Die Redaktion: „Es gibt mit der EN 17092-2 inzwischen eine Prüfnorm für Motorradbekleidung. Ist das eine Entscheidungshilfe für Kunden oder unnütze Bürokratie?”

Zubehör- und Bekleidungsgrossist Louis hat für fast jedes Schutzlevel Motorradbekleidung im Sortiment. Wir fragten Jürgen van Bömmel von der Presseabteilung der Hamburger Zentrale nach seiner Meinung zur Schutznorm.

Jürgen van Bömmel: „Für uns bedeutet die Zertifizierung bei jedem neuen Produkt einen erheblichen Mehraufwand nicht nur finanzieller Art. Es gibt nur wenige entsprechende Prüfinstitute, bei denen die gesamte Branche testen lässt, was teilweise für erhebliche Verzögerungen gesorgt hat. Das vielleicht positivste Ergebnis aus der Sicht unseres Produktmanagements: Die allermeisten Produkte unserer Exklusivmarken haben die Tests ohne Probleme bestanden. Sicher sind einige Regelungen der neuen Prüfnorm noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Trotzdem halten wir die neue Norm insgesamt für richtig und sinnvoll. Schon deshalb, weil sie unseren Kunden zeigt, dass sie bei Louis Qualität bekommen. Und weil sie ihnen die Sicherheit gibt, sich auf Standards verlassen zu können, die von unabhängiger Seite bestätigt sind. Fakt ist: Keine Jacke oder Hose, egal mit welcher Zertifizierung, bietet absoluten Schutz. Fakt ist ebenso, dass auch zertifizierte Kleidung ihre bestmögliche Schutzwirkung nur dann entfalten kann, wenn sie richtig passt: sowohl zur physischen Statur des Fahrers als auch zu dem, was er damit vorhat. Eisdiele? Rennstrecke? Weltreise?” www.louis.de

Motoshop Lanz bietet seinen Kunden an drei Standorten in Baden-Württemberg fachmännische Beratung in Sachen Bekleidung und Helme an.  Die Geschäftsführerinnen Martina und Linda Lanz-Schneider stehen mit ihrem Team mit Rat und Tat zur Seite. Die Frage des Monats stellte Birgit Dietrich.

Linda Lanz-Schneider: „Für den Verbraucher sprich für unsere Kunden hat die Norm keine Nachteile. Vielmehr hilft sie dem Biker, sich einen besseren Überblick über die verschiedenen Sicherheitsstufen zu verschaffen und kann so über die Staffelung den jeweiligen Sicherheitslevel mit seinen Belangen abgleichen. Für uns als Fachhandel stand es auch vor dieser Norm an erster Stelle, den Kunden über die Sicherheitsmöglichkeiten aufzuklären und gemeinsam das Gewünschte und Sinnvolle für ihn zu erörtern und umzusetzen. Die kompetente Aufklärung über die gewünschte Motorradbekleidung oder Helme war uns schon immer wichtig. Dazu gehört auch, den Biker auf eventuelle mangelnde Sicherheit beispielsweise bei einem Sturz hinzuweisen. Gemeinsam gilt es, genau das passende Produkt für den Kunden zu finden. Dies gehört zu einem guten Fachhandel dazu. Deswegen kommt der Kunde zu uns und vertraut uns. Das klappt bei uns seit Jahren mit oder ohne Norm.“ www.motoshop-lanz.de

Ulrich Herpich ist seit über 40 Jahren begeisterter Motorradfahrer und fast genauso lange im Verkauf von Bekleidung tätig. Seit 2018 betreibt er mit drei seiner langjährigen Angestellten den Laden „Zündstoff“ in Augsburg, wo eine vielfältige Auswahl an Motoradbekleidung und Zubehör verschiedener Hersteller zur Auswahl steht. Franz Schroll stellte die Frage des Monats.

Uli Herpich: „Grundsätzlich ist gegen eine Normierung bei Schutzkleidung nichts einzuwenden. Motorradoutfit soll ja vor allem schützen. Kunden haben die verschiedensten Vorstellungen und Ansprüche an Ihre Kleidung. Das hängt sicher auch vom Motorrad ab und wie es genützt wird – Rennstrecke oder Stadtfahrt. Die EU-Norm EN17092 regelt genau das in sechs verschiedenen Kategorien. Als Einzelhändler und als Kunde kann dies schon helfen, da man bei der Beratung eine Vorauswahl treffen und dem Kunden gezielt eine Auswahl unterschiedlicher Produkte gemäß seinen Vorstellungen anbieten kann. Aber es ist wie bei den meisten EU-Normen, wo man sich nur denkt: ,Was machen die in Brüssel denn schon wieder?´ Gewiss stecken auch gute Absichten und Ziele hinter der Norm. Sie will aber, wie gefühlt alle EU-Normen, die Dinge bis in das allerkleinste Detail regeln.” www.zuendstoff-augsburg.de

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