Günther Marterer fand die MZ 250 TS/1 beim Entrümpeln im Schuppen seines Vaters. Die Überraschung wich schnell der Erinnerung, denn er selbst hatte die Maschine ja vor 37 Jahren genau dort abgestellt.

„Ende 1977 war der Führerschein geschafft, und ich beschloss, mir ein Motorrad anzuschaffen. Die 125er Benelli, die mir gefiel, war aber unerschwinglich. Mein Vater hatte die Idee: „Schau mal im Neckermann-Katalog nach. Da gibt es ein Motorrad für gutes Geld zu kaufen.“

Gesehen, verliebt und bestellt. Die MZ fuhr ich vier Jahre, im Sommer wie im Winter. In der Dorfszene wurde ich aber als Sonderling und Außenseiter angesehen, denn im Vergleich zu Yamaha und Kawasaki sah die MZ halt nicht besonders gut aus. Vor allem die Damenwelt machte einen großen Bogen um mich.
Durchgehalten hat die MZ aber immer, und auch vier schwere Stürze auf Glatteis überlebt. 1982 stellte ich sie bei meinem Vater in den Schuppen, kaufte mir eine BMW 100/7 und vergaß die MZ. 2014 tauchte sie wieder auf und die Idee der Restaurierung war geboren. Kann ja nicht viel Arbeit sein, denn die Maschine sah gar nicht so schlecht aus.

Weit gefehlt: Ich nahm alles auseinander. Lackierung, Politur, Räder einspeichen, Neulagerung des Motors, Original-Auspuff, Heidenau-Reifen und und und. Zwei Jahre brauchte ich und wollte auch zwischendurch aufgeben, weil immer irgendetwas Neues dazu kam. Ich muss Danke sagen bei meinem ultimativen MZ-Guru Peter aus Hundsangen, der einfach alles über MZ weiß und bei meinem MZ-Urgestein (83 Jahre aus Rennerod) der noch viele Ersatzteile zur Verfügung hatte. Auch meiner Frau danke ich für all ihr Verständnis.
Mittlerweile bin ich schon rund 1000 Kilometer blauwolkig durch die Gegend gefahren. Eine Maschine, technisch absolut durchdacht – von wegen DDR, die hatten es drauf! Übrigens: Heute falle ich mit dem Oldtimer bei der Damenwelt auf.“ 

Glanzstück: Günther überholte den 19-PS-Zweitakter komplett.

Damals Usus: Kombinierter Zünd/Lichtschalter.

Flashback: Die MZ im Hof – genau wie damals.