Wilde Zeiten: Honda schiebt eine frische Monkey an den Start, das Internet rastet aus und uns ist auch schon warm ums Herz. Aber eine Neuauflage sollte nicht nur vom Nimbus leben.

Kaum ist die Honda Monkey aus dem NEWS-Transporter geschlüpft, bildet sich eine schnatternde Traube aus Redakteuren, Buchhalterinnen und sons­tigen Schaulustigen um das knuffige Retro- Bike. Jeder scheint es zu lieben. Möchte sofort mit ihm zum Strand – wenn es sein muss auch zum Bäcker oder zur Arbeit.
Nach der ersten Schwärmerei herrscht aber überraschende Zurückhaltung. Eine Monkey kaufen? Nee, für jeden Tag ist sie dann doch zu klein. Oder mit gut 4000 Euro inklusive Überführung zu teuer. Oder der fehlende Soziussitz lässt den Deal platzen.
Aber welcher Typ fährt 2018 Monkey? Schwer zu sagen, auch ein Anruf bei Honda Deutschland bringt keine Klärung. Fakt ist: Die neue Monkey sieht ihrem Vorbild zum Verwechseln ähnlich. Honda machte bei den Proportionen keine Experimente. Außerdem schraubten die Japaner blecherne Kotflügel an und holten das Logo der späten 60er und frühen 70er Jahre vom Dachboden.
Also alles wie früher? Leider nein. Oder besser gesagt: Zum Glück nicht. Bei aller Liebe zum Retrokult, kein Mensch braucht ein antiquiertes Fahrwerk, das sich anfühlt als würde man ein flüchtendes Äffchen über Wackelpudding jagen. Ebenso wenig Sechs-Volt-Licht, lasche Bremsen und anderen Graus, der besser in der Vergangen­heit bleiben sollte.

Natürlich hat ein echter Oldtimer seinen ganz eigenen Charme. Doch eine Neuauflage sollte nicht nur vom Nimbus leben, sondern auch technisch überzeugen. Weiße Blinker, der blasse Digitaltacho und die riesige Airbox sind stilistisch trotzdem fragwürdig.
Hält man als Referenz eine Banane neben das Vorbild und die Neue, sieht man, dass sie erheblich gewachsen ist. Das beginnt bei den Rädern. Die ganz frühen Monkey hatten winzige Fünf-Zoll-Felgen und Starrrahmen, später wuchsen die Räder auf acht Zoll. Heute sind es satte zwölf.
Das Leichtkraftrad ist grob ein Drittel größer geworden. Auch als Erwachsener sitzt man auf dem feisten Polster bequem, die Gelenke leiden nicht über Gebühr. Wer mit den Füßen auf den Rasten am Lenkanschlag wenden möchte, muss aber die Beine spreizen, sonst kommen sich Griffe und Knie ins Gehege. Und die vollgetankt 107 Kilo mal eben auf die Deichsel des Wohnwagens wuchten? Da braucht Papa schon Qualm in den Ärmeln.
Technisch basiert die Monkey auf der Honda MSX 125. Der Motor wringt aus seinem Achtelliter Hubraum gute neun PS. Das ist natürlich nichts für Raketenschub, geht aber gut genug, um in der Stadt aus dem Dieselqualm herauszuflitzen. Und macht dabei selber wenig Dreck: Knappe zwei Liter auf 100 Kilometer lässt der Einzylinder in Rauch aufgehen. Der Tank fasst dabei 5,6 Milchtüten voll Dinosaft. Bei monkeytypischen Etappen tankt man ein­mal voll und fährt damit gefühlt ewig.

Und zwar durchaus zügig: Je ruhiger die Hand, desto sauberer die Linie. Die Monkey reagiert promt auf Lenkbefehle und lässt keine klare Trennung zwischen super handlich und kippelig zu. Sie fährt sich so flott und schmissig, dass man fast mehr schalten möchte. Mit dem lang übersetzten und etwas knöchernen Viergang-Getriebe lässt man den Zweiten und Dritten länger stehen.
Das Fahrwerk ist gemütlich weich abgestimmt, die hinteren Federelemente neigen aber auf Buckelpisten zum Durchschlagen. Zumindest wenn man die Zuladung von 104 Kilo ausreizt. Beim Maximum von Tacho gut 100 Sachen hört man noch nicht die Englein singen, die Bremsen sind der Sache ebenso gewachsen. Gesetzeskonform gibt es ein ABS am Vorderrad, hinten ist blocken erlaubt – ideal für Spielkinder. Auch wenn der Schlitter-Spaß wahrscheinlich kein Ge­schenk japanischer Kindsköpfe, sondern eher Produkt des Rotstifts ist.
Unterm Strich ist die Monkey hübsch gemacht, fährt ordentlich und kostet dem­entsprechend viel. Zum Vergleich: Die Honda CB 125 F, ebenfalls ein luftgekühlter Single, gibt es für gut 1000 Euro weniger. Aber wer fährt jetzt eigentlich Monkey? Wohnmobil-Touris, die eleganter Brötchen holen wollen als die Baumarktroller-Kollegen? Fans der alten Monkey, die nicht nur in früheren Abenteuern schwelgen, sondern sie neu erleben wollen? Oder 16-Jährige, die Kult über das letzte Pferdchen stellen? Die Antwort ist universeller: Jeder, dem Freude wichtiger ist als Zahlen.

Bauart: Einzylinder-Viertakt, flüssigkeitsgekühlt,
zwei Ventile pro Zylinder
Hubraum: 125 cm³
Bohrung x Hub: 52,4 x 57,9 mm
Ventile pro Zylinder: zwei
Leistung: 6,9 kW (9,4 PS) bei 7000 min-1
max. Drehmoment: 11 Nm bei 5250 min-1
Umweltstandard: Euro 4
Rahmen: Alurohrrahmen
Nachlauf: 82 mm
Lenkkopfwinkel: 25 Grad
Radstand: 1155 mm
Sitzhöhe: 776 mm
Federweg vorn: 100 mm
Federweg hinten: 104 mm
Reifen v./h.: 120/80-12 / 130/80-12
Bremse vorn: 220-mm-Scheibe mit Doppelkolbenbremszange
Bremse hinten: 190-mm-Scheibe mit Einkolbenbremszange
Tankinhalt: 5,6 l
Werkstattintervalle: 4000 km
Preis zzgl. Nk.: 3875 Euro

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