Wie, Louis baut auch Motorräder? Natürlich nicht in Serie, dafür umso exquisiter. Unser heutiger Kandidat ist die urgewaltige wie elegante Caty M. Glam – nach der Testfahrt klingeln Till immer noch die Ohren.

Zart lugt der große Feuerball über den Horizont, auf den Weiden liegt noch Morgentau. Fohlen balgen sich, ein einsamer Reiher sucht sein Frühstück. Einen Knopfdruck später fühlt sich die Idylle nach Endzeit, Dragstrip und Mad Max an – das Louis-Bike Caty M. Glam brüllt aus dem Shark-Doppelrohr, als ob der Leibhaftige selbst sie gebaut hätte. Dabei ist schon das Basismotorrad kein harmloses Kerlchen: Die Louis-Schraubercrew hat sich die mächtige KTM 1290 Super Duke R ausgesucht, um daraus einen brachialen Sprinter zu bauen.

Allerdings im pornösen Kleidchen: Die neue Linie ist superschlank und so gar nicht Super Duke, der winzige Tank und die zierlich Sitzbank versuchen gar nicht erst, die Technik des Vauzwo zu verstecken, die Kineo-Räder blitzen und blinken von weitem. Der Heckrahmen ist ein Eigenbau, er bekommt zusammen mit Hauptrahmen und Schwinge eine hauchdünne Verchromung inklusive roter Farbverläufe. Crew-Mitglied Kay Blanke hat sich des Designs angenommen, Michael Naumann baut Sitzbank, Tank und Maske aus Aluminium, die Metal-Flake-Lackierung übernimmt Danny Schramm. Zur Wespentaille passen die sportlichen Stummel, die dem herkömmlichen Rohrlenker weichen mussten.

Trotzdem sitzt sich das 179 Kilo leichte Magermodel gar nicht so unbequem, nach ein paar Metern Einfahren fühlt man sich tatsächlich wohl – das hier ist keine Show-Frickelbude, sondern ein fahrbereites Motorrad. Ein wenig aufpassen mit dem giftigen Gasgriff, Gang rein und schon setzt sich das Fabelwesen in Bewegung. Jede noch so kleine Öffnung der Drosselklappen wird mit monstermäßigem Schub belohnt, das Vorderrad wird leicht. Die Druckwellen aus Endrohr und offenen Ansaugtrichtern reißen den Teil des Gehirns, der für Zurückhaltung und Anstand zuständig ist, augenblicklich in Stücke. Und auf die originalen 173 PS packte Motor-Papst Ulf Penner noch mal zwei Pferdchen drauf. Reicht.

Damit Caty sicher auf der Piste bleibt, hat Wilbers ein komplettes Fahrwerk beigesteuert, das auf unserer kurzen Testrunde sehr sauber anspricht. Die Brembo-Stopper ankern stramm, alles funktioniert.

Und irgendwann findet sich sogar ein Leerlauf, um die rote Schönheit wieder im Transporter verschwinden zu lassen. Denn bei aller Liebe zu dieser Glamour-Lady: Mit drei Litern ist der Tank gerade ausreichend groß bemessen, um ein Foto-Shooting hinzulegen und anschließend vor den Anrainern zu flüchten. Oder eben groß genug, um Sprints á la Glemseck zu fahren. Denn dafür ist Caty ja gebaut worden.

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