Nassforsch: Metzeler Sportec M9 RR im Fahrbericht

Es soll Menschen geben, die ihr Sportgerät nicht nur bei perfektem Wetter aus der Garage holen. Für solche Draufgänger ist der neue Metzeler Sportec M9 RR gedacht. NEWS durfte den Supersport-Pneu auf dem Rundkurs von Ascari testen – bei perfektem Wetter. Macht aber nichts.

von Tilman Sanhüter Fotos Werk

Nasse Straßen, dunkle Wolken über der Isle of Man, Laub, eine BMW S 1000 RR, ein wenig Zeitraffer und knappe 200 Sachen auf der Landstraße – Metzelers Werbevideo zum M9 RR sendet eine klare Botschaft: Das Wetter ist Neben­sache, wenn man den Lappen loswerden will. Und jetzt das, wir stehen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Ascari Race Resort. Eine der wunderbarsten Rennstrecken weltweit, perfekt in die Natur eingebettet. Eine Tannenmeise zwitschert, ein laues Lüftchen weht. Keine Spur von feuchtem Roadracing und Spätherbst, heute zeigt sich Andalusien von seiner sonnigsten Seite. Auch unter diesen Bedingungen soll der Sportec M9 RR natürlich funktionieren, die Vielseitigkeit war schon eine Kerneigenschaften des Vorgängers M7RR. Der überzeugte mit fettem Grip bei Trockenheit, astreiner Nassperformance, guter Rückmeldung, Präzision und war eher stabil als superhandlich. Große Fußstapfen also, in die der Neuner da tritt. Metzeler hat nach eigener Aussage eine Schaufel draufgelegt. Zunächst setzt der Rundling vorne wie hinten auf jeweils zwei verschiedene Mischungen: Eine härtere Mixtur für höhere Laufleistung in der Mitte und eine weichere an der Reifenschulter für mehr Grip in Schräglage. So weit, so bekannt. Aber als erster Supersportreifen bekommt der Sportec Mischungen verpasst, die auf einen Rußanteil verzichten und zu 100 Prozent auf Silica setzen. Diese Salze der Kieselsäure werden der Kautschukmischung beigemengt, um unter anderem Kalt- und Nasshaftung zu erhöhen. Für einen Allwetter- Supersportgummi scheint das zielführend. Aber wie war das mit dem Traumwetter? Weil Petrus Frühling befohlen hat, laden die Münchener zwecks Beweisführung zum Nasstest auf einer eigens präparierten Piste. Es sind nur zehn Minuten, ich schnappe mir die KTM 790 Duke für die Übung. Erst verschüchtert, dann nassforsch geht es um den Parcours. Statt Regenmodus den Sportmodus anklicken, um wenigstens beim Herausbeschleunigen einen kleinen Flutsch zu provozieren. Doch der M9 RR zuckt erst, wenn man es mit hartem Aufreißen probiert – man kann wirklich sehr sportlich über den bewässerten Kurs nageln. Auch auf der Bremse wird das Heck richtig leicht, bevor das ABS regelt. Klar, alles eine Momentaufnahme unter künstlichen Bedingungen. Aber ein erster Hinweis, dass das Gripniveau im Regen für einen Supersport-Pneu extrem hoch ist. Dass das nicht zu Lasten der Heizerei geht, zeigt eine ganze Stunde reine Fahrzeit auf dem trockenen Teil der Rennstrecke. Das Motorrad-Menü heute: Yamaha MT-10 SP, BMW S 1000 XR und S 1000 RR. Viel Leistung, kernige Bremsen.

Auf der Metzeler-Strecke soll der M9RR drei Sekunden holen

Aber der Metzeler ist unter anderem dank der gewachsenen Kontaktflächen und der neuen Mixturen mehr als tapfer, die Reifentemperatur überschreitet kaum die 50 Grad und der Grip in Schräglage ist absolut Trackday-tauglich. Nicht mal die über 200 PS der RR bringen ihn in Schwulitäten. Auf der hauseigenen Teststrecke in Sizilien soll der Neuner über drei Sekunden auf den Sportec M7RR herausschinden. Charakterlich ist auch der M9RR eher stabil als nervös und läuft präzise der anvisierten Spur hinterher. Das kann je nach Motorrad sehr positiv sein: Auf einer 130 Kilometer langen Bonusrunde über die Landstraße beruhigt er etwa die etwas zappelige 790 Duke, sie fährt wie auf Schienen. Auch Yamaha MT-10, BMW S 1000 R und XR liegen satt und treffen die Linie perfekt. Zudem lenkt der Pneu absolut neutral ein, stellt sich beim Bremsen nicht auf und bietet wunderbare Rückmeldung. Und trotzdem haben die Münchener mit der neuen Karkasse die Eigendämpfung nicht vernachlässigt, auch das ist spürbar. Die supersportlichen Eigenschaften des Sportec sind also mächtig: Er ist zielgenau und berechenbar, klebt wie Pattex und bleibt auch am Limit stets stabil. Dazu gibt‘s Alltagstauglichkeit und Vertrauen bei Nässe. Wenn Metzeler jetzt noch wie versprochen das Verschleißverhalten optimiert hat, dann ist der Spagat zwischen Knallgas und Alltag wieder ein ganzes Stückchen breiter geworden. Aber das testen wir hoffentlich bald mit einem unserer Dauertester. Ein Ausflug zur Isle of Man, das wäre doch nett.

Größen:

Vorne:
110/70 ZR 17 M/C 54W TL
120/70 ZR 17 M/C (58W) TL
Hinten:
150/60 ZR 17 M/C 66W TL
150/70 R 17 M/C 69V TL
160/60 ZR 17 M/C (69W) TL
180/55 ZR 17 M/C (73W) TL
180/60 ZR 17 M/C (75W) TL
190/50 ZR 17 M/C (73W) TL
190/55 ZR 17 M/C (75W) TL
200/55 ZR 17 M/C (78W) TL

www.metzeler.com/de

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