Als Custom-Profi Ulf die 1984er R65 in die Hände bekam, ahnte das unschuldige Ding nicht, was mit ihr passieren wird: Zum Brauereipferd soll die BMW werden. Die Geschichte einer fantastischen Handarbeit.

von Till Ferges Fotos: Robert Volkmer und Till Ferges

Konsequent gemacht, bis ins letzte Detail: An der “Kühlen Blonden” findet man auch mit der Lupe keine Fehler. Weder in der schummrigen Garage, noch im prallen Sonnenlicht lassen sich wirklich Punkte ausmachen, an denen Kfz-Technikermeister Ulf Gloy es handwerklich hätte besser machen können. Das Ziel des Umbaus? Eine Hommage ans Brauhandwerk. Und diese Ehrerbietung an die Ruhrgebietskultur, die findet sich auch im Namen seiner Dortmunder Werkstatt: 3 Klang Custom – der Dreiklang des Potts, das ist für Ulf Kohle, Bier und Stahl.

Der Boxer ist Ulfs zweites Projekt, den Jungfernflug machte er mit dem Bobber-Umbau einer Virago. Und die BMW R65 vom Typ 248 kann sich glücklich schätzen, in ihrem zweiten Leben bei einem Profi gelandet zu sein. Der Krümmer und die Shorty-Endtöpfe etwa sind makellos mit Keramik beschichtet; Bürzel, Scheinwerfer und Tank sind verkupfert, die Kabel in Kupferrohren verpackt.

Wobei wohl auch das Spritfass dankbar sein darf: Es stammt von Kawas Softchopper El 252 und bekam nachträglich ein Schauglas mit Messingfassung verpasst, das Ulf genau wie alle anderen Änderungen in die Papiere eintragen ließ – alleine die Vollabnahme beim TÜV hat 1000 Euro gekostet. Ja, das Ding darf so auf die Straße und fährt natürlich auch.

Das Rahmendreieck ist komplett leergeräumt, auf den Vergasern warten offene Trichter auf die Frühlingsluft. Der Rahmen ist gecleant und genau wie die Felgen gepulvert, Lampen- und Kennzeichenhalter sind Eigenbauten. Und allein der Kennzeichenträger hätte fast das Zeug für eine eigene Serie: Ein Magnetkontakt aus dem Computer-Zubehör sorgt für straffen Sitz und schließt den Stromkreis – zum Abnehmen muss man einfach nur kräftig am Heck ziehen.

Die gesamte Elektronik ist extrem platzsparend verbaut, hier hat der Custom-Spezialist auf Taster und Tacho von Moto Gadget gesetzt. Das I-Tüpfelchen sind die Firestone-Reifen im Oldschool-Look. “Natürlich gibt technisch gesehen bessere Reifen. Aber die sehen doch einfach nur geil aus, oder?”, freut sich Ulf über die Gummi gewordene Hommage an die Vergangenheit. Und wir freuen uns über seine Hommage an die Braukultur. Prost!

 

 

Der Erbauer: Ulf Gloy (41) ist Kfz-Technikermeister und hat seine Schmiede 3 Klang Custom (3klangcustom.de) im August 2016 gegründet. Privat pilotiert der eine Kawasaki Zephyr 750 und eine Z1000SX. Neben Umbauten aller Art übernimmt Ulf in seiner Dortmunder Werkstatt auch ganz normale Wartungsarbeiten, Reparaturen, Reifenservice, zudem ist die Garage auch Dekra-Stützpunkt. Seit Anfang 2019 können in der Custom-Schmiede außerdem Sitzbänke aufgemöbelt und umgebaut werden – Daniel Besadio Alvarez ist mit seiner Motorradsattlerei B77 bei Ulf eingezogen.

 

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