LED-Blinker, eine Kombi-Bremse und eine Einspritzanlage verraten, dass die Brixton frisch vom Band lief. Ganz klassisch dagegen die Kühlung: Wer braucht schon eine Wasserkühlung, wenn man stattdessen den Kühlrippen beim Knistern nach der Hausrunde lauschen darf?

Caferacer im Espresso-Format

Motor: Einzylinder, luftgekühlt
Hubraum: 125 ccm
Leistung: 11 PS (8 kW) bei 9000 U/min
Drehmoment: k.A.
Reifen v/h: k.A.
Tankinhalt: k.A.
Sitzhöhe: k.A.
Leergewicht: 134 kg
Preis zzgl. Nk.: 2599 Euro

Teilen: