Red.: „Das Modellprojekt der neuen Bundesländer, den AM-Führerschein schon mit 15 Jahren zu machen, wurde bis 2020 verlängert. Sollte man den Jugendlichen den Weg zum Moped mit 15 bundesweit freimachen?“

Wer viel fragt, bekommt viele Antworten: Kurve-Urgestein Willi Johst sattelte seine CB 50, fuhr zu den Händlern und bekam zur Frage des Monats nicht nur eine, sondern zahlreiche interessante Meinungen in Ost und West.

Wilfried Johst: „In Mecklenburg-Vorpommern stößt das Projekt bei den Motorradhändlern auf offene Ohren. Insbesondere erhofft man sich dadurch ein frühzeitig gewecktes Interesse am motorisierten Zweirad, die Fahrschulen verspüren bereits etliche Anträge. Allerdings wird befürchtet, dass das Projekt zu früh beendet wird, da eine Vorlaufzeit und  mediale Information benötigt wird. In Lübeck hingegen sind die Fachbetriebe enttäuscht, da das Projekt nur in den neuen Bundesländern läuft. Zu gern würden sie an dem Projekt teilhaben. Einige sind gar der Meinung, den Führerschein ab 15 Jahren bereits auch für 125er-Motorräder zu ermöglichen. Ein Ärgernis eint die Betriebe in Ost und West in ihrer Nähe zur ehemaligen innerdeutschen Grenze: Der 15-jährige Inhaber des Führerscheins kann damit beispielsweise nicht ins nahegelegene Lübeck fahren, da der Führerschein nur in den ehemaligen Bundesländern gilt.“ wjohst@t-online.de

In der Tankstelle seiner Eltern in Herzebrock fing Wilfried Beinert vor über 50 Jahren an. Anschließend zog er an den Standort in der Herzebrocker Straße in Gütersloh. Dort ist er seit Jahrzehnten den Yamaha-, Suzuki- und Peugeot- Kunden ein Begriff. Bis heute verkauft er Motorräder, Roller und Zubehör und sowie Service für alle japanischen Marken.. Mit seinen 70 Jahren steht er noch jeden Tag im Geschäft. Die Frage des Monats stellte Ingo Müntz stellte

Wilfried Beinert: „Auf jeden Fall. Meiner Meinung nach sind die Leute in dem Alter viel reifer geworden. Wenn man sich mal die jungen Leute anguckt, die heute Roller mit höchstens 25 km/h dürfen sieht man schnell, dass sie ein Verkehrshindernis für die andere Teilnehmer sind. Und wenn man mal versucht mit 45 km/h von Gütersloh nach Bielefeld zu fahren, ist das ja auch für den Fahrer nicht ganz ungefährlich. Wenn die Fahrausbildung für die 15-Jährigen umfangreich und seriös ist, kann ich mir das sehr gut vorstellen. Stellt man sich vor, dass die jungen Leute künftig mal mit 16 Jahren wählen gehen dürfen, sollten sie auch mit 15 Jahren Moped fahren dürfen. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Entscheidung ein wenig Bewegung in den Verkauf bringen könnte. Vielleicht gönnen ja mehr Eltern ihren Kindern dann ein Moped.“ www.beinert-online.de

Den Zweirad-Service-Schlosser, Meisterbetrieb und freie Werkstatt, gründete Patrick Schlosser vor zehn Jahren in Grünberg. Neben Neu- und Gebrauchtfahrzeugen findet man auch Roller, E-Bikes und Fahrräder. Patrick betreut außerdem den jungen und ambitionierten Rennfahrer Leon Langstädtler. 2016 bildete Schlosser den Bundessieger der Zweiradmechaniker, Fachrichtung Motorradtechnik, aus und erhielt die goldene Ehrenurkunde der Handwerkskammer Wiesbaden. Susanne Roth stellte die Frage des Monats.

Patrick Schlosser: „Ich befürworte den AM-Führerschein ab 15 Jahren für alle Bundesländer. Ich denke, mit 15 Jahren ist man in der Lage, ein Kleinkraftrad oder Moped zu fahren, sonst würde man diese Regelung in den neuen Bundesländern auch nicht verlängern. Ich selbst stelle fest, dass das Interesse für Mopeds leider bei Jugendlichen rückläufig ist. Oft ist ein Grund, dass man mit 17 schon den PKW-Führerschein machen kann und die Kosten für den Moped-Führerschein empfinden viele als unrentabel. Bei zwei Jahren würde es sich schon eher lohnen. Wer schon mal auf den Geschmack von zwei Rädern gekommen ist, entwickelt auch eher Interesse, später den Motorradführerschein zu machen, was bei mehr jungen Mopedfahrern ebenfalls einen positiven Aspekt mit sich bringen würde.“ www.zweirad-schlosser.de

KTM-Müller ist ein Motorradhaus in Waltenhofen im Allgäu. Seit über 20 Jahren ist Müller KTM- und seit zwei Jahren auch Husqvarna-Vertragshändler. Zudem verkaufen die Allgäuer E-MTBs und bieten alles, was der Motor- radfahrer benötigt. Franz Schroll stellt die Frage des Monats.

Stefan Müller: „Ich bin sehr dafür, dieses Modellprojekt auf die ganze Republik auszuweiten. Nicht nur vor dem Hintergrund der immer noch nicht einheitlichen Regelungen in Deutschland, geschweige denn in der EU. Die bisherigen Führerscheinregelungen, 15-jährige nur mit dem Mofa auf die Straße zu lassen, halte ich für überholt. In den letzten Jahrzehnten ist der motorisierte Verkehr nicht nur mehr, sondern auch schneller geworden. Ein KFZ mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit ist nicht mehr zeitgemäß, da bereits E-Bikes mit dieser Geschwindigkeit ohne Führerschein gefahren werden können. Gerade im ländlichen Bereich ist Mobilität für junge Menschen zwingend erforderlich, allein um zur Schule oder Ausbildung zu kommen. Für die ganze Zweiradbranche wäre dies ein echtes Argument den Eltern gegenüber, dem interessierten Jugendlichen ein Moped oder ähnliches zu kaufen. Gerade der Führerschein mit 17 lässt viele Eltern denken, sie könnten so das ungeliebte „Motorradproblem“ umgehen. Mein Vorschlag wäre, das Thema „Begleitetes Fahren“ auch auf Motorräder auszuweiten. Denn gerade beim Auto ist dies ja ein durchweg positives Projekt! Doch hierüber könnten wir vielleicht mit den geeigneten Vertretern mal diskutieren.“ www.ktm-mueller.de

Honda-Vertragshändler Fischer & Böhm in Solingen ist der zweitälteste Honda- Händler in Europa. Für diese familiär geführte Firma gibt es keine andere Marke. In guten wie in schlechten Zeiten war Honda hier immer ein verlässlicher Partner. Unsere graue Eminenz Günter Wagner sprach mit Geschäftsführer Thorsten Böhm.

Thorsten Böhm: „Grundsätzlich finde ich das Fahren ab 15 Jahren sinnvoll. Die jungen Fahrer werden positiv an das Thema Motorrad geführt, müssen lernen, Verantwortung für sich, ihr Fahrzeug und die anderen Verkehrsteilnehmer zu haben. Auch können die motorischen Fähigkeiten der Smartphone- Benutzer wieder verbessert werde, da sie sich dann mehr bewegen. Als Kaufmann würde ich mich freuen, eine neue Kundengruppe zu erreichen. Natürlich muss es entsprechende Fahrzeuge geben.“  www.honda-motorrad-solingen.de

Kfz-Technikermeister Olaf Lange alias „Lobo“ führt in Berlin Hohenschönhausen als Indian-Vertragshändler das Familienunternehmen „Lobo Bikes“ und die Fahrschule „Olala“. Seit mehr als 30 Jahren kümmert er sich als Fahrlehrer für alle Führerscheinklassen um die Ausbildung von Fahrschülern aus Berlin und Brandenburg. Die Frage des Monats stellte ihm Detlev Blum.

Olaf Lange: „Die Verlängerung des Projektes zeigt, dass der von Kritikern befürchtete Anstieg der Unfallzahlen nicht eingetreten ist. Deshalb sollte die Regelung auf alle Bundesländer ausgeweitet werden. Nur so kann das Ziel, Jugendliche mobiler und unabhängiger zu machen, erreicht werden. In unserer Region endet die Freiheit der 15-jährigen Brandenburger Mopedfahrer derzeit am Berliner Ortsschild und die jugendlichen Hauptstädter müssen warten, bis sie 16 sind. Das kann so nicht bleiben.“ www.lobobikes.de

 

Teilen: