Zeichen des Zusammenhalts oder überholtes Brauchtum: Ist der Motorradgruß noch zeitgerecht?

Ur-Berlinerin und Lederschneider-Meisterin Tatjana Fang betreibt seit fast 30 Jahren die Lederwerkstatt im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Mit der Devise „Motorradbekleidung ist eine Schutzkleidung und gehört in fachliche Hand“ hat sie sich auf Änderungen und Reparaturen von Bikerklamotten spezialisiert. Selbstverständlich kümmert sie sich auch um normale Bekleidung, Taschen und Rucksäcke aus Leder und anderem derben Material. Detlev Blum fuhr bei ihr vorbei und stellte die Frage des Monats.

Tatjana Fang: „Den Gruß mit der Kupplungshand halte ich nicht für überholt, schließlich drückt er die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen mit der gleichen Leidenschaft aus. Zudem habe ich Motorradfahrer als weltoffene und gesellige Typen kennen gelernt, die gerne aufeinander zugehen. Allerdings sollte keiner sauer sein, wenn einmal bei hohem Verkehrsaufkommen nicht zurück gegrüßt wird. Manchmal geht es eben nicht und auch hier gilt: Sicherheit geht vor.“
www.die-lederwerkstatt.eu

Motorradteile-bielefeld.de bietet auf über 4000 Quadratmetern gebrauchte und neue Original-Ersatzteile für Oldtimer- und Youngtimer-Motorräder an, Schwerpunkt Japan-Klassiker der 70er und 80er Jahre. Aber auch viele andere Marken und Modelle finden sich in den „heiligen Hallen“. Dazu halten die Bielefelder auch über 1500 komplette Motorräder und Teileträger am Lager vor. Verschickt wird weltweit, für Selbstausbau vor Ort warten Werkzeug und Getränke. Die Frage des Monats stellte Erik Förster.

Frank Haasper: „In meinen Augen ist es sehr schade um jedes positiv besetzte Brauchtum, das den Bach runter geht. Allerdings komme ich selber langsam in ein Alter, wo jedes Quäntchen Konzentration für die Verkehrssituation nötig ist – und da kann es leider sein, dass die linke Hand öfter mal am Kupplungshebel bleibt. Insofern wünsche ich mir einfach einen ganz entspannten Umgang – auch mit dem Thema „Gruß“. Ich freue mich immer noch über jeden, der grüßt – wenn und weil er es problemlos kann. Und ich bin mittlerweile auch nicht mehr sauer oder enttäuscht, wenn mein Gruß nicht erwidert wird. Vielleicht rettet ja der Fortschritt in Form von Automatik-Bikes eines Tages diese gute alte Tradition.”
www.motorradteile-bielefeld.de

MCA-Limburg ist eine Filiale des bekannten Motorrad-Center Altendiez und eröffnete erst vor kurzem seine Tore im ehemaligen Hein-Gericke-Shop. Standortleiter Jörg Fürstenfelder, den meisten bereits über 20 Jahre als HG-Shop-Leiter bekannt, und sein Team bieten den Kunden eine große Markenvielfalt an Bekleidung, Helmen sowie Ersatzteile, Zubehör und Technik ohne lange Lieferzeiten. Die Frage des Monats stellte Susanne Roth.

Jörg Fürstenfelder: „Für mich ist der Bikergruß immer noch ein Zeichen des Zusammenhalts und der Solidarität unter Motorradfahrern. Ich freue mich grundsätzlich über jeden Gleichgesinnten, der mir entgegenkommt und mich grüßt. Natürlich grüße auch ich andere Biker. Ich kann keineswegs feststellen, dass der Motorradgruß ein überholtes Brauchtum ist; nach wie vor wird genauso die Hand gehoben, wie früher. Motorradfahren ist eine Leidenschaft und ein Hobby; durch das gegenseitige Grüßen grenzt die Gemeinschaft sich von den Autofahrern oder einem Cabriofahrer ab. Dies wird auch dadurch deutlich, dass recht schnell ein Motorradfahrer stehen bleibt und seine Hilfe anbietet, wenn man mal mit einer Panne am Straßenrand steht.“
www.mca-limburg.de

Der begeisterte Motorradfahrer Martin Breitenfeldt ist mit dem KFZ- und Zweiradservice Breitenfeldt seit über zehn Jahren als freie Werkstatt Ansprechpartner für Kunden aus dem Raum Schwentinental und Kiel, dem Kreis Plön und Rendsburg-Eckernförde. Neben Reparaturen realisieren die Schwentinentaler individuelle Umbauten entsprechend der Kundenwünsche und erledigen Fahrwerksänderungen bis zum Gespann-Umbau sowie Oldtimerrestaurierungen. Willi Johst stellte die Frage des Monats.

Martin Breitenfeldt: „Für mich ist der Motorradgruß nach wie vor zeitgerecht, denn er bedeutet für mich Zusammenhalt und gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfe durch Motorradfahrer. Auch wenn in der Szene von „ich grüße immer“ bis „ich grüße nur noch im Winter“ die unterschiedlichsten  Meinungen vertreten sind. Auch scheint häufig die Fahrzeugmarke eine „grüßenswerte“ Rolle zu spielen, was wirklich egal sein sollte. Sicher, der Gruß stammt aus einer Zeit, als deutlich weniger Motorradfahrer auf den Straßen waren. Und das Motorradfahren ist heute nicht mehr nur eine Lebenseinstellung, sondern auch Freizeitvergnügen, aber gerade deshalb sollte der Motorradgruß vorgelebt werden.“
www.breitenfeldt.info

Das BMW Motorradzentrum in Nürnberg ist die Adresse in Franken, wenn es um BMW geht. Die Räumlichkeiten in der Witschelstraße bieten eine große Auswahl an neuen und gebrauchten Motorrädern. Auch die aktuelle „Ride & Style“-Kollektion findet dort ihren Platz. Die Frage des Monats stellt Franz Schroll an Stefan Brenner, Leiter des Zentrums.

Stefan Brenner: „Ich sehe den Bikergruß keineswegs als überholtes Brauchtum an. Für mich ist es nach wie vor ein Zeichen des Zusammenhalts und ein Zeichen dafür, dass man die Leidenschaft für eine Lebenseinstellung teilt. Ich persönlich unterscheide beim Bikergruß nicht nach Marken. Meiner Meinung nach sollte man den Gruß aber auch situativ anwenden. Ich grüße zum Beispiel nicht auf der Autobahn oder in bestimmten Fahrsituationen. Ebenso zum Beispiel bei den BMW-Biker-Days in Garmisch, da ich sonst von München bis Garmisch freihändig fahren würde. Die Sicherheit sollte hier immer im Vordergrund stehen. Über Biker, die nicht zurückgrüßen, ärgere ich mich nicht. Ich freue mich dafür umso mehr, wenn mich ein Jugendlicher auf seiner 125er grüßt – und grüße natürlich zurück!“
www.bmw-nuernberg.de