Der Markt scheint sich zu polarisieren: Auf der einen Seite dominieren High-Tech-Bikes wie die R 1250 GS die Verkaufscharts, auf der anderen Seite erfreuen sich einfache Konstruktionen wie die Royal Enfield oder die Singles von Mash großer Sympathie. Welchem Konzept gehört die Zukunft?

Ralf Schwerin ist Geschäftsführer des Motorradfachbetriebes „Motor Team“ in Oldenburg/Holstein. In diesem Jahr konnte das Team voller Stolz auf eine 35-jährige Honda-Vertragspartnerschaft zurückblicken.

Ralf Schwerin: „Diese Frage kann man nicht einfach beantworten. Europa ist sicherlich ein ganz technologiebewusster Markt, speziell Deutschland. Hier benötigen wir High-Tech-Produkte, da ein Teil der Motorradfahrer so etwas haben möchte und auch bereit ist, dies zu bezahlen. Für die Hersteller ist das natürlich eine Herausforderung, aber auch ein Wunschzettel. So kann man gezielt entwickeln und produzieren. Und die Technik schafft auch Sicherheit – die ist nicht wegzudenken. Auf der anderen Seite gibt es die Motorradfahrer, die das Puristische wollen – Fahrzeuge wie Royal Enfield oder Mash – die keine 20000 Euro ausgeben möchten, um an jedem Lenkerende diverse Schalter und Setting-Tasten zu haben. Sie wollen ein Motorrad fahren, das noch das Feeling ausmacht, ihr Gedanke von Freiheit auf zwei Rädern. So sollte man sicherlich in Zukunft den Sicherheits- und Umweltgedanken pflegen, aber schön in die Breite das Modellprogramm präsentieren. High-Tech oder pur, Chopper oder Enduro – für jeden sollte etwas dabei sein.“ www.motorteam-oldenburg.de

Richard Rieke gründete zusammen mit Sohn Laurenz Rieke im Januar letzten Jahres Motorrad-Rieke. Seither ist das Familien-Duo der Spezialist rund um Motorradbekleidung, Technik und Zubehör. Richard Rieke war zuvor 31 Jahre Inhaber eines Hein-Gericke-Shops. Das erfahrene Team bietet ein großes Angebot an Motorradbekleidung und über 1000 Helme namhafter Hersteller, Maß-Kombis, Zubehör und Technik. Die Frage des Monats stellte Susanne Roth.

Richard Rieke: „Ich denke High-Tech-Bikes wie auch Motorräder, die bewusst darauf verzichten, haben ihren Stellenwert und werden auch in Zukunft ihren Platz in der Zweiradwelt finden. Auch wenn die High-Tech-Bikes sicherlich höhere Verkaufszahlen haben, haben auch Royal Enfield, Mash und Co. ihre Fan-Gemeinde – und werden sie auch in Zukunft haben. Viele Motorradfahrer haben beides in der Garage stehen. Für den Motorrad-Urlaub wird gerne eine moderne Reiseenduro genutzt, da sie das „Rundum-Sorglos-Paket“ bietet. Anders herum wird auch für die kleinere Runde gerne mal auf das ganze High-Tech verzichtet, was für viele ebenfalls seinen Reiz hat. Motorräder mit weniger moderner Technik sind auch immer noch sehr beliebt bei Hobby-Schraubern, da sich das bei den supermodernen Motorrädern schon eher schwieriger gestaltet.“ www.motorrad-rieke.de 

Peter Anders betreibt in Berlin-Spandau mit seiner Familie seit 25 Jahren das Schlemmer-Paradies. Der Imbiss direkt gegenüber dem BMW-Motorrad-Werk ist oft auch Anlaufpunkt für Motorradgruppen. Bis Ende Oktober gibt es jeden Samstag von 11 bis 18 Uhr einen zwanglosen Bikertreff. Detlev Blum ließ sich den Biker-Teller schmecken und stellte dabei die Frage des Monats.

Peter Anders: „Ganz klar beiden! Es wird immer Motorradfahrer geben, die mit der allerneuesten Fahr- und natürlich Sicherheitstechnik unterwegs sein wollen. Sie erwarten von den Herstellern technische Innovationen, mit denen sie sich mit Neugier und Freude auseinandersetzen. Genauso gut kann ich Biker verstehen, die in unserer hochtechnisierten Welt einen Ausgleich suchen und dabei auf überschaubare und einfach zu handhabende Maschinen setzen. Retro-Bikes sind sicher kein kurzfristiger Trend, sondern haben sich als eigene Fahrzeuggattung etabliert. Bei unserem Bikertreff sind jedenfalls alle willkommen und ich schaue mir immer noch jedes Motorrad gerne an.“

Das Motorradcenter Bauer GmbH wurde 1993 von Hans Bauer gegründet und ist jetzt 25 Jahre am Standort Bamberg in der Geisfelder Straße 40 beheimatet. Seit zwölf Jahren führt Franz Hergenröder das Motorradcenter. Derzeit stehen den Kunden neun Mitarbeiter zur Verfügung. Im Jahr werden etwa 200 neue Motorräder und Roller der Marken BMW und Yamaha verkauft. Seit 2018 vertreibt Bauer auch die E-Kräder der Marke SuperSoco.

Franz Hergenröder: „Die Zukunft gehört dem High-Tech-Bike, da fast jeder sein Handy mit seinem Fahrzeug verbinden möchte und gerne die elektronischen Spielereien hat. Helm-Intercoms sind an der Tagesordnung. Natürlich darf man auch die ganzen Sicherheitsassistenten wie Traktionskontrolle, ABS und elektronische Fahrwerke nicht außer Acht lassen. Je mehr technische Features kommen, umso mehr wird dies vom Kunden angenommen. Doch auch wenn dem High-Tech-Motorrad die Zukunft gehört, wird es doch immer wieder Käufer für nostalgische Bikes geben.“ www.bauer.bmw-motorrad.de

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