Die Überlegungen, allen Autofahrern ab 25 mit fünf Jahren Verkehrserfahrung das Führen von 125ern nach ein paar Pflichtstunden zu erlauben, ist in aller Munde. Seht ihr eine neue Chance für den Markt oder befürchtet ihr eine Zunahme der Unfallzahlen?

Mit über 220 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist der Kieler-Rollermarkt der Anlaufpunkt für Scooter-Freunde im Norden. Vor Ort finden sich Modelle von Piaggio, Vespa, Aprilia, Gilera, Peugeot und Kymco. Und in der angeschlossenen Werkstatt kümmert sich Inhaber Michael Rutthoff und sein Team um die Belange der Zweiräder. Die Frage des Monats stellte Willi Johst.

Michael Rutthoff: „Ich bin absolut dafür, dass diese Führerscheinregelung in Kraft tritt. Mein Hauptargument ist, dass dadurch der gesamte Straßenverkehr entlastet wird. Egal ob in der Stadt oder bei Überlandfahrten. Schließlich fährt man oftmals mit dem Auto in die Stadt, um kleine Erledigungen zu machen. Diese könnte man ja auch mit einem kleineren Gefährt, wie einer 125er erledigen, mit der die Umwelt nicht so stark belastet wird. Der Vorschlag mit den Fahrstunden und der Erfahrung im Straßenverkehr als Vorrausetzung gefällt mir gut, da dadurch die Sicherheit mehr gewährleistet ist. Wahrscheinlich werden es in der Anfangsphase es trotzdem einige Unfälle in die Statistik schaffen. Aber das ist ja immer so, wenn etwas Neues in Kraft tritt.“

www.kielerrollermarkt.net

Das Motorradhaus Gede ist seit über 37 Jahren als Honda-Vertragshändler in Taunusstein bei Wiesbaden vertreten. Mit langjähriger Erfahrung und Kompetenz bietet man den Kunden ein lockeres und qualitätsbewusstes Auftreten. Nick Druckenmüller unterstützt als Sohn des Inhabers, Michael Druckenmüller, seit über drei Jahren tatkräftig das Geschäft. Die Frage des Monats stellte Susanne Roth.

Nick Druckenmüller: „Wenn ein vereinfachter Erwerb des A1-Führerscheines seitens des Bundesverkehrsministeriums ermöglicht wird, denke ich, werden einige das bislang unerreichbare Hobby Motorrad für sich entdecken. Der Einstieg in ein neues Hobby ist oftmals mit hohen Kosten verbunden. Die Gesetzesänderung wäre ein finanzieller Vorteil, der größtenteils bereits die Motorradbekleidung umfasst. Die Hersteller von motorisierten Zweirädern bieten meist sehr attraktive Finanzierungsangebote an, um dann auch die Anschaffung einer 125er zu vereinfachen. Alles in allem würde ich das befürworten. Es sollte jedoch ärztlich geprüft werden, ob sich die Fahrer höheren Alters in einem entsprechenden gesundheitlichen Zustand befinden. Die Fahrschulen sollten explizit darauf achten, Schwächen in weiteren Fahrstunden auszumerzen, bevor die Fahrerlaubnis erteilt wird.“

www.honda-gede.de

Bereits mit 23 Jahren machte Christoph Lessing sein Hobby zum Beruf und gründete 2003 KTM GST Berlin. 2014 folgte der Umzug in einen großzügigen Neubau in Berlin-Biesdorf. Im Europarc Dreilinden feierte man Anfang 2019 die Eröffnung des zweiten Standortes. Detlev Blum fuhr bei ihm vorbei und stellte die Frage des Monats.

Christoph Lessing: „Die Verkaufszahlen von 125er Bikes spielen im Vergleich zum Gesamt-Motorradmarkt bisher nur eine untergeordnete Rolle. Die Einführung der angesprochenen Regelung könnte das sicher ändern. Speziell in Ballungsgebieten und Großstädten würde manch einer die 125er dem bisher genutzten Pkw für den Weg zur Arbeitsstelle vorziehen und dabei noch den Fahrspaß auf zwei Rädern genießen. Nach diesem Einstieg ist ein späterer Umstieg auf größere Bikes nicht ausgeschlossen, selbst wenn dafür noch der richtige Führerschein gemacht werden muss. Eine Zunahme der Unfallzahlen ist nicht zu erwarten. Der in Frage kommende Personenkreis verfügt ja bereits über eine entsprechende Erfahrung im Straßenverkehr.“

www.ktm-berlin.de

Motorrad Fortkord ist im Bielefelder Süden Vertragshändler für Suzuki-Motorräder. Die 15 Mitarbeiter blicken auf eine langjährige, kundenorientierte Tätigkeit im Automobil- und Zweiradbereich zurück. Einige der Mitarbeiter sind schon mehr als 25 Jahre im Job. Neben Reparaturen, Serviceleistungen und Tuning, gibt es einen Reifenservice, Zubehör und Helme mit einem eigenen LS2-Helmcenter. Auch Reparatur und Service bei Motorrädern anderer Marken ist für die Profis selbstverständlich. Die Frage des Monats stellte Ingo Müntz an Geschäftsführer Markus Offelnotto.

Markus Offelnotto: „Ich denke schon, dass die Erfahrung ausreichen sollte. Jemandem mit fünf Jahren Routine auf der Straße eine 125er anzuvertrauen, ist machbar. Immerhin haben zum Beispiel die jungen Fahrer, die auch in Frage kommen, bereits den Führerschein auf Probe erfolgreich absolviert. Sonst hätten sie ja keinen mehr. Hinzu kommt die Spreizung der Erfahrung. Gleichzeitig den Straßenverkehr aus Sicht eines Autofahrers und aus Sicht eines Motorradfahrers wahrzunehmen, kann sich nur positiv auswirken. Gleichzeitig ist das auch wirtschaftlich interessant, wenn mehr Menschen an einer 125er Interesse bekommen und sie bewegen würden. Für die Händler wäre es definitiv gut: Es würden sich weitere Zielgruppen für den Zweiradmarktbereich öffnen. Und sind wir mal ehrlich: Auch Autofahrer fangen mal an und müssen erstmal mit den Ansprüchen im Straßenverkehr klar kommen. Warum also nicht auch auf einer 125er, die heutzutage schon vollwertige Motorräder sind, zum Beispiel mit Blick auf die Sicherheitsfeatures. Und letztlich reden wir hier ja nicht von einer 1000er. Da würde ich definitiv keinen unerfahrenen Motorradfahrer drauf setzen.“

www.fortkord.de

Das BMW Motorrad-Zentrum in Nürnberg ist die Adresse in Franken, wenn es um BMW geht. Die Räumlichkeiten in der Witschelstraße bieten eine große Auswahl an neuen und gebrauchten BMW, auch die aktuelle Ride- & Style-Kollektion findet man dort. Die Frage des Monats stellte Franz Schroll an Stefan Brenner, Leiter des Motorrad-Zentrums.

Stefan Brenner: „Ich denke nicht, dass eine Einführung dieser Regel dazu führt, dass deutlich mehr 125er Leichtkrafträder verkauft und genutzt werden. Seit dem Jahr 2013 kann jemand mit dem Jahrgang 1962 oder früher bereits jetzt eine 125er fahren und das ganz ohne Prüfung. Was auf jeden Fall dafür sprechen würde ist, dass ich es mit einer 125er für deutlich ungefährlicher halte, am Straßenverkehr teilzunehmen als mit einem 50er Leichtkraftrad. Durch regelmäßige und verpflichtende Sicherheitstrainings würde man auch das Thema Unfallzahlen sicherlich in den Griff bekommen. Insbesondere im innerstädtischen Bereich halte ich das Zweirad für die Alternative zum Auto und auch im ländlichen Bereich würde gewiss der eine oder andere Pendler den Weg zu S-Bahn auch mit einer 125er zurücklegen.“

 

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