Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Blogger – und neuerdings auch Gestalter eines Motorrad-Umbaus: Hardy Krüger Junior hat viele Talente. NEWS hat den Mädchenschwarm der 90er Jahre und sein „Legend Bike“ in Berlin getroffen.

Als ich ihn auf das NEWS-Geburts­jahr anspreche, platzt es aus ihm heraus. „1993? Oh ja, das war ein geiles Jahr.“ Auch bei Hardy Krüger Junior ging es damals richtig los. Die Serie „Nicht von schlechten Eltern“, in der er seine erste Rolle spielte, lief an. Und Hardy drehte mit durch­trainiertem Körper und verwegener Mähne an der Seite von Ralf Bauer die rasante Surfer-Serie „Gegen den Wind“.
„Das war eine völlig verrücke Zeit, mit der Serie haben wir damals einen Nerv ge­troffen. Einige Wochen haben wir auf Hawaii gedreht. Und wann immer Zeit dafür war, bin ich mit einer bissigen Husqvarna durchs Hinterland geknallt!“, grinsend fährt er sich durch die zerzauste Helmfrisur.

Klassische Hülle mit jugendlichem Kern: Hardy Krüger Junior und sein „Legend Bike“

Wir sitzen in der Ausstellung der Custom- Schmiede „Urban Motor“ im Herzen von Berlin. Mit Jeans, Karohemd und Schieber­mütze passt er zu den schmucken Umbauten „in Alt- und Neumetall“, wie es Urban-Motor-Mann Peter formuliert. „Die junge Custom-Szene ist mein Stil. Motorrad­fahrer die eine neue Form der Entschleunigung und die Liebe zu individualisierten Bikes entdeckt haben.“ Den Spleen für flotte Fahrzeuge hat ihm Leinwand-Legende Hardy Krüger in die Wiege gelegt. Der Duft von Leder, der Rauch filterloser Gitanes und die Musik Simon&Garfunkels gehören zu den Erinnerungen an Autofahrten an der Seite seines Vaters.

Ein anderer Held seiner Jugend goss noch mehr Öl ins Feuer: „Ganz klar: Steve McQueen war mein Idol“, schwärmt Hardy. Er beschreibt sich selbst als eines der aussterbenden Exemplare der „Petrolheads“, die Benzin im Blut und Öl an den Fingern haben.
Seine Karriere als Benzinverrückter begann, als er und seine Schulkumpels an ihren frisierten Vespas rumgeschraubten. „Wenn du jede einzelne Schraube persönlich kennst, hast du eine ganz andere Beziehung zum Motorrad.“ Mit 20 machte er seinen Motorradführerschein und fuhr eine Honda VT. Unter anderem gefolgt von einer 900er Monster und Harley Sportster. Auch auf vier Rädern ließ er die Pferdchen traben: Mit internationaler C-Lizenz startete er 2003 beim Porsche-Cup. Heute fährt der 50-Jährige lieber, als dass er schraubt.
Aktuell eine 1050er Speed Triple und die BMW R nineT. Da funkeln die Augen. „Fahrzeuge oder Klamotten kaufe ich nicht nur, ich muss mich in sie verlieben. Und wenn ich etwas gefunden habe, was mir gefällt, kann ich mich daran kaputtfreuen.“

Vor der BMW hat Hardy stundenlang gesessen – und dabei entstand in seinem Kopf ein Bild davon, wie seine persönliche R nineT aussehen soll: Die moderne Technik sollte ein Gewand alten Stils bekommen. Geschmückt mit feinsten, handgemachten Komponenten wie der Halbschale von Ham­mer Kraftrad und einer Zwei-in-Eins von Jekill&Hyde. „Ich bin ein unheimlich detail­verliebter Mensch“, sagt Hardy schulterzu­ckend. Die Metamorphose der R nineT zum „Legend Bike“ kann man auf seinem Blog  http://hardy-kruegerjr-blog.de/ verfolgen.

Benzin-Plausch: Im Hinterhof der Berliner Custom-Schmiede „Urban Motor“ parken jede Menge Gesprächsthemen

Den Prozess der Kreativität beschreibt er als pure Meditation, beim Entwerfen eines Motorrad-Umbaus genauso wie beim Foto­grafieren, Malen oder Schreiben. Auf dem Motorrad kann sich der berufsbedingte Vielfahrer entspannen. Auf der Straße genauso gern wie offroad. Etwa beim BMW- Training in Hechlingen oder auf der Crossstrecke, wo er sich 2016 auf die karitative Motorradtour „Mission South“ vorbereitete. „Das war das geilste und anstrengendste Training, das ich je gemacht habe!“ Den Trip konnte er aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mitfahren.
Das möchte er bei seinem nächsten Reise-Projekt nachholen: 2019 soll es mit dem Motorrad auf den Spuren seiner Kindheit durch Tansania ge­hen. Natürlich steht auch die „Hatari Lodge“ auf dem Plan, wo Hardy seine ersten Lebensjahre zwischen Savanne und wilden Tieren verbrachte. Sein Vater hatte sich Anfang der 1960er bei den Dreharbeiten mit John Wayne zum Howard-Hawks-Film „Hatari“ in die Ranch verliebt. Er kaufte sie und lebte mit Frau und Kindern seinen Traum. Als das Land kommunistisch wurde, gingen die Krügers schweren Herzens zurück nach Deutschland.

Schöngeister unter sich: Peter Dannenberg hat sich mit der Manufaktur “Urban Motor” einen Traum erfüllt

„Tansania ist ein traumhaftes Motorrad­land. Die Pisten sind super fahrbar und es gibt ein enges Tankstellennetz“, macht Hardy Werbung für seine Herzens-Heimat. Wo er sonst noch gern mit dem Motorrad unterwegs ist? „Die Provence hat ein unfassbar schönes Hinterland. Die Landschaft hat mich sehr berührt!“ Erst vor Kurzem war er dort zwei Wochen mit Hondas legendärem Reihenvierer CB 750 Four unterwegs.
Oft driftet unser Gespräch ins Philosophische ab. Als vor sieben Jahren sein kleiner Sohn im Alter von acht Monaten am plötz­lichen Kindstod gestorben ist, brachte ihn die Trauer fast um den Verstand.

Der Schicksals­schlag hat Hardy nachdenklich gemacht. Wohltätige Aktionen liegen dem vierfachen Vater seitdem mehr denn je am Herzen. Er ist Unicef-Botschafter, setzt sich gegen Kinderprostitution, für den Erhalt der Arten­vielfalt und für gesunde Ernährung ein. Ehe er das nächste Custom-Projekt startet, will Hardy sein „Legend Bike“ verkaufen und ei­nen Teil an die „Organisation für verwaiste Eltern und Geschwister“ spenden.
„Embrace Life“ – „Umarme das Leben“, das Motto seiner PR-Marke „Hardy&Soul“, ist für ihn viel mehr als ein hipper Slogan. „Es geht darum, mit Dankbarkeit und Liebe durchs Leben zu gehen und sich mit Dingen zu umgeben, die einem gut tun.“ Das ist wohl auch der Grund, warum Hardy sich immer in „Projekte“ stürzt. Hardy Krüger Junior baut kein Motorrad um, er richtet kein Haus ein, er restauriert kein altes Holzboot – er hat ein Projekt. Und er bloggt darüber. Im April hat Hardy seinen Debütroman rausgebracht, mit dem er auf Lesetour­nee ist, ehe er wieder auf der Theaterbühne steht.

Sein “Legend-Bike”, die schmucke R nineT, möchte Hardy jetzt verkaufen. Ob er sich später vielleicht ärgert? „Man muss auch loslassen können. Ich möchte immer neue Wege finden, mich auszudrü­cken“, spricht der Künstler aus ihm. „Aber es stimmt: Eigent­lich müsste das Bike im Wohnzimmer stehen. Meine Frau hat das schon vorgeschlagen.“ Im Frühjahr hat der gebürtige Schweizer seine PR-Managerin Alice geheiratet. Mit nun sieben Kindern aus mehreren Ehen ist das Leben noch bunter geworden. „Ich habe sie angesteckt, sie möchte den Motorrad-Führerschein machen.“

Noch zu haben: Ehe es ans nächste Bike geht, möchte Hardy für seine R nineT ein neues Zuhause finden

Eines fehlt Hardy, der auch schon Koch und Barkeeper in den USA war, noch: eine richtige Motorradfahrer-Rolle. In seinen über 50 teils internationalen Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen war er schon vieles: Gallier an der Seite von Gérard Depardieu, oder Widerstandskämpfer in „Stauffenberg“. Im deutschen TV sah man ihn als Natur­bur­schen in „Forsthaus Falkenau“ und Frauen­schwarm in Herzschmerz-Forma­ten. Aber: „Ein Roadmovie, das wäre der Ham­mer!“ seufzt Hardy.

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