Panamericana Teil 11: Zu Hause beim Kaufhauskönig

In der Minenstadt Kemmerer gibt’s nicht viel zu sehen. Das rosa Motel wird nur noch von Mäusen bewohnt. Und die Halbwüste drum herum schickt Staubwolken auf die Mainstreet. Ich will zurück zum Highway, als ein Pärchen aus einem kleinen Holzhaus kommt, das die Tafel trägt „Hier hat J.C. Penney gelebt.“

Konserviert: Penneys goldene Verkaufsregeln hängen an der Museumswand

Frieda, die Museumsführerin fragt, ob ich nicht reinschauen möchte. Eigentlich nicht, aber was soll’s. Sie erzählt die Geschichte des amerikanischen Kaufhauskönigs Penney. Ausgerechnet in der halbverlassenen Minenstadt hat der aus einer armen Familie stammende Penney seinen ersten Laden gegründet, aus dem eine ganze Kette erwuchs.

Auf der anderen Seite des Platzes kann man in dem Backsteinbau mit der weiß gestrichenen Fassade immer noch einkaufen. Von 2000 Dollar geliehenem Startkapital bis auf 40 Millionen wuchs sein Vermögen bis zur großen Depression Anfang der Dreißiger Jahre. Dann war alles weg, so wie beim Zeitungskönig Hearst und vielen anderen Wirtschaftsgrößen. Nur Vater Kennedy und ein paar Wenige machten damals mit Wetten auf fällende Börsenkurse ein Vermögen. Das ist aber eine andere Geschichte.

Penney gelang es, einige Läden zu retten. In den 1950ern wuchs aus ihnen ein Imperium mit 2000 Geschäften. Trotzdem lebte er über Jahrzehnte mit seiner Frau in dem kleinen Holzhaus in Kemmerer, in der trockenen Südost-Ecke von Wyoming. Rührend bemüht zeigt Frieda die Relikte aus dieser Zeit, den gusseisernen Heizofen im Wohnzimmer und die kleine Küche. Dass der Kaufhauskönig so lange blieb, kann Frieda gut verstehen. Auch sie liebt die unberührte Natur.

von Hans-Jürgen Weigt

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