Falsch verbunden? Haben Motorräder in der voll vernetzten Welt der Zukunft noch eine Chance?

Das Motorradhaus Stocksiefen in Nauheim ist seit 1970 Yamaha-Vertragshändler und seit 2011 auch Royal Enfield-Händler. Geschäftsführer Werner Heinß und sein Team haben immer eine große Auswahl an Gebrauchtmotorrädern verschiedener Marken an Lager. Ankauf, Verkauf und Service für alle Marken sowie ein großes Angebot an Marken-Helmen gehören ebenfalls zum Angebot. Susanne Roth stellte die Frage des Monats.

Werner Heinß: „Eine Chance für Motorräder sehe ich auf jeden Fall. Die Entwicklung und der Fortschritt stehen ja nicht still und einige Hersteller stehen mit verschiedenen Möglichkeiten schon in den Startlöchern. Auf viele Fragen, die durch das Zusammenspiel der verschiedensten Fahrzeuge im Fahrbetrieb entstehen, wird es geeignete Antworten geben. Es wird sicherlich in nächster Zeit kommen, dass auch Zweiräder automatisch von den anderen Fahrzeugen im Verkehr erkannt werden. Dass ein Motorrad autonom fährt, so dass der Motorradfahrer zum Beispiel nicht mehr lenken muss, sehe ich wiederum nicht. Das Motorrad ist nicht vergleichbar mit einem PKW, der meist dazu dient, von A nach B zu kommen. Motorradfahren ist ein Hobby, eine Leidenschaft.“ www.das-motorradhaus.de

„Motorradfahren ist mehr, als sich von A nach B zu bewegen“, so Christian Ebert, der vor kurzem das Zepter von seinem Vater Manfred übernahm. Bereits seit 1965, damals noch in Würzburg, ist die Firma Ebert im Motorradhandel aktiv. Seit 1978 ist man in Höchberg in der Heisenbergstraße zuhause. Mit den Marken BMW, Honda und seit kurzem auch Indian hat man ein großes Angebot: Egal ob Tourer, Sportler oder Einsteiger, dort findet der Biker für jeden Geschmack etwas. Die Frage des Monats stellte Franz Schroll.

Christian Ebert: „Ja klar haben die Motorräder eine Zukunft! Auf dem Land wird es sowieso nicht so vernetzt sein und in der Stadt lässt sich schön Slalom um die Autos fahren. Ganz nach meinem Motto „Motorradfahren ist mehr, als sich von A nach B zu bewegen“ und das wird auch die Digitalisierung nicht ändern. Das Gefühl von Freiheit und der Spaß am Motorradfahren selber, wird die „virtuelle“ Welt nicht ersetzen können.“ www.motorradhaus-ebert.de

Im April 1986 eröffneten Martina und Ulrich Reinecke in der Kolpingstraße in Heilbronn-Sontheim das Moto-Studio-Reinecke. Anfangs noch ohne Markenvertretung, folgte im November 1986 ein Suzuki-Vertrag. Die Räumlichkeiten wurden schnell zu klein und eine angemietete Lagerhalle brachte nur vorübergehend Entspannung. Neben vielen Umbauten und veredelten Motorrädern, fanden sogar ganze Moto-Studio-Sondermodelle ihre Liebhaber. Seit 2001 präsentiert man sein Angebot in einem schönen Neubau auf 700 Quadratmetern: Suzuki, Yamaha, Zubehör und Bekleidung. In der modern ausgestatteten Werkstatt bietet das Moto-Studio-Team alle Arbeiten vom Reifenwechsel bis zur Motorinstandsetzung an. Die Frage des Monats stellte Birgit Dietrich.

Ulrich Reineke: „Es ist nicht die Frage, ob Motorräder in der voll vernetzten Welt noch eine Chance haben: Motorräder sind die Chance. Zum einen in den stetig wachsenden Ballungsräumen: Durch die digitale Vernetzung und innovative Sicherheitssysteme wird das Zweirad eine große Chance, die mobilen Ströme in den Städten zu verdichten, besser zu ordnen und zu steuern. Vom Roller, Scooter bis zu wendigen Motorrädern, es gibt schon jetzt keine flexiblere und günstigere Möglichkeit, sich in Städten auch über längere Strecken fort zu bewegen. Zum anderen ist das Zweirad eine der besten Möglichkeiten, die mobile Freiheit auszukosten und der vernetzten Welt für einige Zeit geschickt zu entkommen. Auch die Jugend kommt wieder stärker zu zwei Rädern zurück, 125er haben eine große Nachfrage.Mich stimmt das deshalb zuversichtlich, dass Motorräder eine gute Zukunft in unsere immer stärker vernetzen Welt haben, ein letztes Stück Gefühl von Freiheit wird sich jeder bewahren wollen. Tipp: am 6. und 7. April geben wir diese Faszination und Informationen rund um die Marken Suzuki und Yamaha als „Tag der offenen Tür“ wieder an unsere Besucher weiter.” www.motostudio.de

Das Institut für Zweiradsicherheit IFZ ist immer dabei, wenn es um Innovationen für Motorradfahrer geht. Johann Vorderwülbecke stellte IFZ- Forschungsleiter Matthias Haasper die Frage des Monats.

Matthias Haasper: „Kurz und bündig und vorne weg: Ja, sogar eine große! Technische Innovationen der Hersteller tragen seit Jahren zu einem nicht unwesentlichen Teil dazu bei, dass die Verunglücktenzahlen im Straßenverkehr abnehmen beziehungsweise trotz steigender Fahrzeugbestände nicht weiter steigen. Dies gilt auch für Motorräder, die dank ausgefeilter technischer Systeme sicherer sind denn je. Und so wird es weitergehen, indem auch die Gruppe der motorisierten Zweiräder in die „vernetzte Welt“ integriert wird. Die voranschreitende Technik wird gerade mit Blick auf die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander und mit der Verkehrsumwelt dazu beitragen, die Anzahl der verunglückten Motorradfahrer zu reduzieren, vor allem mit Blick auf Kollisionsunfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern. „Den hab ich gar nicht kommen sehen“, heißt es oftmals zu spät. Dies wird mit dem Einzug der Konnektivität Geschichte sein. Die vernetzte Kommunikation wird technisch durch kooperative Systeme ermöglicht. Man spricht in diesem Zusammenhang von V2X-Kommunikation (Vehicle-to-Vehicle- bzw. Vehicle-to-Infrastructure-Kommunikation) oder allgemein gefasst von C-ITS (Cooperative Intelligent Transport Systems).“ www.ifz.de

Für viele BMW-Fahrer ist AHAG Bochum ein wichtiger Stützpunkt im Ruhrgebiet. Das Geschäft hat fast aus jeder Modellpalette ein Motorrad im Showroom stehen. Beim Bummeln kann man schnell mal die Zeit vergessen. Zudem sind die Bochumer Stützpunkthändler für AC-Schnitzer, Rizoma und Bagster. Und da BMW dafür bekannt ist, seine Motorräder möglichst mit allen aktuellen Technikfeatures auszustatten, stellte Ingo Müntz die Frage des Monats.

Wolfgang Hemstege: „Wenn der Biker seine Hausstrecke abfährt oder eine längere Urlaubstour plant, dann möchte er ungestört unterwegs sein. Denn die tägliche Vernetzung mit dem Smartphone – ob im Auto oder am Arbeitsplatz – ist überall. Gerade wegen der inzwischen kompletten Vernetzung am Motorrad wünscht er sich häufig eine mediale Entschleunigung. Mal ehrlich, mit geöffnetem Visier an einem lauen Sommerabend am Möhnesee entlang cruisen – dazu benötige ich keine digitale Vernetzung. Es sei denn, die digitalen Helfer verrichten ihren Dienst unauffällig im Hintergrund, wie der „Intelligente Notruf“. Nach meiner Einschätzung eine der besten Innovationen für den ambitionierten Biker. Es spielt also keine Rolle, ob beim eigenen Motorrad eine vernetzte Vollausstattung mit an Bord ist oder nicht. Allein die Fahrfreude ist entscheidend. Bemerkenswert ist der riesige Anteil gebrauchter Motorräder mit einer Erstzulassung vor 2000. Deshalb wird man sich auch in 20 Jahren noch über gepflegte Bikes von heute freuen.“ www.ahag-group.de/motorrad/

Die Firma Bergos ist den meisten Enduro-, Motocross- und Supermoto-Fahrern ein Begriff. 1987 startete Chef Axel Bergfeld als aktiver Motocrossfahrer – und später Supermoto-Fahrer – sein Geschäft. Damals vor allem auf XR-Motorräder spezialisiert, baute Bergfeld sein Portfolio über die Jahre umfangreich aus. Mit Sitz in Bielefeld-Jöllenbeck organisieren Britta und Axel Bergfeld heute einen gut sortierten Onlineshop sowie top Service an jedem Einzylinder. Als Husqvarna-Vertragshändler konnte Bergos die komplette Entwicklung vom Rappel-Single bis zum hochmodernen Power-Aggregat begleiten. Ingo Müntz stellte die Frage des Monats.

Axel Bergfeld: „Heute wird so gut wie jedes Motorrad mit Einspritzung, ABS und einer umfangreichen Bordelektronik ausgestattet. Schon das ist der Grund, warum Motorräder in der vernetzten Welt angekommen sind. Wenn wir bei der Firma Bergos ein Motorrad zum Service bekommen, werden zunächst Daten und Fehler mit dem Computer ausgelesen. Inzwischen ist dieses System webbasiert und damit komplett vernetzt. Außerdem wird jedes neue Motorrad über Fahrgestell- und Motornummer dem Kunden zugewiesen. Erst wenn der Neukunde alle Formalitäten erledigt hat, erhält er einen Freistellungscode. Das soll zum Beispiel bei Diebstahl helfen, bei der Ersatzteilversorgung und den jeweiligen Service am Motorrad dokumentieren. Denn egal, wo ich gerade unterwegs bin, können die letzten Tätigkeiten am Motorrad von einer Datenbank abgerufen werden. Das Ziel sollte sein, auch beim Weiterverkauf den neuen Eigentümer einzutragen. Das war bei einer XR 600 1987 so sicherlich noch weit, weit entfernt.“ www.bergos.de

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