Mehr Licht ist immer besser – zumindest solange, bis der Gegenverkehr stark geblendet wird. Gerade beim Motorrad, das deutlich stärkere Wippbewegungen als ein Auto hat, kommt es immer wieder zu starken Blendungen. Ist da ein helleres LED-Licht mehr Gefährdung?

Dipl. Ing. (FH) Andreas Jagusch: „Die Beleuchtungstechnik der Fahrzeuge insgesamt hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Entsprechendes Licht bedeutet Sicherheit. Selbst ausreichend sehen und von anderen frühzeitig gesehen werden. Auch wird das Fahren bei Dunkelheit nicht mehr zum Glücksspiel. Deshalb finde ich es nicht nur folgerichtig, sondern auch fair, dass solche Neuentwicklungen ebenso für Zweiräder genutzt werden. Man fühlt sich dadurch, wenn auch nur mit einem Scheinwerfer, gewissermaßen auf Augenhöhe mit den anderen Fahrzeugen. Die etwas intensiveren Bewegungen der Motorräder tragen aus meiner Sicht weit mehr zur früheren Wahrnehmung der Biker als zur Gefährdung der Autofahrer bei. Abschließend noch ein Wort zum Thema Nachrüstung: Das kann durchaus sinnvoll und auch hilfreich sein, aber bitte unbedingt die Vorschriften und Bestimmungen beachten. Bei Unklarheiten besser vorher mal nachfragen.“
www.dekra.de/stralsund

Oliver Semmler: „Ich bin der Meinung, dass LED-Licht keine Gefährdung ist, sondern Vorteile bringt für die Sicherheit. Die meisten sind mit dem Motorrad auch eher bei Tageslicht unterwegs. Natürlich kann man aber Fahrten im Dunkeln nicht vermeiden und da ist es ein klarer Vorteil, wenn das Licht heller ist und man als Motorradfahrer bedeutend besser und schneller von den anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird. Auch die eigene Sicht auf die Straße, die bei einem Zweirad nun mal etwas schlechter ist als bei einem Auto, wird durch das hellere LED-Licht verbessert. Alles in allem überwiegen für mich die Vorteile von LED-Licht, auch wenn vielleicht der Gegenverkehr etwas mehr geblendet wird.“
www.honda-semmler.de

Tommy Wagner: „Gegen gutes Licht gibt es nichts einzuwenden. Gerade beim Motorrad ist es das A und O bei Nachtfahrten. Ich denke, es geht auch nicht um die Art der Beleuchtung wie LED, Xenon, H7 oder so. Eine blendfreie Einstellung ist durch die Fahrdynamik und verschiedene Beladungszustände ohne „Hilfsmittel“ nicht möglich. Als Novum fällt mir dazu die BMW K1600 GT/L ein, die mit ihrem Hauptscheinwerfer einen Niveau- und Schräglagenausgleich realisiert. Technisch und finanziell sehr aufwändig – aber rattenscharf bei Nacht zu fahren. High-Tech-Licht, Kurven-ABS, elektronische Fahrwerke Traktionskontrolle: alles schön und gut. Die Technik regelt keine Fahrphysik und keine Dunkelheit. Sie werden nur aufgehübscht und vermitteln ein subjektives Gefühl der Sicherheit. Und Hand aufs Herz: Wer heute mit einer sechs-Volt-XT-500 nachts unterwegs ist, fährt deutlich verhaltener, als mit LED-Flutlicht-Bomber.“
www.tommy-wagner.com

Manfred Wild: „Das Problem des Gegenlichts würde ich eher vernachlässigen. Wenn das Fahrwerk und der Scheinwerfer des Zweirades richtig eingestellt sind, wird der Gegenverkehr eher nicht geblendet. Auf Grund meiner langjährigen Erfahrung mit einer breiten Palette an Marken und Technik sehe ich eher die Problematik bei der Eigenblendung. Bei der Fahrt mit LED-Licht konzentriert sich das Auge lediglich auf den hellen Lichtkegel voraus. Die Pupillen ziehen sich zusammen. Der Fahrer kann außerhalb des hellen Lichtkegels nichts erkennen. Eine Kurve ins Dunkle kann dann schnell zur Gefahr werden. Kurvenlicht kann da bis zu einem gewissen Maß weiterhelfen, aber der harte Übergang bleibt auch dort erhalten. Als angenehmer für das eigene Auge empfinde ich das Halogen-Licht. Zwar erreicht die Helligkeit nicht die Entfernung wie beim LED, jedoch behält der Fahrer durch die breitere Ausleuchtung der Straße und den weicheren Übergang zwischen Hell und Dunkel eine sichere und augenschonendere Übersicht.“
www.bikeservice-wild.de

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