Panamericana Teil 25: Auf in die „Schurkenstaaten“

Die nächsten Reiseländer auf dem Weg durch die Amerikas haben es in sich: endlose Strände, üppige Natur und fruchtbare Vulkanlandschaften, in denen von Mangos bis Bananen, von der Kaffeebohne bis zur Kokosnuss die herrlichsten Früchte wachsen. Vorher geht es noch ein Stück durch den kargen, kakteenbestandenen Norden Mexikos. Mit Honduras und San Salvador liegen die Staaten mit den höchsten Mordraten der Welt – bezogen auf die Einwohnerzahl – auf dem weiteren Weg zum Panamakanal. Vor Bandenkriminalität, Überfallgefahr und allerlei sonstigen Risiken von fiesen Mückenstichen bis zu bissigen wilden Tieren werden Reisende ebenso gewarnt wie vor falschen Polizisten, Kidnappern und Trickdieben.

Hinter der Brücke über den Rio Grande ist man schon mitten im „Schurkenland“. Das merkt man, ohne die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gelesen zu haben. Die schwarz-weißen Pickups der mexikanischen Bundespolizei, der Federales, haben Maschinengewehre mit Kugelschutz über der abgedunkelten Fahrerkabine. Dahinter stehen neben dem Schützen zwei weitere vermummte Uniformierte. So patrouillieren sie auf den Landstraßen ebenso wie in der Innenstadt der Millionenstadt Monterrey.

Ähnlich, nur in olivgrün, ist das Militär unterwegs. Die Mitfahrt im Stehen auf den knallhart gefederten Ladeflächen ist sicher kein Dauervergnügen. Noch weniger Spaß haben die Verhafteten, die immer wieder vom Motorrad aus zu sehen sind. Die Hände hinter dem Rücken gefesselt sitzen sie in der Ecke der blechernen Ladefläche. Wenn der Fahrer zügig über die welligen Straßen Mexikos rumpelt werden sie hin und her geworfen. Ohne blaue Flecken dürfte die Fahrt zum Verhör selten enden.

Auf der Fahrt entlang der Karibikküste steht in Veracruz neben jedem Tankwart ein bewaffneter Wächter. In Guatemala und El Salvador stehen Aufpasser mit der Pumpgun und acht Schuss Schrotmunition im Gürtel an der Tür zum Burger-Restaurant.

In Nicaragua tragen die Wächter die etwas veraltete AK 47 von Kalaschnikow. In Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, wirkt die Szenerie nur unwesentlich entspannter. Hier reichen der Polizei Pistolen am Gürtel. Die privaten Wächter an Tankstellen und Banken tragen statt der Gewehre Elektro-Teaser.

Sogar in Costa Rica, das offiziell keine Armee hat und von Tourismus-Werbern gerne als die „Schweiz Mittelamerikas“ verkauft wird, sind die Privathäuser mit hohen Stahltoren und Stacheldraht verbarrikadiert, Nachtwächter bewachen den Eingang vor den einfachen wie exklusiveren Unterkünften der Touristen. Erst in Panama ändert sich das Bild, werden Wachmänner und Mauern weniger. Dafür kontrolliert dort die Polizei besonders häufig mit Straßensperren.

Vorteil für Motorradreisende: Die Maschine kann gut beaufsichtigt abgestellt werden. Die Wachleute sind aufmerksam und ich habe nicht einmal den Versuch erlebt, die Tasche auf dem Gepäckträger wegzunehmen oder die Aluminiumpacktaschen aufzubrechen. Allerdings habe ich die Maschine bei Rasthäusern und Bankautomaten immer in Sichtweite geparkt und bei Hotels und Sehenswürdigkeiten stand sie auf bewachten Parkplätzen oder am Eingang.

Zweimal war die Situation allerdings unübersichtlich. Eine davon war wohl ein Überfallversuch mit Macheten. Mehr darüber steht im Reisebericht über Belize, der in der MOTORRAD NEWS-Januarausgabe erscheint, ab 13. Dezember im gut sortieren Zeitschriftenhandel, im Motorrad.net-Shop und in der NEWS-E-Paper-App.

von Hans-Jürgen Weigt

Die Reiseroute I: bis zur Winterpause

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