Als sich die britische Journalistin Lois Pryce 2013 entschließt, als nächstes Ziel einer Motorrad-Reise Schiraz im Iran anzusteuern, weiß sie wie die meisten Westler nicht wirklich, wie es in der Islamischen Republik im Alltag zugeht. Doch stimmt das Bild vom Terrorstaat, das uns seit Ajatollah Khomeinis Revolution gegen Reza Schah in den Medien vorgespielt wird?

Lois erfährt mit ihrer 250er Yamaha einen schizophrenen Gottesstaat: Auf der einen Seite der offizielle Iran mit seinen unzähligen Verboten und Restriktionen, seinen Sittenwächtern und allmächtigen Revolutionsgarden, denen schon viele Kritiker zum Opfer fielen und nie wieder gesehen wurden. Doch als heimlichen Gegenpol lernt sie den privaten Iran kennen, der sie gastfreundlich empfängt, wo man durchaus zu feiern weiß, Westprodukte, Alkohol und sogar Schweinfleisch bekommen kann – wenn man die richtigen Leute kennt und nach außen den Schein wahrt.

Dass sie dabei als Frau auf dem Motorrad immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, sorgt für brenzlige, für bedrohliche Situationen. Einmal etwa wird sie von Mitgliedern der Basidsch-Miliz bedrängt, was nur dank der Beziehungen ihres Begleiters ein gutes Ende nimmt. Doch auf der anderen Seite lernt sie wegen ihres Exoten-Status interessante Iraner kennen, die den Gottesstaat auf ihre Art zu meistern wissen. Das Leben in ihrer Heimat sei echt, sei wirklicher als woanders, begründen ihre Bekanntschaften meist den Entschluss, trotz der Unterdrückung allen westlichen Frohsinns im Iran zu bleiben. Echt und wirklich erlebt auch Lois zunehmend ihre Reise nach Schiraz, wobei sie ihre Weltsicht bestätigt findet: Regierung und Volk sind zwei separate Einheiten.

Eine spannende Lektüre nicht nur für Motorrad-Reisende, die überraschende Einblicke in die Wirklichkeit eines von der Welt abgeschotteten Landes gewährt. 320 Seiten im Taschenbuch-Format, erschienen im DuMont Reiseverlag für 16,99 Euro.