Seit 2016 mischt Mondial wieder in der Zweiradszene mit. Nach dem ersten Schwung 125er folgt die HPS 300i. Was taugt der günstige Scrambler?

Die HPS 300 i ist ein preiswerter Roadster

Zwei Sekunden rotiert der Starter, dann gibt der DOHC-Single das erste Lebenszeichen von sich. Mit leichtem Kupplungsschnalzen hopst die HPS 300i vom erhöhten Bordstein in den fließenden Verkehr und wuselt durch die Rushhour. In der City spielt die HPS 300i ihre Stärken aus: Wieselflink umkreist sie Autokolonnen und schlängelt sich zwischen Radfahrern und Linienbussen entlang. Selten machen Geschwindigkeiten unter 100 Stundenkilometer so viel Spaß wie auf der Mondial.

Der Motor zeigt sich grundehrlich: Sauber ansprechend und ohne Allüren gibt er sich – so dass die Konzentration stets auf dem Geschehen vor dem Vorderrad liegen kann. Ohne Einbrüche oder Spitzen dreht der 250 Kubik große Single mit linearer Leistungsentfaltung hoch, bis der Begrenzer bei 10000 Touren vorsichtig um Einhalt bittet. Und selbst bei Dauervollgas auf der Autobahn – dann stehen rund 140 km/h auf dem kontrastschwachem LCD-Tacho ­– gibt er sich sparsam: Im Schnitt gehen trotz flotter Gangart knapp unter vier Litern auf 100 Kilometer durch die Einspritzdüse. Wenn nur der unnötig pröttelnde Auspuff nicht wäre, der statt dezenter Hintergrundakustik ein aufgeblähtes Bollern serviert und beim Gaswegenehmen häufig ein Patschen erklingen lässt. Außerdem gehen die stylischen Endrohre viel zu nah an der rechten Fußraste vorbei: Ohne knöchelhohes Schuhwerk sind Knutschflecken des heißen Auspuffrohrs garantiert. Trotz Hitzeschutz.

Die HPS 300 i ist ein preiswerter Roadster

Das Fahrwerk kommt eine Spur zu hart daher: Die nur in der Vorspannung justierbaren Federbeine hinten geben selbst kleine Querwellen nahezu ungefiltert weiter. Die Vorderhand ist zwar eine Spur sensibler, aber für Ruhrpott-Straßen immer noch viele Mü zu direkt. Die Bremsen überzeugen mit sauberem Druckpunkt und guter Dosierbarkeit, auch wenn sie in Summe eine Spur bissiger ans Werk gehen könnten. Falls der chinesische Pneu von CST trotzdem unerwartet blockiert, greift das ABS sehr feinfühlig ein. In Summe macht die HPS enorm Spaß, wenn man sich einmal drauf eingelassen hat. Egal ob entspanntes Cruisen oder Ausquetschen, öde wird es auf der Ledersitzbank nie.

Die HPS 300 i ist ein preiswerter Roadster

Die HPS 300 kommt aus China – aber das sieht man ihr auf den ersten Blick nicht an. Optisch ist die Verarbeitung sauber. Das Blech des Hitzeschutzes am Auspuff dürfte gerne etwas stabiler ausfallen und die nicht einstellbaren Hebelagen wackeln leicht, aber unterm Strich gibt die Mondial wenig Anlass für Kritik.
Heutzutage reichen 23 PS beim Quartett nichtmehr für einen Stich. Aber das müssen sie auch nicht sein, wenn sie so charmant wie in der HPS 300i daherkommen. Und entsprechend günstig: Für etwas über 4000 Euro bekommt man selten so viel Motorrad wie bei Mondial.

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