Fad oder feurig? Yamaha würzt den Einstiegssportler YZF-R3 nach. NEWS trat zur Verkostung an.

Schärfer geht immer? Das dachten sich auch die Ingenieure von Yamaha und legten bei der Neuauflage der YZF-R3 noch einmal eine Prise nach. Das Grundrezept blieb jedoch bestehen. Basis ist weiterhin wie bei der MT-03 ein wassergekühlter Reihenzweizylinder mit 180 Grad Hubzapfenversatz in einem Gitterrohrrahmen aus Stahl.
Doch das bewährte Chassis ist nun mit neu gestalteten Verkleidungsteilen im R-Style garniert. Aus der Frontverkleidung blinzeln schmalere Scheinwerfer, in ihrem Inneren haust zeitgemäße LED-Technik. Die kleine Bauform gibt außerdem Raum für eine große Stirnfläche frei. „Da könnt ihr dann eure Startnummer draufkleben“, erklärt Produktmanager Leon Oosterhof.
Der neu konturierte Tank schluckt nach wie vor 14 Liter, baut aber in der Taille schmaler und dafür oben etwas breiter. So entstehen schöne Flanken für einen sportlichen Knie­schluss. Ebenfalls in die dynamische Richtung zielen die Lenkerstummel. Sie flan­kieren eine feine Leichtmetall-Gabelbrücke und wanderten im Vergleich zum Vorgängermodell um 22 Millimeter nach unten. Das rückt den Fahrer etwas näher zum Vorderrad.

Schöne Stunden: Auf der Landstraße fühlt sich die R3 pudelwohl

Von bücken kann aber nicht die Rede sein: Die Ergonomie tut es für längere Strecken. Der Fahrersitz ist mit 78 Zentimetern für eher Kurzgewachsene niedrig genug. Bei Alltagsfahrten im Stadtverkehr erweist sich auch die Übersicht dank der relativ aufrechten Sitzposition als tadellos.
Stichwort Alltag. Den Rücksitz kann man auch einer Sozia anbieten, die gelegentlich etwas isst. Oder eine Hecktasche draufbinden und gen Süden pesen. Die nominell 42 PS sind kein Hinderungsgrund. Dank des langen sechstens Gangs fühlen sich Reisetempi jenseits der Richtgeschwindigkeit nicht nach Motorquälerei an. Wer auf der Autobahn stolz am Gas bleibt, dem tischt der neue LCD-Tacho eine 190 auf. Einzig die Bremse vorne wirkt nicht ganz al dente: Wer es vor der Abfahrt zu gut gemeint hat, muss schon die ganze Hand hernehmen. Kurz antippen lässt die Fuhre ungerührt.
Geradeaus geht also gut. Aber wie sieht‘s mit gewundenen Asphalt-Linguini aus? Da­für wertet Yamaha die R3 mit frischen Federelementen und Reifen auf. Vorn drückt eine Upside-Down-Gabel von KYD den von Haus aus aufgezogenen Dunlop SportMax GPR- 300 Richtung Erde. Die Holme sind edel golden eloxiert und fühlen sich auch auf dem Handling-Track nicht nach Discounter an.

Zwinker, Zwinker: Aus der Front blinzeln LED-Scheinwerfer

Frisch gemacht: Aus Fahrerperspektive ist fast alles neu

Vertragsverlängerung: Der Zweizylinder darf auch 2019 wieder den Ton angeben

Schöne Runden: Die R3 taugt auch für Spökes auf dem Handling-Parcours

An der Hinterhand setzen die Ingenieure auf eine härtere Feder sowie einen passend dazu abgestimmten Stoßdämpfer. Aus den Kurven heraus gibt es kein Gewackel. Das liegt auch an der fein dosierbaren Gasannahme des Motors. Nicht, dass er zu wenig Kraft hätte. Der kleine Zweizylinder schiebt sauber an und schraubt sich tapfer bis knapp 11 000 Umdrehungen.Klar, die große Kelle Leistung gibt es nicht. Aber die R3 ist ja auch kein reinrassiger Supersportler, sondern ein spaßiges Motorrad für jeden Tag. Mit einem Schuss Tabasco. Wer auf den Geschmack gekom­men ist, muss 5895 Euro auf den Tisch des Hauses blättern. Lecker!

Fazit

Eine gelungene Modellpflege: Mit aufgewerteten Feder­elementen und frischem Look ist die R3 nach wie vor eine gute Wahl für A2-Führerschein-Inhaber, Freunde leichtlebiger Fortbewegung und Routiniers mit Aversion gegen PS-strotzendes Brustgetrommel. Nun noch einen Tick sportlicher als bisher.

Technische Daten

Bauart: Zweizylinder-Viertakt-Reihe, DOHC, 4 Ventile pro Zylinder, flüssigkeitsgekühlt
Hubraum: 321 cm3
Leistung: 31 kW (42 PS) bei 10 750 min-1
Drehmoment: 30 Nm bei 9000 min-1
Reifen v/h: 110/70-17 M/C / 140/70-17 M/C
Bremsen v/h: 298-mm-Scheibe mit Doppelkolbenschwimmsattel / 220-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel
Sitzhöhe: 780 mm
Tankinhalt: 14 l
Leergewicht: 169 kg
Preis zzgl. Nk.: 5895 Euro
(Herstellerangaben)

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