Was kommt nach Retro: Aktuell laufen Scrambler-Derivate bei allen Herstellern gut. Was wird der nächste massentaugliche Trend sein?

Manuela Backes und Marco Zulauf leiten gemeinsam das Motorradzentrum Backes in Budenheim bei Mainz. Der Meisterbetrieb wurde 1982 bereits von den Eltern von Manuela Backes gegründet und ist seit 1984 Suzuki-Vertragshändler. Neu- und Gebrauchtfahrzeuge, Service für alle Fabrikate, Reifendienst, HU und Eintragungen, Leistungsprüfstand, Tuning sowie Original-Suzuki-Zubehör gehören zum Angebot. Susanne Roth stellte die Frage des Monats:

Marco Zulauf: „Genau voraussagen kann das sicherlich niemand, welcher Motorrad-typ in der Zukunft im Trend sein wird. Es ist schon seit einiger Zeit so, dass die meisten Wert auf Individualität bei ihrem Motorrad legen und dies bieten oft Modelle, die sich vom allgemeinen Trend „höher, schneller, besser“ abheben, wie Retro-Bikes, Scrambler, Cafer-Racer & Co. Die Leistungsgrenze und der dazugehörige Hightech sind auf Höchststand und werden beim Kauf nicht mehr ganz so hoch angesiedelt. Daher denke ich, dass sich der Retro-Trend und die Devise „weniger ist mehr“ auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Auch Modelle, die sich für längere Touren und individuelle Reisen in ferne Länder eignen, werden sicherlich eine große Rolle spielen.“
www.motorradzentrum-backes.de

Udo Werner ist seit 2014 Ansprechpartner für den Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen bei Ducati Berlin. Bei der Beratung von Kunden – nicht nur aus der Hauptstadt und dem Umland – hilft ihm seine fast 20-jährige Erfahrung in der Motorradbranche. Detlev Blum besuchte ihn in Berlin-Reinickendorf und stellte die Frage des Monats.

Udo Werner: „Zunächst einmal definieren wir bei Ducati Berlin Scrambler nicht als Retro-Modelle, sondern als eigene Fahrzeuggattung wie Superbikes oder Enduros. Aufgrund des anhaltenden Erfolgs und der Erweiterung der Produktpalette werden uns Scrambler noch lange begleiten. Deren Merkmale, wie leichtes Handling und ursprüngliches Fahrgefühl, lassen sich aber auch erfahren bei leistungsstarken Supermotos, die bisher von Bikern noch nicht so richtig entdeckt wurden. Geringes Gewicht, aufrechte Sitzposition und absolute Kurvenwilligkeit liegen sicher auch in Zukunft im Trend. Ich würde mich jedenfalls über mehr Beachtung der Supermotos freuen, zumal wir mit der Hypermotard bereits das richtige Pferd im Stall haben.“
www.ducati-berlin.de

Der Motorradhof Saken in Willebadessen-Eissen gilt als Anlaufpunkt für eine Vielzahl von Marken: Beta, SWM, Mondial, Fantic, Kymco, Hercules, Adly und Troxus führt das Familienunternehmen. Neben Neufahrzeugen gehören auch Service und Reparatur zum Angebot. Die Frage des Monats beantwortet Geschäftsführer Marcus Witte.

Marcus Witte: „Meiner Meinung nach ist der Retro- und Scrambler-Trend noch immer im Aufwind. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Das Downzising ist zwar ein allgemeiner Trend, der alle Motorradklassen betrifft, auch bedingt durch die aktuellen Führerscheinbestimmungen. Es werden aber die namhaften Hersteller ihr Angebot noch erweitern, beispielsweise Power-Retro-Bikes mit viel Elektronik und klassischer Optik. Es werden neue Farben und Lacke kommen mit neuen Lichteffekten. Im unteren Preissegment wird die Klasse bis 500 Kubik weiter wachsen, auf die sich nach und nach immer mehr Hersteller konzentrieren. SWM legt zum Beispiel mit der 440 Grand Milano vor, genau wie Fantic mit der Caballero 500 Flat Track und Scrambler.“
www.motorradhofsaken.de

Seit 50 Jahren steht der Name Witzel in Schweinfurt/Sennfeld für Motorräder. Volker Witzel führt das Geschäft mittlerweile in zweiter Generation und auch die dritte Generation, Steven Witzel, ist schon voll im Geschäft integriert. Als Zweiradmeister ist er der Serviceleiter im Hause. Steven kümmert sich hauptsächlich um Sonderumbauten und Veredelungen verschiedener Modelle. Franz Schroll stellte die Frage des Monats.

Steven Witzel: „Meines Erachtens bleibt der Trend auch in Zukunft überwiegend auf der Retro-Schiene. Im Vordergrund stehen hier die Emotionen. Technik, Ausstattung und PS treten sehr oft in den Hintergrund und man gestaltet sich sein individuelles Bike, was man bei den unterschiedlichsten Herstellern erkennen kann. Zum Beispiel bei BWM die ganze Reihe der R Nine T, bei Husqvarna mit der Vitpilen 401/701 und Smartpilen 401, sowie die Kawasaki Z 900 RS oder die Scrambler-Modelle von Ducati. Die Entwicklung solcher Modelle ist noch lange nicht am Ende. Mit modernster Technik und mehr Hubraum ausgestattet spielt die Motorisierung, denke ich, keine so große Rolle – eher das Fahrgefühl und der Lifestyle. Individuelle Reisen in ferne Länder eignen, werden sicherlich eine große Rolle spielen.“
www.motorradwitzel.de

Seit 40 Jahren dreht sich bei Hänsle Motorradsport in Ettenheim alles um die Leidenschaft fürs Motorradfahren. Sie verkaufen als Vertragspartner Bikes von BMW, Triumph und Kawasaki. Neben neuen und gebrauchten Motorrädern bietet Hänsle Bekleidung, Helme und Zubehör sowie Mietmotorräder an. Birgit Dietrich stellte die Frage des Monats.

Daniel Korell: „Der Retro-Trend ist nach meiner Einschätzung noch lange nicht am Ende. Wir sehen in letzter Zeit verstärkt leistungsstarke Retro-Motorräder, die ihre Vorgänger zitieren und dabei mit aktueller Technik und einem tollen Fahrwerk auch anspruchsvolle Fahrer überzeugen. Davon abgesehen gibt es aktuell zwei gegenläufige Trends: Auf der einen Seite werden die Topmodelle immer weiter aufgerüstet mit Assistenz-Systemen, elektronischen Displays mit Smartphone-Anbindung und aktiven Fahrwerken, um den Fahrer bestmöglich zu unterstützen. Am anderen Ende des Spektrums gibt es viele preisgünstige Einsteigermodelle, die sehr viel Fahrspaß bieten, aber auf ausgefallene Ausstattung verzichten. Hier verzeichnen wir deutliche Zuwächse und ich rechne damit, dass wir in diesem Segment in den nächsten Jahren viele neue Kunden für das Thema „Motorrad“ begeistern können.“
www.haensle.de