Eigentlich war für Pfingsten die 100. Veranstaltung auf dem Teterower Bergring geplant, doch das Virus macht für den Bahnsport keine Ausnahme. Doch einen Rückblick wagen wir auf jeden Fall:
Als Studienrat Carl Schröder am 25. Juni 1930 die neue Rennstrecke vorstellt, sind die Teterower Feuer und Flamme. Weil der Kurs gegen den Uhrzeigersinn befahren wird, ist er einmalig und findet weit über die Mecklenburgische Schweiz hinweg Beachtung. 7000 Zuschauer säumen die Piste bei den ersten Rennen. Mit den Jahren steigen die Besucherzahlen kontinuierlich, wobei der Bergring zu DDR-Zeiten überaus großen Zuspruch findet.
Zehntausende zieht es seinerzeit jährlich an die „Bahn”. Vor dem Mauerfall ist Teterow zumindest für das Pfingstwochenende eine Zufluchtsstätte für Jugendliche, die nur ungern das FDJ-Hemd überstreiften. Die SED-Oberen demonstrierten Stärke mit verstärkten Polizeikontrollen.
Teterow besitzt auch auf Spitzenfahrer artfremder Disziplinen eine große Magnetwirkung. An der Popularität der Motorsportstätte vor der Stadt, die als geografischer Mittelpunkt Mecklenburg-Vorpommerns gilt, hat sich über die Jahrzehnte nichts geändert. Wegen seiner Länge von knapp 1900 Metern, den Steigungen und wegen der Sprünge ist der Bergring bis heute etwas Besonderes geblieben. Das alles ist für eine Grasbahn überhaupt nicht normal, weil derartige Strecken eigentlich flach wie ein Brett sind.
Obwohl die sagenhafte Grasbahn nicht ungefährlich ist und beispielsweise die Nordkurve als Mutprobe gilt, sind die Fahrer heute wie damals begeistert.

Es gibt eine Menge Rekorde und die Zuschauer haben ihre Helden, deren Namen untrennbar mit dem Grasbahnsport verbunden sind. Dietmar Lieschke und Thomas Diehr sind zwei der DDR-Bahnsportmatadore. Nach 1990 schreiben Simson Wigg, Trevor Banks und Enrico Janoschka beispielsweise Motorsportgeschichte. Die Jubiläumsveranstaltung zu Pfingsten wird am Freitag, dem 29. Mai, mit der der Bergringparty und Autogrammstunde im Fahrerlager eingeläutet., wenn es die Seuchenlage bis dahin zulässt. Am Samstag stehen Trainingsläufe und das Qualifying auf dem Programm, bevor am 31. Mai pünktlich elf Uhr die Eröffnung des 100. Bergringrennen ansteht. Neben Bergringpokal und Grünem Band werden im Jubiläumsjahr Silber- und Goldhelm des ADAC vergeben.

 

Text & Fotos: Hans-Jürgen Fischer

Teilen: