Was haben Harley-Davidson und ein Route 66-Trip gemeinsam? Richtig: Will fast jeder, ist aber elend teuer. Gott sei Dank kann man auch für eine Handvoll Euros cruisen. Großes Feeling – kleines Geld, heißt die Devise. NEWS stellt zehn Cruiser für Sparfüchse vor.

Eine große Enttäuschung gleich zu Anfang: Wenn man nur 3000 Euro in der Tasche hat, wird es wohl nichts mit der Harley. Seriöse Sportster für diesen Kurs sind extrem rar gesät. Es sei denn, man akzeptiert ein Teilelager ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wer auf die „Great American Freedom Machine“ (Original-Harley- Marketing-Wortwahl) verzichten kann, findet auf dem Gebrauchtmarkt viele Alternativen. Manche nah am Vorbild, andere sehr eigenständig und durchaus mit Charakter. Auch Selbstschrauber finden eine gute Basis für ihr eigenes Custombike oft schon für kleines Geld.
Unsere Kandidaten sind fast alles Youngtimer. Das sollte man bei der Besichtigung im Hinterkopf behalten: Teile wie Dichtungen und Simmerringe kosten oft nur wenige Euro, binden aber für Stunden ans heimische Schrauberstübchen. Oder produzieren saftige Werkstattrechnungen. Also genau hinschauen und derartige Arbeiten mit einkalkulieren. Oder die Karte noch mal in den Automaten schieben, falls möglich. Denn das bessere Motorrad ist meist auch der bessere Kauf, selbst wenn es ein paar Hunderter mehr kostet.
Doch ein kritischer Blick lohnt sich in zweifacher Hinsicht: In der Cruiser-Szene wird kräftig individualisiert. Lenker, Fußrasten und Sitze werden ebenso oft getauscht wie Auspuffanlagen und Kennzeichenhalter. Spiegel und Blinker gehören fast schon zum guten Ton. Aber nicht alles, was der Zubehörmarkt oder auch die Hersteller selbst zur Veredelung anbieten, besteht auch vor den Argusaugen der technischen Prüfer.
In unserer Auflistung finden sich Maschinen, die zu ihrer Zeit eindeutig ein Stück vom Chrom-und-Flammen-Kuchen des letzten Jahrezehnts abhaben wollten. Suzuki VS 800 Intruder, Kawasaki VN 800 Classic, Honda VT 600 Shadow und Yamaha XV 535 Virago – sie gefallen mit schönem Styling und verlässlicher  japanischer Großserien-Technik. Aber sogar Individualisten wie die Triumph Legend TT oder die Moto Guzzi Nevada oder California sind unter bestimmten Voraussetzungen für kleines Geld zu haben.
Dass es auch ohne Zweizylinder-V-Motor geht, beweisen Kawasaki Eliminator 900, Honda VF 750 C Magna mit ihrem räudigen V4 und die Suzuki LS 650 mit ihrem Einzylinder-Dampfhammer. Cruiser-Liebhaber merken sofort: Da geht richtig was.

Honda VT 600 Shadow

Technik (Baujahr 1995, Herstellerangaben)
Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, drei Ventile pro Zylinder, wassergekühlt
Hubraum: 583 cm3
Leistung: 30 kW (41 PS) bei 6500 min-1
Drehmoment: 51 Nm bei 3500 min-1
Bereifung v/h: 100/90-19 / 170/80-15
Tankinhalt: 11 l
Gewicht: 212 kg

Anno 1988 waren Japan-Chopper noch Straßenmotorräder mit unpraktischen Tropfentanks, unbequemen Stufensitzen und hässlichen Hirschgeweihlenkern. Zumindest bis auf Suzukis Intruder. Mit der VT 600 Shadow holte Honda in jenem Jahr zum Gegenschlag aus. Der Dreiventil-V2 stammt aus dem Regal der als unverwüstlichem Dauerläufer bekannten Transalp. Für den Cruiser-Einsatz sackte die Leistung auf 41 PS. Die Shadow begeisterte ihre vielen Fans mit authentischem Styling. Die Cantilever-Federung täuscht einen Starrahmen vor. Schon im zweiten Jahr wuchs der Tank von neun auf elf Liter, 1996 führte Honda ein Fünfganggetriebe ein. Die Shadow hat eigentlich keine technische Schwächen, das macht sie zum dankbaren Gebrauchtkauf. Wenn der Vorbesitzer sie nicht vernachlässigt hat, dürfte nichts anbrennen.

Preise: Die 600er Honda Shadow lässt preislich sogar noch Luft für Detailarbeit und Individualisierung: Frühe Modelle gehen schon bei 1500 Euro los. Wohlgemerkt fahrbereit und ohne gravierende Mängel, teils sogar frisch getüvt. Top-Teile liegen um 2700 Euro – da muss man meist nur das eigene Nummernschild dranschrauben.

Honda VF 750 C Magna

Technik (Baujahr 1993, Herstellerangaben)
Motor: Vierzylinder-Viertakt-V, vier
Ventile pro Zylinder, wassergekühlt
Hubraum: 748 cm3
Leistung: 63 kW (86 PS) bei 9500 min-1
Drehmoment: 68 Nm bei 7500 min-1
Bereifung v/h: 110/90-18 / 130/90-16
Tankinhalt: 11 l
Gewicht: 247 kg

Mit Bummeln hat die Honda VF 750 C Magna dank ihres kräftigem Motors wenig am Hut. Mit dem Vierventil-V4 geht sie wie die wilde Wutz und sprintet in etwa vier Sekunden von Null auf Hundert. Das Aggregat kam auch in der Sportversion VF 750 Interceptor und der tourentauglichen VF 750 Sabre zum Einsatz. Größte Schwachstelle der Motoren sind die Zylinderköpfe und Nockenwellen. Speziell der hoch stehende hintere Kopf leidet für eine Honda relativ oft unter mangelhafter Ölversorgung und verschleißt die Nockenwellen vor der Zeit. Härtungsfehler führen außerdem gelegentlich zu brechenden Nockenwellen während der Fahrt. Auch Rostfraß an der Auspuffanlage ist ein Thema. Dem steht eine Bremsanlage mit zwei 275er-Scheiben vorne entgegen. Die gasdruckunterstützten Stereofederbeine lassen sich mehrfach verstellen.

Preise: Solide Exemplare beginnen zwischen 2000 und 3000 Euro. Es gibt auch günstigere Inserate, allerdings sind sie oft verbastelt und/oder tragen hohe fünfstellige Laufleistungen. Die hohen Kilometerzahlen haben auch etwas Gutes: Sie sind ein klares Zeichen für die Haltbarkeit der gesamten Konstruktion.

Kawasaki VN 800 Classic

Technik ( Baujahr 1996, Herstellerangaben)
Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, vier
Ventile pro Zylinder, wassergekühlt
Hubraum: 805 cm3
Leistung: 40 kW (55 PS) bei 7700 min-1
Drehmoment: 64 Nm bei 3300 min-1
Bereifung v/h: 130/90-16 / 140/90-16
Tankinhalt: 15 l
Gewicht: 256 kg

Böse Zungen behaupten, die VN 800 Classic sei ein Fat-Boy-Klon. Und optisch haben sie damit sogar recht. Nur, dass die VN 1996 gerade halb so viel kostete wie ein echter Milwaukee-Twin. Und der V2 fast schon ein Sporttwin ist: Denn fahrdynamisch braucht sich der Nippon-Cruiser nicht zu verstecken. Der Motor schüttelt seine Kraft ganz lässig aus dem Ärmel, ist dabei ausgesprochen drehfreudig und lässt im Zweifel auch eine schärfere Gangart zu. Fahrwerk und Bremsen sind auf der Höhe ihrer Zeit, das Federbein ist allerdings eher von der härteren Sorte. Ein kleines Manko ist die Kupplung, denn sie trennt beim Kaltstart schlecht. Im Laufe der Bauzeit änderten die Ingenieure zweimal die Position des Kennzeichens. Sonst aber nichts. Was läuft, das läuft eben.

Preise: Gute Exemplare der semisportlichen Kawasaki schöpfen unser Budget voll aus. Genau vergleichen lohnt sich, denn die Kilometerleistungen schwanken im Preisrahmen weniger hundert Euro zwischen 20 000 und 70 000 Kilometern. Einige Verkäufer lassen sich zudem verbautes Zubehör teuer bezahlen.

Kawasaki ZL 600 Eliminator

Technik (Baujahr 1986, Herstellerangaben)
Motor: Vierzylinder-Viertakt-Reihe, vier Ventile pro Zylinder, wassergekühlt
Hubraum: 592 cm3
Leistung: 54 kW (74 PS) bei 10 500 min-1
Drehmoment: 54 Nm bei 8500 min-1
Bereifung v/h: 100/90-18 / 150/80-15
Tankinhalt: 12,3 l
Gewicht: 209 kg

Das Konzept des Power-Cruisers ist viel älter als Harley V-Rod Muscle oder die gerade top­aktuelle Ducati XDiavel. Mit der Eliminator zielte Kawasaki schon Mitte der 80er Jahre weniger auf die bummeligen Sonntage oder Flaniermeilen, sondern eher auf die Freunde des knackigen Ampelsprints. Ihr wassergekühlter Reihenvierzylinder ist von der GPZ 600 R abgeleitet. Allerdings hat die Eli etwas kleinere Vergaserdurchlässe und andere Steuerzeiten, um den Druck in tiefere Drehzahlregionen zu verfrachten. Frühe 600er leisten zornige 74 PS. Die Modelle der zweiten Importwelle ab 1995 unterliegen strengeren Abgasnormen, müssen sich mit 61 PS begnügen und verbrauchen bei zügiger Fahrweise deutlich mehr Benzin. Dafür trumpfen sie mit besseren Bremsen und schönen Drahtspeichenrädern auf.

Preise: Ur-Elis sind mittlerweile selten und entsprechend teuer. Ebenso rar ist die mächtige 900er, die zu ihrer Zeit nur als Grauimport nach Deutschland kam. Die zweite Eliminator-Serie ist stärker im Markt vertreten. Kraftvoller Antritt muss nicht teuer sein: Gute Exemplare des kultigen Powercruisers bekommt man schon für unter 2000 Euro.

Moto Guzzi California 1100

Technik (Baujahr 1994, Herstellerangaben)
Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, zwei Ventile pro Zylinder, luftgekühlt
Hubraum: 1064 cm3
Leistung: 54 kW (73 PS) bei 6400 min-1
Drehmoment: 94 Nm bei 5000 min-1
Bereifung v/h: 110/90-18 / 140/80-17
Tankinhalt: 19 l
Gewicht: 251 kg

V2-Sound, viel Chrom und eine lange Tradition bietet die Moto Guzzi California. Dazu ist sie dank des handlichen Fahrwerks ausgesprochen fahraktiv. Anno1994 konnten die Kunden zwischen Vergasern und Einspritzung (1100 i) wählen. Erst 1997 stellte Guzzi mit der California 1100 EV grundsätzlich auf elektronische Gemischaufbereitung und Digital-Zündung um. Bei jeder der drei Varianten muss man allerdings auf die Kupplung achten, zum Wechsel muss nämlich der Motor raus. Und manche Rabauken ziehen eine Kupplung häufig schon bei 50 000 Kilometern blank. Weitere Schwachstellen sind die Steuerkettenspanner und der elektronische Drehzahlmesser. Außerdem kämpfen die Bellas vom Comer See in unseren Breiten mit öfter Korrosion, wenn sie zu wenig Liebe bekommen.

Preise: Die California 1100 kratzt hart am oberen Ende des Preislimits. Geduld ist bei der Suche genauso wichtig wie etwas Verhandlungsgeschick, denn die fahraktiven Guzzis wechseln eher selten den Besitzer. Und sie laufen und laufen: Calis mit Einspritzung haben in der Regel schon die 100 000-Kilo­meter-Schallmauer geknackt.

Moto Guzzi Nevada 750

Technik (Baujahr 1992, Herstellerangaben)
Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, zwei Ventile pro Zylinder, luftgekühlt
Hubraum: 749 cm3
Leistung: 35 kW (48 PS) bei 6200 min-1
Drehmoment: 60 Nm bei 3600 min-1
Bereifung v/h: 100/90-18 / 130/90-16
Tankinhalt: 16 l
Gewicht: 191 kg

Ganze 531 Stück brachte Moto Guzzi von der Nevada 750 zwischen 1991 und 2003 in Deutschland auf die Straße. Zu ihren Erkennungszeichen zählt der 80er Jahre-Barockstil, den die Nevada von ihren direkten Vorfahren V35/V50 C und Florida geerbt hat. Aber dieser Stil kam einfach nicht mehr an. Halb so wild für Guzzi, denn im Heimatland verkauften sich die Maschinen immer noch passabel. Entsprechend dünn ist aber heute das Angebot an Gebrauchtmaschinen in Deutschland. Doch wer einen Charakterkopf mit ganz eigenem Flair sucht, findet ihn in der Guzzi eher als bei den japanischen Mitbewerbern und kann sich auf die Suche machen. Zu den Schattenseiten der exotischen Nevada 750 gehören der wenig lebhafte Motor und ein Getriebe mit langen Schaltwegen, auf der Habenseite steht der pflegeleichte Kardanantrieb.

Preise: Vergaser-Nevadas mit rund 30 000 Kilometern findet man zwischen 2000 und 2500 Euro. Für die ab 2004 angebotene und gründlich überarbeitete Nevada 750 i.e. mit Einspritzung und 87 Prozent Neuteilen muss man entweder tiefer in die Tasche greifen oder aber hohe Laufleistungen in Kauf nehmen.

Suzuki LS 650 Savage

Technik (Baujahr 1992, Herstellerangaben)
Motor: Einzylinder-Viertakt, vier Ventile pro Zylinder, luftgekühlt
Hubraum: 647 cm3
Leistung: 20 kW (27 PS) bei 5200 min-1
Drehmoment: 46 Nm bei 3000 min-1
Bereifung v/h: 100/90-19 / 140/80-15
Tankinhalt: 11 l
Gewicht: 171 kg

Wer mit V-Twin-Kult nichts am Hut hat, findet mit der LS 650 einen puristischen Chopper – so puristisch, dass er sich auf einen stehenden Einzylinder-Motor beschränkt. Selbstbeschränkung gibt es auch beim Sitzplatz, denn die Ergonomie ist für Kerls über 1,80 Meter weniger geeignet. Bis 1990 galt es, vier Gänge zu sortieren, später gab es derer fünf. Die nächste Entwicklung kam 1994, als die 27-PS-Regelung der Versicherer auf 34 Pferdestärken hochgestuft wurde. Die LS verlor ihre Drossel per Gasschieberanschlag und leistete nun 31 PS. Den Sekundärantrieb besorgt ein Zahnriemen, der sollte beim Kauf ebenso wie die Riemenscheiben kontrolliert werden. Beides hält zwar lange, ist es mal fällig, wird es aber teuer. Besonders das hintere Pulley treibt die Werkstattrechnung in die Höhe, da Radmitnehmer samt Ruckdämpfer ausgebaut werden müssen.

Preise: Gute Savages mit dem deftigen Eintopf gibt es teilweise schon um 2000 Euro. Wer 500 Schleifen mehr in die Hand nimmt, findet auf dem Markt sogar pieksaubere LS 650 mit geringer Laufleistung. Für in Eigenregie ausgeführte Bobber-Umbauten rufen ihre Besitzer allerdings oft Liebhaberpreise auf.

Suzuki VS 800 Intruder

Technik (Baujahr 1996, Herstellerangaben)
Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, vier
Ventile pro Zylinder, wassergekühlt
Hubraum: 805 cm3
Leistung: 37 kW (50 PS) bei 6400 min-1
Drehmoment: 67 Nm bei 3700 min-1
Bereifung v/h: 80/90-21 / 140/90-15
Tankinhalt: 12 l
Gewicht: 216 kg

Näher kommt wohl kaum ein Japaner an eine Harley ran: Schon der Name Intruder, übersetzt „Eindringling“, weißt darauf hin, dass zunächst die VS 750 und dann die VS 800 im Hoheitsgebiet der Sportster wildern wollten. Und tatsächlich stellte die Trude das Ami-Eisen in Europa bei den Stückzahlen mühelos in den Schatten. Die Konstruktion war von Anfang an solide, über die Bauzeit veränderte Suzuki kaum etwas an der Intruder. Und warum auch? Das Konzept funktionierte. Besonders der Zweizylinder-V mit 45 Grad Hubzapfenversatz fand mit hoher Elastizität schnell viele Freunde. Der Motor ist mit 50 PS auch für die flottere Gangart zu haben, das Fahrwerk fordert dann aber ein gerütteltes Maß an Courage. Etwas untypisch fürs Genre sitzen die Fußrasten auf Höhe der Mitte des Motors. Qualitative Schwachstellen sind nicht bekannt.

Preise: Mit etwas Glück gibt es eine vernünftige 800er für etwa 2200 Euro. Die fast baugleiche 750er ist zwar seltener, kostet meist aber trotzdem ein paar Hunderter weniger. Die kräftigere VS 1400 reißt jedoch unser Budget knapp. Wer 3500 bis 4000 Euro auf der hohen Kante hat, kann zur Großen greifen.

Triumph Thunderbird

Technik (Baujahr 2000, Herstellerangaben)
Motor: Dreizylinder-Viertakt-Reihe,
vier Ventile pro Zylinder, wassergekühlt
Hubraum: 885 cm3
Leistung: 51 kW (69 PS) bei 8000 min-1
Drehmoment: 69 Nm bei 4000 min-1
Bereifung v/h: 120/70-17 / 160/60-17
Tankinhalt: 15 l
Gewicht: 230 kg

Schon Anfang der 2000er Jahre ließen die Briten ihren Retro-Rocker auf die Straße. Neben der normalen Thunderbird gab es die Legend TT als günstigere Version. Der Dreizylinder-Motor unterscheidet sich lediglich durch den schwarzen Lack. Die Legend lässt zwar das heisere Triple-Röcheln in der Mitte etwas vermissen, obenrum faucht sie aber schön. Die konischen Endschalldämpfer und die 17-Zoll-Speichenräder spendete die Thunderbird Sport. Ein neues Rahmenheck sorgt für die mit 725 Millimetern ausgesprochen niedrige Sitzposition. Zusammen mit spielerischem Handling ist so der Spaß im Sattel garantiert. Für längere Trips zu zweit ist das Heck der Legend etwas unterdämpft. Qualitativ war Triumph mit Legend TT schon in der Neuzeit angekommen.

Preise: Zugegeben: Um eine Thunderbird oder Legend TT für unter 3000 Euro zu schießen, braucht man etwas Glück. Doch immer wieder tauchen einzelne Exemplare auf – zwar teils mit hohen Laufleistungen aber noch nicht am Ende. Wer sich nicht scheut, selbst zum Schraubenschlüssel zu greifen, kann hier ein Schnäppchen machen.

Yamaha XV 535 Virago

Technik (Baujahr 1996, Herstellerangaben)
Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, zwei Ventile pro Zylinder, luftgekühlt
Hubraum: 535 cm3
Leistung: 33 kW (44 PS) bei 7500 min-1
Drehmoment: 48 Nm bei 6000 min-1
Bereifung v/h: 3.00 S 19 / 140/90 S 15
Tankinhalt: 8,6 l / 13,5 l
Gewicht: 182 kg

Sie ist der VW Golf unter den Cruisern: Yamaha entwickelte die 535er Virago mit Blick auf den nordamerikanischen Markt – und feierte sensationelle Erfolge in Europa. Allein in Deutschland fanden zwischen 1987 und 2003 über 56 000 Maschinen einen Besitzer. Entsprechend gut ist die Virago auch im Gebrauchtmarkt vertreten. Die ersten Virago-Fahrer mussten mit einem 8,6-Liter-Tank auskommen – nicht besonders üppig, denn die 34er Mikuni-Vergaser lassen im Schnitt fünf Liter Sprit durch. Für das Modelljahr 1989 erhielt das unter der Sitzbank versteckte Kraftstoffreservoir einen 4,9 Liter fassenden Zusatzbehälter. Ab 1995 betätigten zwei Bowdenzüge die Vergaser desmodromisch. Außerdem verbaute Yamaha eine Doppelkolben-Bremszange und eine gelochte Bremsscheibe vorne. Wer mehr Bumms will, greift für entsprechend mehr Geld zur 1100er.

Preise: Für unser Budget von 3000 Euro findet sich auf den Gebrauchtbörsen eine hübsche Auswahl an Motorrädern der letzten Serie mit Laufleistungen zwischen 20 000 und 30 000 Kilometern. Wer nur die Hälfte locker machen will, springt an den Anfang der Neunziger zurück und muss mehr Kilometer akzeptieren.

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