Mit der Honda CMX 500 Rebel treibt Honda den Nonkonfirmismus auf die Spitze. Aber wie cool können 5990 Euro sein? NEWS cruiste, bobberte und bretterte durch Katalonien. 

von Guido Bergmann, Fotos F. Montero/Zep Gori

Wenn nur David Bowie nicht wäre. Seit ich ins Rebel-Sofa gesunken bin, läuft er in meinem Kopf in Endlosschleife. Und das, obwohl ich nur den Refrain kenne. „Rebel, rebel, doo doo doo-doo doo…“. Das ist hart, aber dafür kann ja die Rebel nichts.
Vermutlich ist Glamrock auch gar nicht ihre Richtung. Denn obwohl 471er Reihenzweizylinder, Wasserkühlung und Stufenführerscheintauglichkeit verdächtig nach Barry Manilow oder Andreas Bourani klingen: In Wahrheit ist die Rebel einer der letzten Punks der Motorradszene.

Vermutlich ist Glamrock auch gar nicht ihre Richtung. Denn obwohl 471er Reihenzweizylinder, Wasserkühlung und Stufenführerscheintauglichkeit verdächtig nach Barry Manilow oder Andreas Bourani klingen: In Wahrheit ist die Rebel einer der letzten Punks der Motorradszene.

Nein, sie lungert natürlich nicht am Bahnhof rum, säuft Lambrusco und schickt den Hund zum Betteln. Aber sie scheißt aufs System. Leistung, Reichtum, Gesellschaftsordnung? Darüber sollen sich andere den Kopf zerbrechen. Die Rebel macht ihr Ding. Und das macht sie gut.

In erster Linie natürlich: anders aussehen. Chopper? Bobber? Citybike? Von allem etwas aber eigentlich alles nicht. Vor der Rebel steht man wie vor einem Alien, bei dem man nicht weiß, ob es Männchen oder Weibchen ist. Schon mit Hondas Batman-Roller NM4 Vultus hat Projektleiter Keita Mikura bewiesen, wie egal ihm Klassenzugehörigkeit ist. Nun zeigt er, wie cool Minimalismus sein kann.
Im weitesten Sinne handelt es sich hier natürlich um ein Custom-Bike. Man könnte auch Softchopper sagen. Aber das wäre ungerecht. Die Rebel ist keine CB 500 in Nietenjacke. Sondern ein eigensinniger Charakter, der lediglich den grundsoliden, auf fülligeres Drehmoment abgestimmten Motor als schwarze Seele übernimmt. Auch der Schalldämpfer setzt auf Mattlack statt Glitzerchrom. Er spuckt sozialverträgliche Töne. Die Rebel ist ein freundlicher Punker.
Die Kontaktaufnahme ist dann auch alles andere als garstig. Der Fahrersitz liegt mit 69 Millimeter knapp über Kniehöhe. Tank und Rahmen sind so super-tailliert, dass selbst der Zweizylinder links und rechts noch rausguckt. Der halbhohe Lenker fällt wie von selbst in die Hände. Nur die Schuhe müssen erst mal suchen. Die Rasten sind nicht da, wo man sie erwartet. Sondern an bemerkenswerten Auslegern irgendwo in der Mitte. Ziemlich genau wie bei Harleys Sportstern. Und wie diese soll die Rebel ja nicht nur für Bummelei, sondern auch zum richtigen Motorradfahren taugen.

Flanieren geht schon mal gut. Abgesehen vom engen Kniewinkel fühlt sich Barcelona bei Nacht enorm lässig an. Mit zunehmender Düsternis lässt sich auch die digitale Runduhr noch besser ablesen, die Honda mal wieder im rätselhaften Finster-Look gestaltet hat. Aber das ist nur eine Randnotiz. Die Rebel ist im Großstadtdschungel spürbar zu Hause. Leicht, lässig, handlich – warum sollte man hier eigentlich Roller fahren?
Zumal es zum Ace Cafe geht. Da haben Rollerfahrer traditionell einen schweren Stand. Aber war das nicht mal in London? Ja, aber wie viele alte Engländer gönnt sich die legendäre Rocker-Pinte einen Zweitwohnsitz, um die morschen Knochen in die Sonne zu halten. Noch ist die Filiale eher eine Kantine mit Parkplatz. Trotzdem ein guter Ort, die Rebel im Neonlicht zu betrachten.
Viel ehrlicher lässt sich ein Motorrad wohl nicht bauen. Und im Handumdrehen könnte man die Honda sogar noch schicker machen. Soziussitz und Soziusrasten sind wie zum Abschrauben gemacht. Faltenbälge dran, Blinker und das Rücklicht aus alten Africa-Twin-Beständen durch LED ersetzt, und schon wäre die Rebel noch cooler. Auspuff, Scheinwerfer, Seitendeckel: Kaum ein anderes Motorrad macht es so leicht, das Customizing selbst in die Hand zu nehmen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Aufständische mit sechstausend Euro kaum mehr kostet als eine Handvoll Harley-Zubehörrohre.

Die Basis kann grundsätzlich so bleiben. Die einsame 264er Scheibe am Vorderrad wird mit dem Spargelcruiser gut fertig, die Schräglagenfreiheit reicht, und die Federelemente servieren solide Hausmannskost. Die vorspannbaren Stereodämpfer müssen sich allerdings mühen, aus ihrem knappen Arbeitsweg so etwas wie Komfort zu pressen.

Erst als unser Tourguide am nächsten Tag seiner Africa Twin die Sporen gibt, als hätte man ihm Amphetamine in den Kaffee gekippt, zeigt die Rebel, dass sie keine Lust hat, sich hetzen zu lassen. Zwar reichen 46 PS auch auf katalanischer Küstenpiste für pupillenerweiterndes Tempo. Doch beim harten Bremsen verwindet sich die Gabel, das Fahrwerk gautscht und Bodenwellen in der Kurve fegen die Füße von den Rasten.
Aber dass die Rebel auf die Leistungsgesellschaft pfeift, wussten wir ja längst. Was nicht heißt, dass man mit ihr nicht jede Menge anarchischen Spaß haben könnte. Möglicherweise sogar mehr als mit aufgedonnerten Luxusbikes. Echte Rebellion kam schließlich noch nie von oben.
Guido Bergmann

Technische Daten Honda CMX 500 Rebel

Motor: Zweizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile/Zylinder
Hubraum:
471 cm³
Leistung:
34 kW (46 PS) bei 8500 min-1
Drehmoment:
43 Nm bei 6000 min-1
Bremse v./h.:
264-mm-Scheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel / Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel
Reifen v./h.:
130/90-16/ 150/80-16
Sitzhöhe:
690 mm
Tankinhalt:
11,2 Liter
Leergewicht:
190 kg
Preis inkl. Nk.:
5990 Euro

www.honda.de