Seit Februar dürfen in französischen Ballungsräumen keine Motorräder vor EZ Juni 2000 mehr fahren. Wäre das auch bei uns ein sinnvolles Konzept, um die Luftqualität zu steigern?

Detlev Louis ist unter Motorradfahrern für sein umfangreiches Angebot an Bekleidung, Technik- und Zubehörartikeln bekannt. Die Hamburger versorgen mit über 70 Filialen Deutschland, Österreich und die Schweiz. Linda Schäfer kümmert sich bei Louis um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Tilman Sanhüter stellte ihr die Frage des Monats.

Linda Schäfer: „Ganz klar: Ich mag alte Bikes und meins ist vor Juni 2000 zugelassen. Ich möchte trotzdem gerne weiterhin die Zentren dieser Welt mit meinem Motorrad besuchen. Ich mag es, andere Länder mit dem Motorrad zu bereisen und finde es schön unbegrenzte Möglichkeiten zu haben, die Freiheit zu genießen. Außerdem ist man gerade in großen Städten mit dem Motorrad viel flexibler und die Parkplatzsuche ist zum Beispiel problemlos. Alte Motorräder sind ein Stück Kulturgeschichte und ein Hobby für Motorrad-Liebhaber. Ich frage mich, ob sie von der Anzahl her in Umweltschutzfragen wirklich relevant sind? Den Sinn einer solchen politischen Symbolaktion in Zeiten der Abgasskandale bezweifle ich.“ www.louis.de.

Meike und Ronald Dede führen die Pension „Der Berghof“ in Braunlage im Kurvenparadies Harz. Dort gibt es eine Garage für Motorräder, eine Schrauberecke, Rückholservice für Liegenbleiber und geführte Touren. Heike Krückemeier stellte die Frage des Monats.

Ronald Dede: „Meines Erachtens ist das kein sinnvolles Konzept. Da es immer weniger ältere Motorräder gibt, wäre der Effekt zur Verbesserung der Luftqualität nur marginal messbar. Die größten Umweltsünder sind nunmal die Industrie und auch die LKW. Bei diesen Verursachern könnte man viel schneller einen größeren Erfolg zur Luftverbesserung erzielen.“ www.pension-der-berghof.de.

SK-Bikes in Bad Kreuznach ist Vertragshändler für Triumph, KTM, Indian und Peu- geot. Stefan Kümpel und sein Team bieten neben Neufahrzeugen immer ein großes Angebot an Gebrauchten. Das Unternehmen expandiert seit fast 20 Jahren stetig und sucht fast immer Mitarbeiter, die das gut eingespielte Team bereichern möchten. Susanne Roth stellte Kundenberater Marcus Grüter die Frage des Monats.

Marcus Grüter: „Ich persönlich halte ein Fahrverbot für Motorräder mit EZ vor Juni 2000 in Ballungsräumen für nicht sinnvoll. Zweiräder tragen sogar zur Entlastung des Verkehrs in Ballungsräumen bei, auch ältere Modelle. Motorräder ‚verstopfen’ zum einen nicht so die Straßen, da sie einfach weniger Platz benötigen, als ein Auto, was zu weniger Stau in den Städten führt und somit auch zu weniger Abgasen durch einen fließenden Verkehr. Zum anderen fahren Motorräder sparsamer als Autos, sogar die älteren Modelle. Mit einem kleineren Fortbewegungsmittel, wie einem Motorrad, sucht man auch nicht ewig nach einem Parkplatz und fährt sicherlich ein paar Runden weniger durch die Stadt. Ich halte die Umsetzung weder in Deutschland, noch in Frankreich für sinnvoll, da ich – auch ältere – Motorräder eher für Stauvermeider halte.“ www.sk-bikes.

Bereits seit 1996 betreibt Andreas Brandt in Berlin das Zweiradcenter Brandt am Treptower Park. In seiner typenoffenen Werkstatt bietet er Service und Reparaturen vor allem für japanische Motorräder und Roller. Jahrelang führte er selbst ein Team in der IDM und betreut noch heute einige Rennsportteams. Detlev Blum fuhr bei ihm vorbei und stellte die Frage des Monats.

 

Andreas Brandt: „Ein solches Gesetz macht in Berlin überhaupt keinen Sinn. Der Anteil von Motorrädern, die älter als 15 Jahre sind, am Gesamtverkehrsaufkommen ist verschwin- dend gering. Zudem haben Messungen gezeigt, dass korrekt eingestellte Vergasermotoren nicht zwangsläufig mehr Schadstoffe produzieren als Einspritzer ohne Kat. Ein Einfahrverbot würde im schlimmsten Fall dazu führen, dass Besitzer älterer Bikes auf das Auto umsteigen und dann in der Innenstadt bei der Parkplatzsuche Runde um Runde drehen. Damit ist dann wirklich niemandem geholfen.“ www.zweirad-center-brandt.de.

Seit 2007 ist KTM-Gerstmann in Hagen ansässig. Inhaber Sven Gerstmann ist nicht nur KTM-Vertragshändler, sondern auch für Husqvarna. Hauptsächlich beschäftigt sich das Team mit dem normalen Service wie Instandsetzung, Überholung und Optimierung. Allerdings werden den Kunden besondere Kenntnisse im Supermoto-Bereich geboten, denn Sven und sein Mitarbeiter Rene sind in ihrer Freizeit selber auf der Rennstrecke anzutreffen. Gianna Gielsok schaute bei Sven vorbei und stellte ihm die Frage des Monats.

Sven Gerstmann: „Ich glaube kaum. Ich glaube, dass die Motorräder, die sowieso auf den Straßen sind, sich nicht in Städten aufhalten sondern die meisten über Land unterwegs sind. Ich denke, dass eine solche Beschränkung keinen Sinn macht, denn was sind Ballungszentren? Das sind Großstädte und normal sind Motorradfahrer eher außerhalb anzutreffen. Außerdem denke ich, würde sich die Luftqualität kaum messbar verbessern, wenn man Motorräder in Ballungszentren verbieten würde, denn der Großteil der Fahrzeuge dort sind sowieso LKW und PKW.“ www.ktm-gerstmann.de

Frank Jörger, Inhaber vom Moto-Bike-Shop in Offenburg, war bis 1994 leidenschaftlicher Rennfahrer und ist seit fast 20 Jahren kompetenter Ansprechpartner im Motorradbusiness. Der Zweiradmechanikermeister ist mit seinem Team weit über den Ortenaukreis bekannt. Als zuverlässiger Ducati- Vertragshändler bietet seine Meisterwerkstatt Inspektionen, Revisionen, Umbauten und Tuning sowie Optimie- rung auf dem Fuchs-Leistungsprüfstand. Auf über 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche findet man jede Menge Motorräder aller Marken und Bekleidung. Birgit Dietrich stellte die Frage des Monats.

Frank Jörger: „Die älteren Vergasermodelle sind im Ver- gleich zu den neuen Einspritz-Modellen natürlich um- weltbelastender. In französischen Ballungsräumen mag der Anteil der im Verkehr teilnehmenden älteren Zweiräder auf Grund der hohen Verkehrsdichte und des milden Klimas höher sein. In Deutschland denke ich sind die Zweiräder mit EZ vor Juni 2000 nur ein Bruchteil der Verkehrsteilnehmer. Die Relation des Schadstoffausstoßes, der im Verkehr teilnehmenden PKW steht hier in keinem Verhältnis. Bei dem heute stetig wachsenden Verkehrsaufkommen sind Zweiräder auf jeden Fall große Stauvermeider. Sie lösen auf Grund des kleineren Platzbedarfes mitunter das Parkplatzproblem der Ballungsräume. Vom Spaßfaktor ganz abgesehen.“ www.motobike.de

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