Panamericana Teil 12: Schwarzes Gold

Colorado verbindet man in Europa eher mit Skiparadiesen wie Aspen, nicht mit tropischer Hitze. Hier im Westen, zwischen den Bergketten der Rocky Mountains, ist die Landschaft jedoch karg und trocken. Und trotz 2000 Metern Höhe überraschend heiß.

Verändert hat sich das Gesicht der Wüste. Zu beiden Seiten der Straße begleiten über Stunden Pumpen, Rohrleitungen und Kompressorstationen den Highway 139. Zwischen den Installationen sind manchmal Pickups unterwegs, deren Fahrer Wartungsarbeiten erledigen. Nur gelegentlich sieht man noch ein paar Rinder zwischen den niedrigen Akazienbäumen in der kargen Landschaft herumstehen.

Auf der 139 donnern Trucks mit 120 Stundenkilometern entlang und biegen irgendwo auf eine der Schotterstraßen ab, die scheinbar ins Nichts führen. Die Servicehallen von Ölservicefirmen wie Schlumberger, Halliburton und Co. liegen irgendwo abseits der Hauptstraße. Langsam wird das Land zum Pass hinauf wieder grüner. In einem Bachtal haben die Ölfirmen hinter hohen Zäunen eine laut dröhnende Kompressorstation installiert. Wasserleitungen führen den Hang hinunter.

Den neuen Run auf das Schwarze Gold hat das Fracking ausgelöst. Wasser, Sand und einige Chemikalien werden bei dieser Technik in die Erde gepresst. Die erschöpften amerikanischen Lagerstätten zwischen Norddakota und Texas geben so noch einmal ihre Schätze her. Zehn Millionen Barrel Öl erzeugen die USA inzwischen dank der Methode. Jeden Tag. Demnächst sollen es sogar 12 Millionen Barrel werden.

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Allein das Öl hat bei einem Weltmarktpreis von gut 70 Dollar für das Fass einen Wert von Fast 300 Milliarden Dollar. Oder 900 Dollar pro Amerikaner im Jahr. Hinzu kommt das Erdgas, wie hier in Colorado, das zusätzlich aus dem Boden geleitet werden kann.

Von einer Energiewende scheint das Land der unbegrenzten Möglichkeiten weit entfernt zu sein. Eher im Goldrausch wie vor 170 Jahren in Kalifornien. Windparks sieht man kaum, wenn man übers Land fährt. An den Tankstellen stehen die Pickups und Vans wie eine Schrankwand. Rund drei Dollar pro Galone, das sind 3,8 Liter, kostet der Sprit. Nicht teurer als vor 25 Jahren. Die Sechs- und Achtzylinder blubbern, als habe es nie eine Energiekrise gegeben. Alles Benziner, bei denen die ständig pustende Klimaanlage vermutlich mehr verbraucht als mancher kleine europäische Dieselmotor.

Fürs Nachtanken der Suzuki hat der Spritdurst einen unschönen Nebeneffekt. Der Zwanzig-Liter-Tank wird oft mit solchem Druck aus dem Zapfhahn gefüllt, dass immer was über den Tank schwappt. Auf solche Kleinstmengen ist das amerikanische Tankstellennetz nicht mehr eingestellt.

von Hans-Jürgen Weigt

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