Wir fragen jeden Monat einen Branchen-Insider, was man vor Ort über das aktuelle Motorrad- Geschehen denkt – in eurem Magazin soll ja nicht nur die Redaktion zu Wort kommen.

Red.: Auf der EICMA präsentierte Yamaha das dreirädrige Niken. Könnt ihr euch vorstellen, dass bald viele solcher Vehikel auf den Straßen zu sehen sein werden?

Yamaha Schulz in Greifswald kümmert sich nicht nur um Yamaha, sondern auch um andere Marken und Quads. Umbauten und Motorradvermietung runden das Repertoire der Greifswalder ab. Volker Wahmkow sprach mit Ge- schäftsführer Sven Schulz.

Sven Schulz: „Als erstes fallen mir da weitere Fragen ein, zum Beispiel eine Revolution des Motorradfahrens oder gar seine Zukunft? Ist das noch ein Motorrad oder muss Motorrad neu definiert werden? Wann ist ein Motorrad ein Motorrad? Wer will so was fahren respektive kaufen?
Mir geht es wie mit den zwei Herzen in einer Brust: Einmal das des kompromisslosen Old-School-Bikers und zum anderen das des technikbegeisterten Ingenieurs. Verglichen mit dem, was wir bisher von Motorrädern kennen, scheint dieses Gerät tatsächlich das Potenzial für eine Fahrspaßrevolution zu besitzen. Als Händler und Verkäufer stellen sich natürlich wesentlich pragmatischere Fragen, etwa nach einer Zielgruppe oder nach dem Preis. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Niken für Spät- oder Wiedereinsteiger in die Zweiradszene interessant sein könnte – oder erleben wir die Geburtsstunde der Dreiradszene?“
www.yamahaschulz.de – 03834/504888

Motorrad Schlüter ist in Dortmund seit Jahrzehnten eine echte Institution. Auf über 1000 Quadratmetern gibt es neue und gebrauchte Motorräder, Roller und alles, was dazu gehört. Inhaber Günter Schlüter feiert dieses Jahr seinen 75. Geburtstag. Er erfüllte sich einen Herzenswunsch und versorgt das Ruhrgebiet nun auch mit Zündapp- Leichtkrafträdern. Die Frage des Monats stellte Tilman Sanhüter.

Günter Schlüter: „Nein, ich glaube nicht, dass sich das Konzept so schnell durchsetzen wird. Eingefleischte Motorradfahrer würden sich niemals ein Fahrzeug mit zwei Vorderrädern kaufen. Wenn man die Niken mit dem PKW-Führerschein fahren dürfte, dann hätte sie vielleicht eine kleine Chance. Den Piaggio MP3 kauft auch niemand, weil er ihn wirklich ästhetisch schön findet, sondern rein aus praktischen Gründen. Ansonsten belächeln die Motorradfahrer die Dreiräder eher als „Krankenfahrstühle“. Außerdem bedeuten im Falle der Niken zwei Gabeln und zwei große Vorderreifen automatisch höhere Wartungskosten.“

www.motorrad-schlueter.de – 0231/813370

Tommy Wagner, seit über 30 Jahren Branchenmitglied, hatte schon immer ein Faible für Exoten. Neben seinen Stammmarken BMW und Yamaha betätigte er sich schon als Importeur für Bimota, Mondial und Norton. Ständi- gen Querelen mit den Herstellern zum Thema Qualität und Garantieabwicklung haben ihn 2014 veranlasst, seine Emotionen für das Außergewöhnliche einzudampfen. Seitdem sucht er umso mehr bei seinen zwei Stammmarken die Herausforderung. Eine davon ist sicherlich die Niken. Franz Schroll stellte die Frage des Monats.

Tommy Wagner: „Yamaha war immer gut für Innovationen in puncto Technik. Diese haben sich gerade in den letzten Jahren auf neue Motorenkonzepte konzentriert. Das Thema Fahrsicherheit wird mit dem Niken nicht ganz neu, aber doch anders interpretiert. Der positive Effekt des „ewig pappenden Vorderrades“ steht außer Zweifel. Mehr Sicherheit für den Anwender bei gleichem Fahrkönnen. Das birgt aber auch Risiken. Plötzlich bekommen Menschen einen Vorderradgrip vermittelt, wie es beim einspurigen Fahrzeug nie möglich sein wird. Die Grenzen sind genauso vorhanden, nur etwas verschoben. Nehme ich den Durchschnittsfahrer, sehe ich einen Riesen- vorteil in dieser Technik. Ich glaube jedoch nicht, dass wir die Niken in Massen auf unseren Straßen sehen werden. Da hängt die Emotionsschwelle für das Motorrad zu hoch. Und die Niken ist und bleibt ein Dreiradel.“ www.tommy-wagner.com

Kfz-Meister Thorsten Wolter ist seit 1992 Geschäftsführer der Fuhrmann Motor GmbH in Berlin-Neukölln. Ur- sprünglich als Yamaha-Händler gestartet, entwickelte sich das Unternehmen mit Suzuki als zusätzliche Marke zu einem der größten Zweirad-Fachbetriebe in der Region Berlin-Brandenburg mit derzeit 28 Mitarbeitern. Seit 2010 ist Fuhrmann zudem Vertragspartner für Suzuki-Automobile. Detlev Blum stellte die Frage des Monats.

Thorsten Wolter: „Yamaha verspricht mit der im Motorradbereich neu- en Fahrwerkskonzeption mit gleich zwei Vorderrädern ein völlig neues Fahrerlebnis. Durch den Verbau des erfolgreichen und enorm agilen Dreizylinder-Aggregates aus der Yamaha MT-09 ist klar, dass hier ein besonders fahrdynamisches Bike mit großer Schräglagenfreiheit bei gleichzeitig erhöhter Fahrsicherheit entwickelt wurde. Sollte die Yamaha Niken in der Praxis überzeugen, wird das futuristische, aber im Moment noch ungewohnte Design in Zukunft sicher häufig zu sehen sein. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die erste Ausfahrt mit der Niken.“
www.tommy-wagner.com

TEC-Motors ist Vertragshändler für Suzuki- und Yamaha-Motorräder sowie für Suzuki-Autos. Eröffnet wurde 1995 und 2006 zogen Winfried Horn und Norbert Pfeil mit ihrem Team in das neue Gebäude nach Marburg-Gisselberg. TEC-Motors ist außerdem SW-Motech-Stützpunkthändler und bietet einen großen Bekleidungsshop im Oberge- schoss sowie ATV und Quads an. Susanne Roth stellte die Frage des Monats.

Winfried Horn: „Da wir noch keine Yamaha Niken da haben, kann ich auch noch nicht sehr viel dazu sagen, wie die Re- sonanz in Zukunft sein wird. Der Motor stammt aus der MT-09 und hat sich somit schon bes- tens bewährt. Durch die zwei Räder vorne ist eine höhere Schräglagen- sicherheit gegeben, also eine Steige- rung um gut 30 Prozent im Vergleich zu Motorrädern mit zwei Rädern. Ein weiterer Vorteil wäre sicherlich für einige Kunden, wenn sie die Niken mit ihrem Führerschein Klasse B –PKW-Füh- rerschein- fahren könnten. Dies ist allerdings nicht gegeben, da dafür die Spurbreite vorne zu gering ist. Bei einigen Neuerungen, wie zum Beispiel E-Bikes, konnte man sich nicht vorstellen, dass sie irgendwann zum normalen Straßenbild dazugehören könnten und letztendlich kamen sie doch ganz gut an.“
www.tec-motors.de – 06421/97510