Beim Moped Xtreme gibt es nur eine Regel: Das Krad muss 50 Kubikzentimeter Hubraum haben. Tilman tanzt aus der Reihe und tritt auf einem E-Moped an.

Ich geb’s ja zu: Ich bin kein großer Elektro-Fan. Na gut, bei Deckenlampen ist Strom ganz angenehm. Oder bei Waffeleisen. Aber ob das bei Motorrädern wirklich sein muss? Als Konfrontationstherapie starte ich bei der 50-Kubik-Rallye „Moped Xtreme“ auf der Schwäbischen Alb. Allerdings bestreite ich die 230 Kilometer nicht mit unserem tapferen, aber hilflosen Verlags-Mofa, sondern mit einer elektrischen Super Soco TS.
In der Startaufstellung kommen mir echte Zweifel. Satte 193 mechanische Freudenspender starten gleichzeitig und upcyceln fröhlich raffinierte Dinos. Und ich kann als einziger so viel mit dem Gasgriff spielen wie ich will, die elektrische Super Soco unter mir macht keinen Mucks.
Beim Startschuss zieht der Radnabenmotor seine Trumpfkarte und düst mühelos vorneweg. Der stille Antrieb lässt das Brummen und Kreischen der Verbrenner- Meute hinter mir etwas bedrohlich wirken. Die warten doch nur darauf zu zeigen, dass mein E-Moped keine Schnitte gegen ihre Verbrenner hat. Nach einer beeindruckenden Beschleunigungsphase endet der elektrische Vortrieb pünktlich bei Tacho 45.

Fragestunde: So ein E-Moped hat erstmal Erklärungsbedarf

Die erste S 51 zieht links vorbei, kurz darauf eine Kreidler Florett. In der Ebene sind die Verbrenner überlegen. Bergab macht dem Stromer keiner was vor. Moderne Bremsen sind halt doch was Feines. Immer wieder überholen wir uns gegenseitig, doch die Kabbeleien eskalieren nie in echtes Hauen und Stechen. Das Ziel heißt: Ankommen.
Über die Zuverlässigkeit der Super Soco mache ich mir keine Gedanken. Neu ist ja bekanntlich treu. Eher über die Reichweite. Der Hersteller lobt maximal 80 Kilometer mit einem der zwei Akkus an Bord aus. Das Auf und Nieder der Schwäbischen Alb dürfte diese Ansage gehörig zurechtstutzen. Der Joker: Wir haben insgesamt fünf der Strombehälter im Gepäck. Kollege André steht auf Abruf bereit, um frischen Saft zu reichen.

Teilweise skurril aufgemachte Mopeds tuckern über kaum befahrene Nebenstraßen. Doch nach einigen Kilometern fächert sich das Feld auf. Je nach Fahrzeug ergeben sich beträchtliche Geschwindigkeitsunterschiede. Außerdem legen einige Fahrer die Zulassungsordnung natürlich liberaler aus als andere. Irgendwo in der Mitte sitzt die Soco und so verliere ich bald den Anschluss an die Schnellen, liege aber vor den Mofas.
Im dichten Morgennebel rollt das E-Krad alleine dahin. Längere Zeit sehe ich keines der orangen Hinweisschilder, mit denen der Streckenverlauf gekennzeichnet ist. Ich werde doch keines übersehen haben und vom Weg abgekommen sein? Nach ein paar bangen Minuten gibt die Nase Entwarnung. Der Geruch verbrannten Zweitaktöls zeigt, dass ich noch auf der richtigen Fährte bin.

Ölpreis egal: An der Zapfsäule hatten wir gut lachen

Klarer Befund: Die spinnen, die Gallier

Ungleiches Duell: Erdöl gegen Braunkohle

Dann holt mich die Achilles-Ferse der E-Mobilität ein. Um zum Treffpunkt für die Frühstückspause zu gelangen, muss ich einen steilen Anstieg mit heftigen 18 Prozent Steigung hinauf. Das saugt grausig Saft und nach wenigen Metern verliert der Radnabenmotor gegen die Steigung. Meine Füße suchen vergeblich nach Pedalen. Ist aber nicht schlimm, denn statt zu strampeln kann ich einfach den zweiten Akku anstecken und mit frischer Kraft weiter Richtung schwäbisches Weißwurstfrühstück tollen.
Nach dem Futterstopp stellt sich Entspan­nung ein. Der Nebel verzieht sich, es wird angenehm warm und der Blick übers Land ist mitunter atemberaubend. Mit unter 50 fährt es sich wirklich stressfrei, auch die Soco wächst mir ans Herz. Wäre da nicht der schmerzende Hintern. Aber gut, ich bin ja auch schon ein paar Stündchen unterwegs.

Bruder Leichtfuß: Die Super Soco lässt sich dynmaisch fahren

Der Stromvorrat reicht für gute 55 Kilometer pro Akku. Unser vorher ausbaldower­ter Plan geht auf, ich erreiche die mit André vereinbarten Treffpunkte problemlos. Nur zum Ende hin wird es noch einmal eng. Meine Kalkulation muss falsch sein, denn das Ziel kommt und kommt einfach nicht in Sicht, obwohl ich nach meiner Überschlagsrechnung schon dort sein müsste. In der Soco stecken der leere Akku Nummer drei und die schwächelnde Nummer vier. Ob sich das noch ausgeht?
Erst als ich ganz knapp davor bin, mit dem Hightech-Moped auf einem sehr gewöhnlichen Feldweg zu stranden, taucht im Rückspiegel zufällig das Support-Fahrzeug mit dem rettenden fünften Akku auf. Das muss Gedankenübertragung gewesen sein.

Nach knapp zehneinhalb Stunden rolle ich erschöpft durch den Zielbogen. Trotz anfänglicher Skepsis und einiger Neckerei gibt’s bei den Kollegen von der Verbrenner- Fraktion gezogene Hüte statt überreifer Tomaten. Und auch ich habe Freundschaft mit dem Elektro-Moped geschlossen. Zum Abschied schenken die Veranstalter mir eine hübsch verpackte D-Batterie. Danke, Leute!

Der Club „Moped Helden e.V.“ rief 2017 eine rund 230 Kilometer lange Rallye über die Schwäbische Alb ins Leben. Der Clou: Gefahren wird auf 50-Kubik-Mopeds. Die dritte Auflage startet am 5. und 6. Juli 2019. Die Anmeldung läuft bereits unter www.moped-helden.de.

Teilen: