X-ADV – ein bisschen Scooter, etwas Reiseenduro. Eine spannende Mischung. Schön also, dass sich am Rande der Africa-Twin-Präsentation endlich die Gelegenheit ergab, den Schotter-Zwitter über Asphalt und Dreck zu bewegen.

In Italien hat der in Rom designte X-ADV schon im ersten Jahr über 3000 Herzen gebrochen. Offensichtlich lieben die Italiener seine Mischung aus Alltags-Komfort, Nutzwert und rasantem Aussehen. Man sieht ihm wirklich nicht an, dass in seiner Brust das brave Herz der NC 750 pulsiert.

Aber beim ersten Aufsitzen merkt man ja auch nicht, dass er gut zwanzig Kilo schwerer ist als das Naked Bike. Das Staufach steckt unterm Sitz statt vor dem Bauch, die Sitzposition hinter dem verstellbaren Windschild schwankt nach Belieben zwischen Cruiser und Supertourer. DCT mit einem Normal- und drei Sportprogrammen ist Serie.

Positive Überraschung: Auf der Morgenrunde Richtung Sierra Nevada muss das 55-PS-Gefährt seinen erweiterten Drehzahlhorizont gar nicht ausreizen, um der Africa-Twin-Horde auf den Fersen zu bleiben. Wie bei der NC wirkt Drehmoment Wunder, und die breiten 17- und 15-Zoll-Räder bleiben dank langer Federwege auch auf Buckelasphalt in der Spur. Fühlt sich alles maximal entspannt und narrensicher an. Aber nicht weiter ungewöhnlich.

Zum Gesicht in der Menge wird der X-ADV ja erst durch sein Rallye-Outfit. Doch auch, wenn die lustigen Leute von Honda mit ihm in Japan schon bei Geländeveranstaltungen mitgemischt haben: Schon mangels passender Stollenreifen für die kleinen Kreuzspeichenfelgen beschränkt sich der Offroad-Spaß auf griffige Untergründe. Hier hilft ab diesem Jahr eine zweistufige Traktionskontrolle sowie der aus der Africa Twin bekannte G-Mode, die Leistung besser auf den Boden zu bringen.

Der viel zu kurze Abstecher auf eine Naturpiste gibt immerhin etwas Aufschluss. Der Saft reicht völlig, für derben Schotter-Spaß sollte man aber rechtzeitig den Schalter finden, der auf manuelle Schaltung wechselt. Hinter dem breiten Lenker passt die Fahrposition erstaunlich gut, wenn man auf den hinteren Zubehör-Rasten steht. Schmerzhaft sind hier allerdings die harten Kanten der Seitenverkleidung und der Preis der Rizoma-Frästeile: 602 Euro extra für ein Paar Fußrasten sind hart an der Grenze des Erklärbaren.

Als Spar-Mobil taugt der X-ADV ohnehin nicht. In Rallye-Rot kostet die Allzweckwaffe dreitausend Euro mehr als eine NC 750 X mit Doppelkupplungsgetriebe. Ganz schön viel für einen Roller.

 

Honda X-ADV Seite

 

Das ist neu:

  • „G“-Modus für direktere Gangwechsel
  • zweistufige, abschaltbare Traktionskontrolle
  • auch als 48-PS-Version erhältlich
  • auf 7500 min-1 erhöhte Maximaldrehzahl

 

Technische Daten

Motor:            Zweizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, Sechsganggetriebe, Kette

Hubraum:      745 cm³

Leistung:        40 kW (55 PS) bei 6250 min-1

Drehmoment:           68 Nm bei 4750 min-1

Bremse v/h:  296-mm-Doppelscheibe mit Vierkolben-Festsätteln / 296-mm-Scheibe Federweg v/h:    154/150 mm

Bereifung v/h:          120/70 R17 / 160/60 R15

Sitzhöhe:        820 mm

Tankinhalt:    13,1 l

Leergewicht: 238 kg

Preis inkl. Nk.:           ab 11690 Euro

 

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